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Diese Mutter schreibt die sexistische Hausaufgabe ihrer Tochter um

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 12. Juni 2017
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Es wird Zeit, dass diese Schule ihre Materialen mal auf den neuesten Stand bringt.

Als berufstätige Mutter plagt einen, wider besseren Wissens, fast täglich das schlechte Gewissen, dass man zu wenig Zeit für die Kinder hat. Dagegen hilft eigentlich nur, dass man weiß, dass es den Kindern an nichts fehlt, sie glücklich sind und außerdem, dass sie von klein auf lernen, dass Mama mindestens genauso viel kann wie Papa.

Doch leider ist das Thema Gleichberechtigung noch nicht überall vollends etabliert. Lynn Polvino war völlig schockiert, als sie gemeinsam mit ihrer sechsjährigen Tochter über einer Englisch-Hausaufgabe saß. Denn der Lückentext, den es zu bearbeiten galt, war mehr als überholt!

Titel der Hausaufgabe war 'Zurück zur Arbeit' und der Text handelt von Lisa, die wenig erfreut darüber ist, dass ihre Mutter, nach Jahren zu Hause, wieder angefangen hat zu arbeiten. Lisa ist den ganzen Tag über schlecht drauf und verärgert darüber, dass ihre Mutter wieder arbeiten geht und sie nun selbst Aufgaben zu Hause erledigen muss. Nur der Fakt, dass ihre Mutter extra früh von der Arbeit nach Hause gekommen ist, um mit ihr den Nachmittag zu verbringen, macht Lisa in der Geschichte glücklich.

Schock und Ärger wurden schnell zu Wut

Für die berufstätige und zweifache Mutter Lynn war dieser Text wie ein Schlag ins Gesicht. "Der Text hat so viele wunde Punkte bei mir getroffen und mit jedem Satz wurde er schlimmer", so Lynn. "Mein Schock und mein Ärger wurden schnell zu Wut. Ich meine, in welchem Jahrzehnt leben wir denn? Heutzutage wollen wir Kindern beibringen, dass es sie und die Familie unglücklich macht, wenn Mama arbeiten geht? Dass Väter normalerweise nicht kochen und die Wäsche machen?"

Gott sei Dank ist Lynn Kinderbuchautorin und es war für sie eine Wohltat, die Hausaufgabe ihrer Tochter umzuschreiben.

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Alles ein bisschen moderner

In ihrer Geschichte geht die Mutter nach ihrer Elternzeit immer noch arbeiten, Papa hat aber seine Elternzeit eingereicht und schmeißt zu Hause den Haushalt problemlos. Und statt sich mit ihrem Ärger über ihrer arbeitende Mutter zu befassen, denkt Lisa lieber über ihre eigene Karriere als Lehrerin oder Ingenieurin nach.

Nicht nur im Netz stieß die umgeschrieben Hausaufgabe auf allerhand Zuspruch. Auch der Englischlehrerin von Lynns Tochter gefiel die neue Version viel besser. Die Lehrerin entschuldigte sich bei Lynn und versprach, in Zukunft genauer auf die Aufgaben zu schauen, die sie ihren Schülern gibt.

Lynn wollte mit ihrer umgeschriebenen Geschichte nicht die Lehrerin oder Schule angreifen, sondern mehr das System, dass zu derartigen Rollenbildern geführt hat und leider noch immer führt.

"Es gibt einfach nicht genug Unterstützung für arbeitende Mütter. [...] Uns zu sagen, dass wir bei den Kindern zu Hause sein und den Haushalt schmeißen sollten, macht es uns schwer, uns nicht schuldig zu fühlen oder in Frage zu stellen. Ich habe so viel Respekt für alle arbeitenden Mütter der zurückliegenden Generationen, die sich diesen Blödsinn regelmäßig anhören mussten. Ich bin ihnen so dankbar, dass sie uns den Weg bereitet haben."

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