 Ungewollt schwanger - Abtreibung der richtige Weg? | Sich für Abtreibung zu entscheiden, ist ein heikles Thema. Nur selten wird darüber gesprochen und wenn doch, dann hitzig, emotional.
Es gibt vehemente Gegner und glühende Kämpfer für Abtreibung. Für die einen ist es Mord, für die anderen Ausdruck des freien Willens der Mutter.
Dabei sind es in Deutschland knapp 120 000 Frauen, die sich jählich für eine Abtreibung entscheiden. Die meisten von ihnen sind zwischen 18 und 34 Jahren alt, 4-5 Prozent sind minderjährig.
Doch mehr ist über die Frauen nicht bekannt, vor allem nicht über ihre genauen Beweggründe. Was geht genau in ihr vor, wie ist dieser Moment, in dem sie befindet: Dieses Baby will ich nicht bekommen?
Im goFeminin.de-Forum wird ebenso heftig für Abtreibung gestritten, und dagegen. Vor allem gibt es jedoch auch sie, diese einzelnen Geschichten von Frauen, die uns näher bringen, unter welchen persönlichen Umständen eine von ihnen sich für Abtreibung entscheidet. Oder, wie es ist, eine Abtreibung gerade hinter sich oder aber im letzten Moment dagegen entschieden zu haben. Sie suchen Rat und Hilfe, manchmal auch einfach einen Ort, wo sie sich alles von der Seele schreiben können. Getroffen haben sie sich noch nie, kennen meist nur ihre Nutzernamen voneinander.
Ausbildung gerade fertig, unstete Beziehung - also Entscheidung für Abtreibung?
Es war diese Anonymität, die Mariam (Name auf Wunsch geändert) zunächst suchte. Ihr Hilferuf ging im Juni im goFeminin.de-Forum ein: "Hilfe, ich will abtreiben, bitte könnt ihr mir helfen", lautete die Überschrift. "Ich wollte die Meinung von Außenstehenden wissen, die Meinung meiner Freunde kannte ich ja bereits", erklärt die junge Frau heute.
Gerade war sie mit ihrer Ausbildung in der Werbeagentur fertig, in der sie seit der Schulzeit gejobbt hatte. Sie hatte sich bis hierher durchgebissen, hochgearbeitet, sich in der Schule angestrengt, um einen guten Abschluss zu bekommen. Und jetzt war sie plötzlich schwanger. Mit 20. Hinzu kam die Familie: Mariam stammt aus der Türkei, eine außereheliche Schwangerschaft ist schlecht angesehen. "Ich war sehr unsicher, wie sie reagieren würden. Ich hatte große Angst."
Es gab da aber noch eine weitere, tief sitzende Angst: Angst vor dem Alleinsein, davor, nur noch auf sich selbst gestellt zu sein, ohne Unterstützung. Das hatte viel mit der Familie zu tun - gab es doch die Möglichkeit, dass sie Mariam verstossen - aber auch mit ihrem Lebenspartner, dem Vater ihres Kindes. Der war gerade 23 Jahre alt geworden, sie waren erst ein Jahr lang ein Paar, mit vielen Aufs und Abs. Also schriebt sie ihren Beitrag im goFeminin.de-Forum. Die Reaktion war überwältigend.
smb
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