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Blinde Frauen ertasten Brustkrebs

Die MTU Yvonne Hoffman © Boehringer Ingelheim - Blinde Frauen ertasten Brustkrebs
Die MTU Yvonne Hoffman © Boehringer Ingelheim
Yvonne Hoffmann kennt keine visuellen Eindrücke. Ihre Hände sind ihre Verbindung zur Welt, die wir sehen. Sie helfen Yvonne im Alltag. Und sie helfen anderen Frauen, Brustkrebs frühzeitig zu entdecken: Die blinde Yvonne Hoffmann ist seit über vier Jahren Medizinische Tastuntersucherin und nimmt bei Frauen die Brustuntersuchung im Rahmen der Vorsorge vor.

Sie ist Teil des Projekts "Discovering Hands": Der Gynäkologe Frank Hoffmann (nicht mit ihr verwandt) hatte im Jahr 2006 die Idee, blinde Menschen als Abtaster in der Brustkrebs-Vorsorge einzusetzen. Mit ihrem ausgeprägten Tastsinn können Blinde bereits kleinste Knoten ertasten. Außerdem können sie sich im Alltag mehr Zeit für ihre Patienten nehmen als Ärzte.

Yvonne Hoffmann kam bereits blind zur Welt
Seitdem werden die sogenannten
Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU)
in einer neunmonatigen Weiterbildung geschult. Yvonne Hoffmann ist eine von insgesamt 17 MTU in Deutschland. Die 38-Jährige kam bereits blind zur Welt. Seit über vier Jahren nutzt sie ihre besondere Sensibilität der Hände und arbeitet als Medizinische Tastuntersucherin - in Chemnitz betreut sie Patienten im zertifizierten Brustzentrum, seit September 2013 unterstützt sie außerdem das Frauenarztteam der Praxis von Dr. Claudia Blume in Sulingen mit ihren Untersuchungen. Jeden zweiten Montag ist sie dort, um Patientinnen abzutasten. Wegen des großen Interesses überlegt das Team, einen zusätzlichen Tag für Untersuchungstermine anzubieten.

Yvonne Hoffmann hat nicht immer im medizinischen Bereich ihr Geld verdient: In den 90er Jahren arbeitete sie als selbständige Klavierstimmerin, hatte aber aufgrund ihrer Behinderung kaum eine Chance auf dem Markt. Ihr Wunsch: Sie wollte mit Menschen arbeiten. 2008 kam ihr die Idee zur Weiterbildung zur Tastuntersucherin: Sechs Monate Theorie und über drei Monate praktische Arbeit absolvierte sie, bis sie die Prüfung zur MTU erfolgreich ablegte und ihren Traum wahr machte.

Bi
s zu eine Stunde werden die Patientinnen abgetastet
Heute ist ihr Kalender schon fast bis zum Jahresende mit Untersuchungsterminen voll. Die Frauen scheinen ihr zu vertrauen, manche nennen Sie sogar „Frau Doktor Hoffmann“, wie sie erzählt. Bei den Untersuchungen lernt man sich gut kennen. Bis zu einer Stunde tastet sie ihre Patientinnen ab, geht dabei ganz systematisch vor und sucht die Haut und das Gewebe nach Unregelmäßigkeiten ab. „Es muss eine ruhige und entspannte Atmosphäre herrschen. Aber natürlich rede ich auch während der Behandlung mit meinen Patientinnen, wenn sie es wollen. Viele sind anfangs sehr aufgeregt und ängstlich, aber das legt sich meistens schnell“, beschreibt sie die Stimmung während der Behandlung.

Bei der Tastuntersuchung werden zunächst im Sitzen die Lymphknoten am Schlüsselbein und unter den Achseln abgetastet. Dann werden Orientierungsstreifen mit Punktschrift auf die Haut am Brustbein und an den Achseln aufgetragen. „Das kann man sich wie ein Koordinatensystem vorstellen, das den Oberkörper der Patientin in bestimmte Zonen einteilt“, erklärt Hoffmann. So könne sie dem behandelnden Arzt genau sagen, an welcher Stelle sie Auffälligkeiten ertastet hat. Dieser entscheidet dann über das weitere Vorgehen.

Kleinste Knoten können bei der MTU gefunden werden © Discovering Hands
Kleinste Knoten können bei der MTU gefunden werden © Discovering Hands
MTU ertasten Knoten schätzungsweise ab 0,5 Zentimeter - Ärzte ab 1 Zentimeter
Anhand von Größe, Tiefe und Beschaffenheit des Gewebes kann Yvonne Hoffmann beim Tasten einschätzen, ob die Patientin krankhafte Veränderungen hat oder nicht. „In drei verschiedenen Druckstärken taste ich die Brust ab. Je tiefer ich dabei komme, umso besser ist es“. Entzündungen verraten sich nicht nur durch die Härte des Gewebes, sondern auch durch Wärme, Rötungen oder Irritationen, die sie ertastet oder von denen die Patientin berichtet.

Blinde Abtasterinnen sollen Knoten schon ab einer Größe von 0,5 Zentimeter ertasten können. Ärzte hingegen spüren Veränderungen Schätzungen zufolge erst bei einer Größe von 1 bis 1,5 Zentimeter.

Fünf von 100 sind traurige Fälle
Bösartige Veränderungen gehören zu Yvonne Hoffmanns Alltag dazu - bei etwa fünf von 100 Patienten sind ertastete Veränderungen tatsächlich bösartig. Die 38-Jährige könne aber damit umgehen, sagt sie selbst. „Denn die Patientinnen sind immer dankbar für meine Arbeit“. Weil sie ihnen helfe, ihre Krankheit in einem sehr frühen Stadium zu erkennen.

Nach bis zu sechs Untersuchungen am Tag freut sie sich am Abend, wenn sie sich entspannen kann. Aber das Gefühl, helfen zu können, sei einfach das Beste an ihrem Beruf. Sie selbst braucht im Alltag nur wenig Hilfe. Eine Freundin sieht einmal in der Woche nach dem Rechten und zum Putzen lässt sie jemanden kommen. „Dafür bin ich zu faul“, sagt sie und lacht.

Kosten halten viele ab
Die Patientinnen sind hauptsächlich von 18 bis 49 Jahre alt, vor allem 30 - 40-Jährige nehmen das Angebot von „Discovering Hands“ in Anspruch. Viele potentielle Patientinnen werden durch die Kosten abgeschreckt - eine Tastuntersuchung kostet 46,50 Euro, wird bisher aber nur von acht Krankenkassen übernommen. Die standardmäßige Untersuchung durch den Gynäkologen ist zwar eine Kassenleistung, dauert allerdings oftmals nur wenige Minuten.

Ob die Arbeit der MTU tatsächlich einen größeren Nutzen hat und eine verlässliche Art der Vorsorgeuntersuchung darstellt, soll eine große Studie der Universität Erlangen bald zeigen. Befunde von MTU und Ärzten werden dabei verglichen und überprüft, ob MTU genauere und bessere Ergebnisse erzielen. Eine Vorstudie hatte bereits ergeben, dass MTU mehr und deutlich kleinere Veränderungen finden als Frauenärzte bei der Vorsorgeuntersuchung. Für 2014 werden die Ergebnisse erwartet. Yvonne Hoffmann baut sehr auf die Ergebnisse der Studie, denn die Nachfrage nach MTU ist groß. Sie hofft, dass das Projekt weiter ausgebaut und Nachwuchs gefördert wird.

Anleitung zum Abtasten
Das Wichtigste aber ist für sie, die Patientinnen während der Untersuchungen darin zu ermutigen und dabei anzuleiten, sich selbst abzutasten. Es sei ein großes Problem, dass die eigene Vorsorge Zuhause selten oder oft gar nicht stattfindet. Das hat sie sich zur Aufgabe gemacht. Yvonne Hoffmann schämt sich nicht für ihre Behinderung, sie nutzt sie. Und sagt: „Ich sehe die Welt mit den Herzen“. Und eben mit den Händen.

Mehr Infos zu "Discovering Hands" und teilnehmende Praxen sowie Krankenkassen finden Sie hier.





sfo

  

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Veröffentlicht von
am 15/10/2013
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