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Martina Gedeck im Interview zu 'Die Wand'

  

Martina Gedeck bei der Premiere von 'Die Wand' in München © Studiocanal GmbH/Kurt Krieger - Martina Gedeck im Interview zu 'Die Wand'
Martina Gedeck bei der Premiere von 'Die Wand' in München © Studiocanal GmbH/Kurt Krieger
Sie gilt als eine der besten Charakterdarstellerinnen des deutschen Kinos und Theaters und ist dem breiten Publikum vor allem in der Rolle der Gourmetköchin Martha in 'Bella Martha' bekannt. Aber auch in Oscar-prämierten Filmen wie 'Das Leben der Anderen' brillierte die 51-Jährige auf der Leinwand.

Aktuell ist Martina Gedeck in der Literaturverfilmung 'Die Wand' im Kino zu sehen. Hier spielt sie eine namenlose Frau, die allein in einer Jagdhütte zurück bleibt. Als sie sich ins nahegelegene Dorf aufmachen will, versperrt ihr eine unsichtbare Wand den Weg. Machtlos muss sie sich dieser Situation ergeben. Sie versucht fortan, in der einsamen Wildnis zu überleben. Im Interview spricht sie mit uns über ihren neuen Film und verrät, warum sie glaubt, dass Katastrophen immer auch einen Neuanfang bergen.

Wie war es für Sie, komplett allein vor der Kamera zu stehen, ohne einen Anspielpartner zu haben?
Martina Gedeck: Das habe ich mir schwieriger vorgestellt. Es war immer ein Tier dabei: die Kuh, die Katze, der Hund. Und dadurch, dass ich in der Rahmenhandlung eigentlich geschrieben habe, war es, als würde ich meine Worte an jemanden richten. Es gab so eine Art undefiniertes Gegenüber. Ich hatte das Gefühl, als würde ich diese Geschichte einem Publikum erzählen, ohne dass ich dabei jemanden anschaue. Das war eine sehr persönliche Arbeit für mich.

Wie empfanden Sie es, in dem Film nicht sprechen zu müssen?
Das habe ich als große Freiheit empfunden und als sehr angenehm. Auch, weil ich keine Texte lernen musste.

Wie liefen die Dreharbeiten ab?
Ich hatte sehr viel Zeit, konnte sie mir frei einteilen. Normalerweise arbeitet man Szene für Szene in einem Film ab. So ein strikter Zeitplan verhindert aber auch, dass sich gewisse Dinge entwickeln. Manchmal wird es so etwas unlebendig und konstruiert.

Wie gelingt es Ihnen, sich auf so eine spezielle Rolle vorzubereiten?
Ich beschäftige mich zunächst geistig mit der Rolle. Als ich das Angebot bekommen habe, habe ich mich erst einmal mit der Welt der Autorin auseinandergesetzt. Ich wollte sie ganz genau kennenlernen, habe alles gelesen, was sie geschrieben hat. Ich habe den Kosmos, in dem sie sich bewegt, verinnerlicht und mir klar gemacht: Was ist das für eine Geschichte, die sie da erzählt?

Dazu kommt natürlich noch eine physische Vorbereitung, die in der Natur der Sache liegt. Ansonsten bringe ich mich in so eine Art Nullstellung und schaue einfach, was auf mich zukommt.

Martina Gedeck mit Hund Luchs in 'Die Wand' © Studiocanal
Martina Gedeck mit Hund Luchs in 'Die Wand' © Studiocanal
Hat diese Geschichte für Sie ein positives oder ein negatives Ende?

Ich habe festgestellt, dass es eigentlich eine sehr positive Geschichte ist. Zu Beginn ist die Frau die Einsame. Man hat das Gefühl, dass sie in ihrem Leben nicht sehr glücklich ist, vielleicht sogar ein fremdes Leben führt. Das wird ihr in der Anfangszeit schmerzlich bewusst. Und dann beginnt sie, sich da heraus zu arbeiten und wird immer stärker.

Das Buch gilt als 'unverfilmbar'. Haben Sie als Schauspielerin da eigentlich Angst zu versagen?
Ich war mir im Klaren darüber, dass man hier versagen kann. 'Versagen' ist für mich aber auch ein diffuser und fast relativer Begriff, den es in meinem Beruf eigentlich gar nicht gibt. Wenn man nicht richtig mit Leidenschaft dabei ist, dann erwischt man die Dinge vielleicht nicht richtig, aber das ist eigentlich nie ein Versagen.

Kann es Ihrer Meinung nach auch sein, dass die Menschen keinen Zugang zu diesem Film finden?
Das kann immer passieren, bei jedem Film und bei jedem Theaterstück. Unsere Arbeit ist zum Glück davon geprägt, dass sie für Menschen ist. Natürlich kann es passieren, dass die Kommunikation schief geht. Manchmal ist es auch zu früh, bestimmte Dinge zu erzählen. Manchmal braucht es länger, bis Menschen verstehen, wie etwas gemeint ist.

In diesem Fall lag das Risiko tatsächlich auch bei Ihnen, da Sie die einzige Schauspielerin in dem Film sind.
Ja, dieses Risiko bin ich bewusst eingegangen. Das gehe ich im Grunde aber mit jedem Film ein. Hier war es natürlich so, dass, wenn etwas schief geht, viel stärker als sonst alles auf mich fällt.

> Weiterlesen: Von existentiellen Katastrophen und Neuanfängen




jw

 
  

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Veröffentlicht von
am 22/10/2012
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