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Model statt Merkel: Wie sexistische Werbung uns prägt

Sexismus in der Werbung

   

Werbung 2013: Willige Frauen, die einen Mann umgarnen.  - Sexismus in der Werbung
Werbung 2013: Willige Frauen, die einen Mann umgarnen.

Auch Frauen mit 25 oder 40 kennen die Angst, über ihr Äußeres definiert zu werden, schön und jung sein zu müssen. Kämpfen Sie auch für diese Frauen?
Pinkstinks wurde in England von Müttern gegründet, die von dem pinken Müll auf den Geburtstagstischen ihrer Töchter genervt waren. Aber natürlich geht es auch um uns ältere Frauen. Ich selbst zum Beispiel: Ich sehe täglich sexistische Werbung um mich herum. Aber den Widerstand dagegen aufrechtzuerhalten, ist anstrengend.

80 Prozent aller Produkte und Dienstleistungen in der westlichen Welt werden von Frauen gekauft. Wie kann es sein, dass sich die Werbung trotzdem diesen Sexismus leistet?

Wir haben ein lang tradiertes Rollenbild. Schon unsere Großmütter haben gesagt: 'Mädel, zieh dich vernünftig an, sonst wird dich kein Mann heiraten.' Obwohl wir Frauen jetzt alle arbeiten dürfen und auf uns selbst aufpassen können, ist dieses Bild noch stark in uns verankert. Frauen dürfen nicht zu burschikos und selbstbestimmt auftreten, aus Angst, dass sie dann keiner mehr liebt. Deshalb wollen kleine Mädchen lieber Topmodel werden als Angela Merkel. Und deshalb nehmen wir auch sexistische Werbung als etwas Selbstverständliches wahr.

Warum hält sich dieses Rollenbild so hartnäckig?
Das Rollenbild ist uralt, aber wir geben es immer weiter. Wir lesen unseren Kindern Grimms Märchen vor und finden es völlig legitim, dass darin die Prinzessin auf den Prinzen wartet. Die schwache Frau, die den starken Mann braucht.

Die Aufmerksamkeit des Mannes erlangen: Klischees in Reinform.
Die Aufmerksamkeit des Mannes erlangen: Klischees in Reinform.
Und wo packen wir jetzt an?
Wir müssen schon in der Schule ansetzen. Und wir müssen überlegen, welche Geschichten wir besser nicht mehr erzählen und welche wir stattdessen erzählen sollten. Es muss noch viel passieren, damit Mädchen sich trauen, nicht immer nur sexy zu sein.

Und die Werbung? Wird sich etwas ändern? 
Auf jeden Fall. Werbeleute haben uns bestätigt, dass Pinkstinks in den Agenturen viel diskutiert wird. In einem Katalog für Kinderbekleidung wird zum Beispiel ein sehr femininer Jungen in Rot mit Föhnfrisur gezeigt und das Mädchen in blauer Latzhose, das frech in die Kamera grinst. Man merkt, dass etwas passiert und dass wir ernst genommen werden.

Was plant Pinkstinks als nächstes?
Bis 2014 wollen wir einen Kriterienkatalog für geschlechtsdiskriminierende Werbung erstellen und diesen dem Werberat vorlegen. Und wir wollen eine entsprechende Gesetzesinitiative in den Bundestag einbringen. Es ist also noch viel zu tun!

Mehr Infos finden Sie auch unter www.pinkstinks.de.




  
 

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Veröffentlicht von
am 19/10/2013
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