Anna Thalbach im Interview

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Anna Thalbach im Interview

  

Anna Thalbach als 'Paule' in ihrem neuen Film 'Kein Sex ist auch keine Lösung'. © Studio Canal - Anna Thalbach im Interview
Anna Thalbach als 'Paule' in ihrem neuen Film 'Kein Sex ist auch keine Lösung'. © Studio Canal
Als ich Anna Thalbach in Hamburg zum Interview treffe, habe ich große Erwartungen. Ich halte sie nämlich für eine großartige Schauspielerin, sowohl im Theater als auch auf der Leinwand. Toll, denke ich mir, dass ich diese Frau heute treffen darf. In der Hoffnung auf ein spannendes Gespräch betrete ich die Suite im schicken Hamburger Hyatt Hotel. Da sitzt sie, klein und zierlich auf einer riesigen Couch. Und fragt nach ihrer Mittagspause.

Ich lasse mich nicht entmutigen und versuche erstmal auf ihren neuen Film 'Kein Sex ist auch keine Lösung' (seit dem 1.12.2011 im Kino) zu sprechen zu kommen. In diesem spielt Anna Thalbach die etwas verschrobene Paule, St. Pauli-Fan und mit Mitte Dreißig noch immer Jungfrau. Aus Überzeugung. Denn der richtige Mann ist ihr bisher noch nicht begegnet. Anna Thalbach macht es mir nicht gerade leicht, jedenfalls zu Beginn. Zum Glück ändert sich das, als wir auf das Thema Liebe zu sprechen kommen. Denn von dieser hat Anna Thalbach ganz klare Vorstellungen.


Bist du selbst auch Fan von St. Pauli?

Anna Thalbach: Nein.

Kannst du denn verstehen, warum so ein Verein so viel Identifikationsfläche bietet für Menschen jeden Alters?

Anna Thalbach: Ich bin selbst gar kein Fußballfan, ich kann damit nichts anfangen.

Für deine Figur Paule ist der Verein ja quasi ihr Lebensgefühl.

Anna Thalbach: Ja. Aber ich selber lebe das nicht. Ich finde es okay, wenn Leute dieses Gefühl dem Verein gegenüber haben. Wenn das für sie ein Ausgleich ist. Und wenn das ihre Leidenschaft am Kochen hält.

Ist denn St. Pauli für Paule nur ein Hobby oder bestimmt es ihr Leben?

Anna Thalbach: Ich hab schon das Gefühl, dass das für sie einen großen Platz einnimmt. Das ist ihr Alltag.

Anna Thalbach als St. Pauli-Fan. © Studio Canal
Anna Thalbach als St. Pauli-Fan. © Studio Canal
Was würdest du sagen, was Paules Problem ist? Warum hatte sie noch nie Sex?


Anna Thalbach: Da kann ich jetzt nur spekulieren, ich hab mir die Figur ja nicht ausgedacht. Vielleicht hat Paule ja gar kein Problem. Warum sollte sie auch, das ist ja ihre Entscheidung gewesen. Oder das Leben hat das so für sie entschieden.

Ich finde schon, dass es so wirkt, als hätte sie ein Problem damit.

Anna Thalbach: Ich glaube eher, dass sich Paule jetzt, wo ihr erstes Mal ansteht, fürchtet. Aber sie freut sich auch, dass es jetzt endlich so weit ist.

Was würdest du aus deiner Erfahrung heraus sagen: Warum ist es für so viele intelligente, hübsche Frauen, die echt was auf dem Kasten haben, so schwer,  jemanden kennenzulernen?

Anna Thalbach: Ich glaube, dass es generell schwer ist, den 'Soulmate' zu finden. Egal, ob Partner, Freund oder Freundin. Man muss halt gucken. Und auch ein paar Frösche küssen.

Aber man kann ihn finden?

Anna Thalbach: Ja, klar. Aber mir ist immer wichtig, dass man Glück nicht vom Partner abhängig macht. Ich scheue mich davor zu sagen, mein Leben sei nur dann komplett oder ich selbst sei nur dann komplett, wenn ich in einer Beziehung stecke. Für mich privat ist es wichtig zu wissen, dass ich autonom bin und auch allein funktionieren kann.

Und auch nur so möchte ich mich einem Partner zur Verfügung stellen. Indem ich ihm nicht sage, er sei verantwortlich für das Gleichgewicht in meinem Leben. So viel Verantwortung möchte ich jemandem gar nicht übertragen.

Was ist denn dann Liebe für dich?

Anna Thalbach: Ich glaube, wirkliche Liebe macht frei. Sie bereitet dem anderen keine Sorgen und keine Last.

Glaubst du, dass viele ein Problem damit haben, sich zu sehr an den Partner zu klammern und sich von ihm abhängig machen?

Anna Thalbach: Ja, schon. Ich bin keine Sozialwissenschaftlerin. Aber ich denke, dass sich alte Strukturen aufgrund der Emanzipation aufgelöst haben. Die klassische Familienstruktur existiert nicht mehr.

Frauen können sich scheiden lassen, alleine leben. Ihnen wurde ja Jahrhunderte lang etwas anderes eingeredet. Ich hab das Gefühl, wir stehen da an einem ganz neuen Anfang und müssen erst einmal neu sortieren, was überhaupt möglich ist.


> Seite 2: Wie man den Richtigen findet und warum Anna Thalbach keine Zukunftsängste hat




Julia Windhövel

 
  

Veröffentlicht von
am 05/01/2012
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