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Leseprobe - 5

 
Leseprobe - 5
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2008

Über uns wand sich das Treppenhaus in einer Spirale nach oben wie das Innere eines Schneckenhauses, von Windung zu Windung dunkler. Die Wände warfen unsere Stimmen als kühles Echo zurück, das sich nach oben fortpfl anzte, bis es vom Baukörper verschluckt wurde. Es roch kräftig nach altmodischer Möbelpolitur.
»Jetzt, wo alle da sind, gibt’s den Champagner.« Lucas öffnete eine Tür, die in einen riesigen Salon führte. Hier war es spürbar wärmer. Ein weißer Marmorkamin beherrschte den Raum, der Stein war mit einem Muster aus Eichenblättern und Eicheln verziert, auf dem Rost brannte mit lodernden Flammen ein Feuer. Vor den drei Fenstern hingen Brokatvorhänge, die von der Decke bis zum Boden reichten; ihr verblichenes Rubinrot und Grün harmonierten mit der Efeubordüre des Teppichs, der abgetreten war, aber darum umso edler wirkte. Auch in diesem Raum kam das Licht nur von einzelnen, auf niedrigen Tischen im Raum verteilten Lampen, dazu von zwei dicken Kirchenkerzen auf dem Kaminsims. Vor dem Kamin standen zwei tief burgunderrote Ledersofas, die den Eindruck erweckten, als stünden sie hier, seit das Haus erbaut worden war. Sie gehörten so sehr zu diesem Salon, dass ich mir vorstellte, sie wären aus Samen im Teppich hervorgewachsen. Auf einem der Sofas saßen Rachel und ein Mann, den ich nicht kannte. Sie standen auf und Danny tänzelte hinüber, nahm Rachel in die Arme und wirbelte sie wild im Kreis herum. »Hör auf«, lachte sie. »Lass mich runter, Danny. Du ruinierst mir das Kleid.« Er setzte sie auf den Teppich ab und trat zurück, um sie zu begutachten. Sie trug ein silbernes, schlicht geschnittenes Kleid aus einem Stoff, der aussah wie Knitterfolie und an der Schulter und am Saum absichtlich eingerissen war. Als hätte sie sich gerade mit einer anderen wilden Schönen auf dem Laufsteg gebalgt. »Hübsch.« Danny nickte zustimmend und schob die Unterlippe vor. Sie drehte sich zu dem Mann um und lächelte ihn an. »Greg, das sind Danny, der Unvergleichliche, Joanna und Martha.« »Ah, der neue Freund«, sagte Danny. »Gott, bist du ein Rüpel.« Sie gab ihm mit dem Handrücken einen Klaps. »Und so neu ist er auch nicht mehr. Wir sind jetzt schon drei Monate zusammen.« »Schön, euch kennenzulernen.« Greg streckte eine große Hand aus, und ich schüttelte sie. Sein Händedruck war kräftig und trocken.




  
  

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Veröffentlicht von der Buzz-Redaktion
am 15/01/2008
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