Das Allerletzte, woran man an seiner Hochzeit denken möchte, ist die Scheidung. Und während sich ungefähr 375.000 Paare in Deutschland jährlich das Ja-Wort geben, glaubt keiner der Beteiligten, dass er zu den 40% gehören wird, deren Ehe in einer Scheidung endet. Schließlich ist eine Scheidung keine schöne Sache. Doch egal, ob Sie sich beide trennen wollen oder ein Partner sich an der Beziehung festklammert - man kann sich die Scheidung zur Hölle machen, oder eben nicht, und sich damit das Leben deutlich erleichtern.
Schon der Gesetzgeber sorgt mit der Pflicht auf ein Trennungsjahr dafür, dass die Entscheidung zur Scheidung nicht unüberlegt gefällt werden kann. Doch schon davor sollten Sie Ihre Pläne gründlich überdenken.
Sie wollen die Scheidung?
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Ehe wird zur Belastung, dann versuchen Sie zunächst, sich über die Umstände klar zu werden. Erwarten Sie nicht, dass eine Scheidung automatisch die Lösung aller Probleme ist und dass Sie danach glücklicher sind. Viele sind sich der Konsequenzen einer Scheidung auf die finanzielle Lage, auf das Leben und vor allem auf die Psyche nicht bewusst und stürzen nach der Scheidung in tiefe Depressionen. Andere, die mit dem Gedanken an eine Scheidung gespielt haben, fühlen sich fünf Jahre später in ihrer Ehe wieder glücklich und gefestigt und sind froh, es nie so weit haben kommen zu lassen.
Manchmal ist es gar nicht der Ehepartner selbst, der geändert werden muss, sondern die Lebensweise:
- Sind Sie in den letzten Jahren selbst zu kurz gekommen, so kann es viel bringen, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Ein regelmäßiger Abend zur für Sie, sei es, um mit der Freundin zu plaudern, auszugehen oder einfach nur in der Wanne zu entspannen, kann der erste Schritt dazu sein, dass auch die Beziehung besser funktioniert.
- Haben Sie das Gefühl, sich voneinander entfremdet zu haben, so kann statt einer Scheidung eine Wiederannäherung versucht werden. Doch dafür muss Ihrem Partner der Ernst der Lage bewusst sein. Sprechen Sie offen und ehrlich über Ihre Gefühle, auch darüber, dass Sie an eine Scheidung denken. Geben Sie ihm die Chance, etwas zu ändern und lassen Sie ihn nicht raten, was dies sein müsste.
- Machen Sie sich wieder bewusst, was Sie an Ihrem Partner lieben, welche Zeiten Sie mit ihm genießen und versuchen Sie, diese wieder aufleben zu lassen.
- Hat Ihr Partner Sie betrogen, müssen Sie sich zunächst selbst im Klaren darüber werden, ob Sie verzeihen und mit der Verletzung leben können. Lassen Sie sich nicht drängen und nehmen Sie sich ausgiebig Zeit für sich, damit Sie feststellen können, ob Ihr Partner Ihre Liebe noch verdient.
Ihr Partner will die Scheidung?
Will der Partner die Scheidung, so können Sie das nicht verhindern, höchstens hinauszögern. Der einzige Weg, wie Sie die Scheidung wirklich abwenden können, ist, dass ihr Partner sie selbst nicht mehr will. Nur, wie kriegen Sie ihn dazu?
Auch hier ist ein ehrliches Gespräch die Voraussetzung, dass sich überhaupt etwas ändert. Finden Sie heraus, was Ihren Partner wirklich stört. Ein „Ich liebe dich nicht mehr“ kann zwar in seinen Augen die Wahrheit sein, doch die sollte er auch konkreter beschreiben können. Was stört ihn an Ihnen? Was kam ihm in der Beziehung zu kurz? Worauf hofft er nach der Scheidung? Versuchen Sie in diesem wichtigen Gespräch, möglichst neutral zu bleiben, damit Sie viel herausfinden.
Der Partner, der sich scheiden lassen will, fühlt sich oft eingeengt. Er hat das Gefühl, dass sie zu sehr an ihm hängen und das Schlimmste, was Sie jetzt tun können, ist in weinerliches Betteln zu verfallen. Wenn Sie Ihren Partner zurückerobern wollen, geht das nur mit Stärke, und wenn Sie es wirklich wollen, sollte es sich lohnen, Ihre ganze Kraft zusammen zu nehmen.
Nehmen Sie Abstand von Änderungs-Versprechen und nehmen Sie Abstand vom Partner, wenn er sich eingeengt fühlt. Lassen Sie ihn in Ruhe, damit er sich über seine Gefühle klar und lenken Sie sich in dieser Zeit mit Aktivitäten ohne Ihren Partner ab.
Wenn Sie selber nicht weiter wissen, suchen Sie sich professionelle Hilfe. Ein Eheberater kann Ihnen gemeinsam helfen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Bevor es zur Scheidung kommt, sollte Ihr Partner bereit sein, diesen Schritt mit Ihnen zu gehen, spätestens wenn Sie ihm versprechen, danach in die Scheidung einzuwilligen, sollte selbst das nichts bringen.
Während der Scheidung
Wenn alle Eherettungsversuche scheitern und es zur Scheidung kommt, informieren Sie sich ausgiebig über Ihre Rechte und Pflichten. Eheberatungsstellen können Sie durch den Scheidungszyklus begleiten und wichtige Ratschläge zur Rechtslage geben.
Nach der Scheidung
Ist die Scheidung vollzogen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sie zu akzeptieren. Wenn Sie an der Vergangenheit festhalten, machen Sie sich das Leben unnötig selbst schwer und erreichen dadurch gar nichts. Sie müssen an die Zukunft glauben, nicht an die Vergangenheit. Und das Wichtigste hierfür ist, dass Sie sich nicht selbst verantwortlich machen. Dass es zur Scheidung kam, liegt weder an Ihnen, noch an Ihrem Partner, sondern an den unlösbaren Differenzen zwischen Ihnen. Sie sind kein schlechter Mensch deswegen und fast der Hälfte der Verheirateten, ergeht es irgendwann genauso wie Ihnen.
Tragen Sie die neue Situation mit Würde und versuchen Sie, durch Hobbys und Freunde, Gefallen an Ihrem neuen Leben zu finden. Sport kann nicht nur ein guter Motor zum Frustabbau sein, sondern gibt Ihnen auch ein gutes Selbstwertgefühl, das Sie jetzt so dringend brauchen.
Scheidung und Kinder
Die größten Leidtragenden einer Scheidung sind die Kinder. Was sie langfristig mitnimmt ist nicht einmal die Trennung der Eltern an sich, sondern die Art, wie viele Eltern damit umgehen.
Laute Streitereien oder die absolute Nicht-Kommunikation, offener Hass oder gar Verschwörungen mit den Kindern gegen den Ex-Partner sind große psychische Belastungen, mit denen ein Kind nicht umgehen kann. Es möchte nur eins, dass Mama und Papa sich lieb haben. Geht das nicht, so sollten Sie zumindest dem Kind zuliebe versuchen, ein normales Verhältnis zueinander fortzuführen. Egal, was zwischen Ihnen beiden vorgefallen ist, es hat nichts mit dem Kind zu tun, also lassen Sie Ihrem Unmut freien Lauf, wenn das Kind nicht dabei ist, aber geben Sie ihm die Chance, sowohl mit einer Mutter, als auch mit einem Vater aufwachsen zu können. Das sind Sie ihm schuldig.
|