Endstation Frauenhaus: Zwei Mitarbeiterinnen über Zuflucht & Beratung |
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Ein Viertel der Frauen in Deutschland wurde von aktuellen oder früheren Beziehungspartnern misshandelt, beschimpft oder geschlagen. Der Weg ins Frauenhaus fällt ihnen nicht leicht. „Manche planen es systematisch, andere gehen, wenn sie gerade schlimm verprügelt wurden“, sagt Hamila Vasiri. „Wieder andere werden von der Kindergärtnerin oder dem Nachbarn angesprochen und beschließen dann, sich zu befreien.“
Wenn die erschöpften Frauen mutig vor der Tür des Frauenhauses stehen, „strömt Angst aus ihren Augen“, sagt Hamila. „Sie wissen, wovor sie weglaufen.“ Und sie haben kein Zuhause mehr. Im Frauenhaus verfügen sie dann kaum über Privatsphäre, weil sie sich die Zimmer mit anderen teilen. Drei bis sechs Monate können sie in der Regel bleiben. Die Frauen verlassen das Haus, wenn „ihre innere Stabilität und ihr Selbstwertgefühl wiederhergestellt sind“, sagt Hamila. Eine starke Psyche ist wichtig für einen guten Neuanfang.
Hamilas und Minas Arbeit ist von sozialem Engagement für die Opfer häuslicher Gewalt geprägt und ihr Einsatz ist nicht ungefährlich. Vor acht Jahren steht ein Mann mit einer Pistole vor der Tür des Kölner Frauenhauses. Er will seine Frau zurückholen. Sie geht mit. „Nach zwei Tagen kam sie wieder zu uns“, sagt die 59-jährige Mina. Ein blaues Auge, die Hälfte der Augenbraue fehlte und das Gesicht war zugeschwollen. „Ich habe mich gefragt: Wie kann ein Mensch jemanden in zwei Tagen nur so verunstalten und verprügeln?“ Um das Gesehene zu verarbeiten, sagt Mina sich: „Das ist meine Arbeit und ich muss mein Leben leben. Aber wenn ich daran denke … “ Mina schluckt und hält sich die Zeigefinger unter die rehbraunen Augen, um die aufsteigenden Tränen zu stoppen.
Hamila ist besonders mitgenommen, wenn sexueller Missbrauch eine Rolle spielt. „Wenn die Mutter nicht einsieht, dass ihr Partner ein Sexualverbrecher ist, müssen wir das Jugendamt informieren und reißen Mutter und Kind auseinander.“ Zur Sicherheit des Kindes.
Der schlimmste Fall, den Hamila und Mina in ihrer Zeit als Ansprechpartnerinnen im Frauenhaus erlebt haben, ist eine Frau, die ganze 72 Mal im Frauenhaus war. „Beim letzten Aufenthalt hat sie den Absprung geschafft“, sagt Mina stolz.
Wie bewerkstelligen die Freundinnen es, bei solchen Geschichten jeden Tag aufs Neue so aufopferungsvoll für die Frauen da zu sein? Die Antwort: Erfolgserlebnisse. Denn ja, die gibt es, erklären die beiden lachend. „Wenn ich auf den Ehemaligentreffen in die starken Augen der Frauen schaue und ihre Entwicklung sehe“, sagt Mina. „Das gibt mir neue Energie.“
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