Alek Wek: Nomadenkind
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Alek Wek: "Nomadenkind" - Leseprobe 3

 
Alek Wek: "Nomadenkind" - Leseprobe 3

KAPITEL 3 - FORTSETZUNG

Die Dörfer, in denen meine Eltern und ihre großen Familien aufgewachsen waren, lagen südlich von Wau, weit entfernt von den Hauptstraßen. In den Dörfern lebten die Menschen immer noch nach alter Tradition in runden Lehmhütten ohne fließendes Wasser. Fast alles, was sie zum Essen benötigten, wurde angebaut oder gejagt. In der Trockenzeit führten die Jüngeren das Vieh weit aus den Dörfern zu einer Oase und lebten dort, während das Vieh weidete. Die Dörfer kannten kein Telefon, sodass es schwierig zu erfahren war, wie es unseren Verwandten auf dem Land ging. Meine Eltern waren der Meinung, dass wir vielleicht in einem dieser Dörfer in Sicherheit wären. Es gab jedoch keine Garantie, also mussten wir es einfach riskieren und uns auf den Weg machen. Ich war noch nie so weit gereist und hatte keine Ahnung, was uns erwartete. Ich hatte gehört, dass das Leben auf dem Land wirklich seltsam sein konnte. Die wenigen Male, bei denen uns unsere Cousins in Wau besucht hatten, trugen sie notdürftige Kleidung, und manchmal hatten sie Flöhe und Läuse und baten uns, sie davon zu befreien. All meine Freunde neckten sie. Meine Tanten saßen mit Schuhen im Bett und machten auf diese Weise die Laken schmutzig. Wir fanden das höchst eigenartig. Aber mein Vater sagte, sie seien es so gewöhnt, denn bei sich zu Hause schliefen sie auf Strohmatten statt in Betten. Als ich fünf Jahre später nach England ging, erhielt ich eine Lektion aus erster Hand, wie falsch es ist, Menschen nur aufgrund ihrer Herkunft zu beurteilen. Ich selbst wurde falsch eingeschätzt. In Wau gehörte ich einer kultivierten Familie an, aber in London wurde ich von allen als primitives Landkind verspottet. Ich erinnere mich, dass Athieng und ich eines Tages von der Schule nach Hause gingen. Es war ungefähr drei Monate nach unserer Ankunft in London und noch lange, bevor der Rest unserer Familie nachgekommen war. Eine Gruppe Jungs – ich glaube, sie waren jamaikanischer Herkunft – versuchte, mir ihre Schulranzen über die Schulter zu hängen, um mich zu ärgern. »Oh, entschuldigen Sie, Miss, wir dachten, Sie seien ein alter schwarzer Baum«, sagte einer von ihnen lachend, »da Ihre knochigen schwarzen Arme wie Äste aussehen.« »Aber wir sehen, dass Sie aus dem Busch stammen«, sagte ein anderer. »Was also bist du, ein schwarzer Busch oder ein schwarzer Baum?«, meldete sich der erste Junge wieder zu Wort. Mir war zum Heulen zumute. In ihren Augen unterschied ich mich nicht von meinen Cousins aus dem Dorf. Ich war eine primitive Afrikanerin, deren Haut dunkler ist als die Nacht. Sie waren Einwanderer der zweiten oder dritten Generation, mit hellerer Haut, die die Gepflogenheiten in London kannten. Da lernte ich, dass alles relativ ist und dass man nicht schlecht über andere denken soll. Ich fühlte mich mies, weil ich meine Dorfcousins in der Vergangenheit manchmal verurteilt hatte. Ich hätte in diesem Augenblick alles dafür gegeben, ihre freundlichen Gesichter zu sehen. Es hat lange gedauert, bis ich das erkannt hatte. Nachdem wir in aller Eile eine Tasse Tee getrunken hatten, begann meine Mutter für die Reise zu packen. Sie holte keine Koffer aus dem Schrank, wie ich es heute tue. Sie befahl uns auch nicht, unsere Unterwäsche zusammenzufalten und drei verschiedene Kleider zum Wechseln einzupacken oder all unsere Toilettensachen in einem Beutel zu verstauen. Nein, nichts dergleichen. Stattdessen legte sie Laken auf den Boden, die dann zusammengeschnürt wurden. Sie erklärte mir, welchen Kochtopf ich aus der Küche holen sollte. Wir nahmen ein Messer, ein paar Tassen und einen Behälter für Wasser mit. Wir alle acht würden mit den Fingern essen, wie es die Dinka zu tun pflegten. Also brauchten wir nicht so viele Utensilien. Meine Mutter packte Okrapulver ein, da sie unterwegs kochen musste und wohl nirgendwo Nahrung zu bekommen war. Sorgfältig machte sie ein Bündel Salz zurecht, zum kochen und zum Handeln. Salz war sehr wertvoll, da die Menschen außerhalb der Städ




  
  

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Veröffentlicht von der Buzz-Redaktion
am 06/11/2007
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