Interview mit Maryse Vaillant - Psychologin und Autorin |
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Die Psychologin Maryse Vaillant, die sich mit den komplexen Beziehungen unter Schwestern ausgiebig beschäftigt hat,
stand uns Frage und Antwort.
Warum haben Sie sich gerade auf dieses Thema konzentriert?
Zunächst einmal, weil das bisher noch niemand gemacht hat. Und dann auch, weil Schwestern ein ganz besonderes Verhältnis haben. Ich versuche generell, ein neues Frauenbild zu etablieren. Da war es für mich ganz natürlich, dieses Thema zu behandeln.
Schwestern haben nicht denselben Status wie Männer in der Familie.
Aus dem einfachen Grund, dass sie denselben Vater haben, denselben geliebten Papa, dem sie gefallen möchten. Da ist es nicht einfach für sie, "sie selbst" zu werden und sich voneinander zu lösen.
Sie sprechen von einem selben Vater für zwei. Aber Schwestern teilen doch auch dieselbe Mutter, oder?
Sicher, sie bemühen sich auch um die Liebe ihrer Mutter, aber auf eine andere Art und Weise. Ihrem Vater möchten sie gefallen, sie möchten ihn verführen. Ihrer Mutter versuchen sie zu ähneln. Und das führt zu Rivalität und Eifersucht.
Auf welche Schwierigkeiten stoßen die Schwestern dabei?
Sie müssen es schaffen, den Ödipuskomplex zu überwinden. Das heißt, fähig sein, Vater und Mutter zu teilen. Das ist schon recht kompliziert. Und dann müssen sie lernen, erwachsen zu werden. Das bedeutet, die Kindheit zurücklassen und einen Schlussstrich ziehen, um nach vorn, nach einer neuen Liebe auszuschauen. Und dazu muss man bereit sein, sich zu streiten. Die Schwesternschaft muss ein Mittel sein, um seine Waffen zu stählen und sich auf das Erwachsenenalter vorzubereiten.
Können Schwestern daraus gestärkt hervorgehen?
Natürlich! Diejenigen, die es schaffen, Positives daraus zu ziehen (die Liebe, die sie in ihrer Kindheit erfahren haben) und gleichzeitig akzeptieren, erwachsen zu werden, wachsen an einer solchen Beziehung auf jeden Fall. Sie haben ihre Weiblichkeit entdeckt, da sie in einer Rivalität, in einem Wettstreit, gelebt haben, in dem jede gelernt hat, mit ihren eigenen Waffen zu kämpfen. Die Rolle, die sie später in einer Liebesbeziehung spielen werden, wurden in ihrer Schwesternbeziehung geprüft.
Sie sind dadurch auch reifer geworden. Und wenn sie reifer geworden sind bedeutet das, dass sie ihren Eltern vergeben haben. Sie sind bereit für das Glück.
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