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Was tun, wenn jemand stirbt, den es offiziell nie gegeben hat? Vier von 1.000 Schwangerschaften enden in Deutschland mit einer Fehl- oder Totgeburt. Katrin T. aus Hamburg hat diese schreckliche Erfahrung machen müssen – ihr Kind starb in der 23. Schwangerschaftswoche.
Es ist windstill auf dem Friedhof. Alte Bäume werfen ihre Schatten auf die kleinen Gräber. Es sind Grabstätten für Kinder, die das Leben verlassen haben, ehe sie es beginnen konnten. Kinder, die diese Welt nie kennengelernt hat. Totgeburten.
Auf einem dieser Gräber ist eine Rose gepflanzt, daneben liegen ein paar Steine: Mama steht auf dem einen, Papa auf dem anderen. Hier liegt der Sohn von Katrin begraben. Julius war ein Wunschkind, das es nicht ins Leben geschafft hat: Julius war eine Totgeburt.
Katrin trägt das Foto ihres Sohnes immer bei sich: Das kleine Gesicht unter der blauen Strickmütze, die Augen geschlossen. Alles wirkt winzig und unfertig, und doch zeigt das Foto einen richtigen kleinen Menschen.
„Immer wenn Julius in meinem Bauch gestrampelt hat, habe ich mir vorgestellt, wie es ist, wenn er endlich auf der Welt ist. Ich habe mich so gefreut: Auf das erste Lächeln, auf seinen Geruch, auf die zarte Babyhaut.“
Anfang April geht Katrin zum Arzt - eine Routineuntersuchung. „Der Arzt hat gar nichts gesagt. Da hab ich gewusst, dass etwas nicht stimmt.“ Von weit weg hört sie die Worte Hydrocephalus. Wasserkopf. Katrin versteht wenig von dem, was der Arzt ihr zu erklären versucht. Sie begreift nur, dass mit Julius etwas nicht stimmt. Ihm läuft Hirnwasser in den Kopf, dorthin, wo es nicht hingehört. Er ist schwer missgebildet. Trägt Katrin ihr Baby aus, bringt sie sich selbst in Gefahr. Im besten Fall wird das Kind zwei Monate leben.
Eva Spundflasche
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