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Indiens Frauen fordern mehr Rechte

Die Frauen Indiens fordern gerechte Bestrafung für die Täter und mehr Rechte für Frauen. © SIPA - Indiens Frauen fordern mehr Rechte
Die Frauen Indiens fordern gerechte Bestrafung für die Täter und mehr Rechte für Frauen. © SIPA
Abends noch allein aus dem Kino nach Hause gehen? Das ist hier bei uns in Deutschland in der Regel kein Problem. Die wenigstens Frauen haben in einer solchen Situation Angst, dass sie überfallen und vergewaltigt werden könnten.

In Indien ist das anders. Einer Studie der Thomson Reuters Foundation zufolge ist Indien das frauenfeindlichste Land unter den G-20-Staaten. Zehntausende weibliche Föten werden pro Jahr abgetrieben. Ehrenmorde, Zwangs- und Kinderheiraten sowie Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Die Vereinten Nationen haben Indien sogar zum weltweit gefährlichsten Ort für Mädchen erklärt.

Die Hauptstadt Neu-Delhi ist die Stadt mit den meisten Verbrechen. Laut Angaben der Polizei wird hier im Schnitt alle 18 Stunden eine Frau vergewaltigt. Oft sind es Frauen der unteren Gesellschaftsschichten. Jetzt traf es eine 23-jährige Studentin der Mittelschicht.

Vergewaltigungen stehen in Indien an der Tagesordnung
Die Gruppenvergewaltigung der jungen Studentin in Neu-Delhi ist zurzeit Gesprächsthema Nummer eins. Nicht verwunderlich, schließlich ist sie an Brutalität kaum zu übertreffen. Traurigerweise ist sie kein Einzelfall. Vorfälle dieser Art stehen in Indien an der Tagesordnung. Nach offiziellen Angaben richteten sich 2011 von rund 256.000 registrierten Gewalttaten mehr als 228.000 gegen Frauen. Allerdings ist die tatsächliche Zahl wohl deutlich höher. Denn die meisten Frauen wagen es nicht, Anzeige zu erstatten. Elvira Greiner, die Vorsitzende der Andheri-Hilfe in Bonn, erklärt, warum das so ist: "Die Frauen schämen sich. Eine Vergewaltigung bedeutet nicht nur Schande für die Frau sondern für die ganze Familie. Oft zwingt sie ihre Familie sogar zum Schweigen. Zudem wird Frauen oft eine Mitschuld gegeben und die meisten Anzeigen verlaufen im Sande. Die Täter werden nicht bestraft."

Was die junge Studentin erlebt hat und worüber jetzt alle reden, ist Alltag vieler Dalit-Frauen, Adivasi oder Tempeltänzerinnen. Elvira Greiner: "Dalit-Frauen, die sogenannten Unberührbaren oder Adivasi, die Ureinwohner Indiens, werden jeden Tag Opfer von Gewalt und Vergewaltigungen. Immer wieder kommt es vor, dass sie anschließend umgebracht werden." Der Grund: In Indien herrscht nach wie vor das Kastensystem. Menschen der unteren Kasten, insbesondere Frauen, werden von der Gesellschaft nicht anerkannt. Sie sind nichts wert, bekommen keine Arbeit, leben auf der Straße - und werden entsprechend wie Freiwild behandelt. Doch darüber spricht niemand.

Lautstarke Proteste für mehr Frauenrechte
Ob sich das jetzt vielleicht ändern wird? Immerhin haben die Frauen Indiens ihre Stimme gefunden und wehren sich in massiven Protesten gegen die männerdominierte Gesellschaft. Das Schöne: Sie werden dabei von vielen Männern unterstützt!

Auch bekannte Bollywood-Stars wie die Schauspielerin Shabana Azmi melden sich zu Wort. Sie twitterte: "Unsere eigene Unfähigkeit starrt uns ins Gesicht. Möge ihr Schicksal [das der Studentin] der Weckruf sein, den unser Land braucht."

Hoffnungsschimmer für Inderinnen
Die Übergriff auf die Studentin hat immerhin eins bewirkt: Die Politik will härter gegen Straftäter vorgehen, Opfern mehr Gehör schenken. Seit dem 1. Januar gibt es eine spezielle Hotline für Opfer sexueller Gewalt. Außerdem sollen mehr Frauen als Polizistin ausgebildet werden, damit es Vergewaltigungsopfern leichter fällt, sich an die Polizei zu wenden. Desweiteren hat die indische Regierung eine Kommission gegründet, die Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit von Frauen erarbeiten soll.

Den Dalit-Frauen wird das jedoch wenig helfen. Dafür ist die Kluft zwischen der Ober- und Mittelschicht und den unteren Kasten einfach viel zu groß. Elvira Greiner: "Weder Gesetzesänderungen noch die Todesstrafe im aktuellen Mordfall werden für die Dalit- und Adivasifrauen mehr Rechte und mehr Sicherheit bringen. Letzteres ist nur möglich, wenn sich in den Köpfen all der Inder etwas ändert, die heute immer noch die Frauen der untersten Gesellschaftsschichten als Freiwild betrachten."

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Der Fall der 23-jährigen Studentin im Überblick
Zusammen mit ihrem Freund besteigt die junge Frau am 16. Dezember 2012 abends einen kleinen Privatbus in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Sie weiß nicht, dass der Fahrer und seine fünf Begleiter den Bus unerlaubt entwendet haben und ziellos durch die Stadt fahren. Nach ersten anzüglichen Bemerkungen fallen die Männer über die Frau her, schlagen sie, vergewaltigen sie mehrmals brutal. Der Freund wird ebenfalls mit einer Eisenstange zusammengeschlagen, damit er ihr nicht zu Hilfe eilen kann. Anschließend werfen die Männer das Paar aus dem Bus. Die Frau stirbt zwei Wochen später an ihren Verletzungen. In Indien brechen Massenproteste aus, die sich für mehr Frauenrechte und eine gerechte Bestrafung der Täter einsetzen. Die Täter werden des Mordes angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe.




db

  

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Veröffentlicht von
am 13/01/2013
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