 Es gibt kein festes Menopause-Alter! |
Die Wechseljahre sind ein völlig natürliches Phänomen, das allen Frauen gemeinsam ist. Viele freuen sich darauf, dass mit der letzten Regelblutung (Menopause) auch die jahrelangen Menstruationsschmerzen und die monatlich wiederkehrenden erzwungenen Sexpausen vorbei sind. Ganz reibungslos verläuft der Übergang vom gebärfähigen Alter zur unfruchtbaren Lebensphase allerdings meistens nicht.
Auch wenn die Wechseljahre zur normalen körperlichen Entwicklung einer Frau gehören und keine Krankheit sind, kommt es durch die Hormonumstellung häufig zu physiologischen Wechseljahrsbeschwerden: Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gewichtsprobleme, kognitive Störungen, Stimmungsschwankungen ...
In der Gynäkologie werden diese Beschwerden als klimakterische Symptome bezeichnet, da die Wechseljahre in der Medizin Klimakterium heißen (Griechisch für "kritischer Zeitpunkt im Leben"). Warum kritisch? Was löst die Wechseljahre und die Menopause aus? Was geht im Organismus einer Frau vor? Welche Beschwerden gibt es und wie können die Wechseljahre-Symptome heutzutage behandelt werden? Wir bringen Licht ins Dunkel ...
Wechseljahre und Menopause: Was ist der Unterschied?
Eine Frau kommt in die Phase der Wechseljahre, wenn ihre Eierstöcke beginnen, weniger weibliche Fortpflanzungshormone zu produzieren. Die sog. Wechseljahre, also der Übergang von der fruchtbaren zur unfruchtbaren Lebensphase, beginnen ungefähr im Alter von 45 Jahren. Durchschnittlich zwischen dem 50. und 52. Lebensjahr findet dann die letzte Regelblutung, die Menopause, statt.
Die Menopause ist also ein definierter Zeitpunkt während der Wechseljahre, nämlich medizinisch gesehen die letzte Monatsblutung, auf die seit einem Jahr keine weitere Blutung stattgefunden hat. Diese Definition findet sich auch in der etymologischen Bedeutung wieder. Das Wort "Menopause" bezeichnet das "Ende der Monatsblutung", zusammengesetzt aus den griechischen Begriffen: "Menos" (Monat) und "Pausis" (Ende).
Das Ende der Regeln kann jedoch auch deutlich früher auftreten, etwa als Folge einer Eierstock- oder Gebärmutterentfernung. Starkes Rauchen kann den Eintritt der Menopause um ein oder zwei Jahre vorverlegen. Ob das Wechseljahrs-Alter vererbt wird, ist unklar. Allerdings ist bekannt, dass Mutter und Tochter meistens im selben Alter in die Wechseljahre kommen.
Die Prämenopause: Die Zeit vor der Menopause
In Wirklichkeit tritt die Menopause nicht von heute auf morgen ein, sondern wird von einer Übergangszeit eingeleitet, die man als Prämenopause bezeichnet (Prä = vor). Die Prämenopause ist der erste Abschnitt der Wechseljahre und dauert mehrere Jahre an. In dieser Zeit nimmt die Produktion der Sexualhormone schrittweise ab.
Diese Phase zeichnet sich durch unterschiedliche Wechseljahre-Symptome aus, die Monatsblutung wird unregelmäßig. Gleichzeitig können noch andere Beschwerden auftreten: geschwollene und schmerzhafte Brüste, Schlaflosigkeit, Blähungen ... Diese Phase dauert nach dem Ende der letzten Regel (= Menopause) noch ein bis zwei Jahre an und wird als Perimenopause bezeichnet (Peri = zwischen). Darauf folgt die letzte Phase der Wechseljahre, die Postmenopause (Post = nach).
Kleine (und große) Wechseljahrsbeschwerden
Jede zweite Frau ist während der Wechseljahre von Beschwerden betroffen, die fachsprachlich als klimakterische Symptome bezeichnet werden (Klimakterium = Wechseljahre). Die Beschwerden sind bei jeder Frau unterschiedlich und verändern sich mit der Zeit. Typische Wechseljahre-Symptome sind: Hitzewallungen, Scheidentrockenheit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, eine dünnere und empfindlichere Haut, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisschwächen und häufig auch eine abgeflaute Libido ...
Wir haben die wichtigsten Wechseljahrsbeschwerden unter die Lupe genommen:
> Hitzewallungen sind ein wichtiges Symptom für den Beginn der Wechseljahre.
Das plötzliche Hitzegefühl an Gesicht und Hals wird von Schweißausbrüchen sowie Hautrötungen begleitet und geht anschließend in kalten Schweiß über. Und das rund um die Uhr, bis zu 15-20 Mal pro Tag! Ungefähr 30% der Hitzewallungen sind so lästig, dass sie die Lebensqualität einschränken und behandelt werden müssen.
> Vaginalstörungen: Die Scheidenwand wird dünner und verliert an Elastizität. Die natürliche Befeuchtung durch die Scheidensekrete nimmt ab und der pH-Wert der Scheidenflora verändert sich. Der Geschlechtsverkehr ist manchmal nicht so angenehm wie gewöhnlich (was sich zum Beispiel mit Gleitgel beheben lässt).
> Unwillkürlicher Harnverlust: Auch der weibliche Beckenboden verliert an Spannkraft, was eventuell zu belastungsbedingter Harninkontinenz führt (spontaner Harnverlust beim Husten oder bei Lachanfällen).
> Die Wechseljahre bringen eine leichte Gewichtszunahme mit sich: Die Fettpolster setzen sich gezielt an Bauch, Schenkeln und Po an.
Wechseljahre & Menopause: Die Auswirkungen auf das Skelett
Durch die Absenkung der Östrogenwerte werden die Knochen zerbrechlicher und das Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, steigt an: Das ist die berühmte Osteoporose! Fast alle Frauen sind davon betroffen, aber der Knochenschwund wird auch von anderen Faktoren beeinflusst, die zum Teil unabhängig von der Menopause sind: ein niedriges Gewicht, Alkohol, Tabakkonsum, Bewegungsmangel oder eine vorzeitige Menopause.
Das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen:
Mit den Wechseljahren werden Frauen auch anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Achtung: Die Wechseljahre sind zwar selbst kein Risikofaktor, aber gerade jetzt sollten Kriterien wie Tabakkonsum, Diabetes, Übergewicht (Fettleibigkeit), Bluthochdruck, Bewegungsmangel und bestimmte familiäre Vorbelastungen nicht unterschätzt werden.
Eine Hormonersatztherapie um jeden Preis?
Wir kennen sie alle unter dem Namen Hormonersatztherapie oder kurz HET (auch HRT für den englischen Begriff: Hormon Replacement Therapy). Die HET dient als Ersatz für die natürlichen Hormone, die nicht mehr von den Eierstöcken produziert werden: Östrogene und Progesteron (ein Gestagen). Die HET wird zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden und zur Prävention von Osteoporose verschrieben. Die Hormone können in unterschiedlichster Form verabreicht werden: als Spray, Pflaster, Tabletten, Creme ... Ungefähr jede dritte Frau im Alter zwischen 50 und 65 Jahren wendet eine Hormonersatztherapie an.
> Was kann man tun, wenn die Hitzewallungen im Alltag unerträglich werden?
Ihr Arzt verschreibt Ihnen in diesem Fall eventuell eine Hormonersatztherapie - allerdings nur für einen möglichst kurzen Zeitraum. Das Rezept wird in regelmäßigen Abständen erneuert. Zur Osteoporose-Vorsorge wird die HET allerdings nicht systematisch verordnet. Eine gesunde Lebensweise sowie eine hohe Calcium- und Vitamin D-Zufuhr sind ebenso wirksam und bringen deutlich weniger Risiken mit sich.
Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden, möglicherweise mit der Einnahme von Hormonersatzpräparaten zusammen hängt. Deshalb ist es wichtig, mit dem Arzt die individuellen Risiken abzuwägen.
> Gedächtnisstörungen: Was bringt die HET wirklich?
Es ist nicht erwiesen, dass Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen mit einer HET wirkungsvoll behandelt werden. Manche Ärzte stellen jegliche Behandlung in Frage, da die Menopause keine Krankheit ist. Wie dem auch sei: Eine Hormonersatztherapie sollten Sie nur dann akzeptieren, wenn die positive Wirkung die Risiken eindeutig überwiegt.
> Wechseljahre-Symptome: Helfen alternative Heilmethoden? Homöopathie, Akkupunktur, Phytotherapie (Pflanzenheilkunde)...
Es gibt zahlreiche alternative Methoden, um die Wechseljahrsbeschwerden natürlich zu behandeln. Bis heute haben nur bestimmte Sojaderivate (Phytoöstrogene) eine erwiesene Wirkung gegen Hitzewallungen erzielt. Allerdings sind die Risiken und Nebenwirkungen einer Langzeiteinnahme bisher nur wenig bekannt.
Die Wechseljahre positiv erleben
Abgesehen von der Midlife-Crisis und sonstigen existentiellen Fragen, die in der Lebensmitte auftauchen, erinnert uns die Menopause daran, dass unser Körper älter wird. Ignorieren hat keinen Sinn. Es ist wichtig, die Veränderung zu akzeptieren und mit einer positiven Lebenseinstellung älter zu werden.
Dafür gibt es ein Zauberwort: Eine gute Lebenshygiene! Ein gesundes Leben fängt bei einer bewussten Ernährung an: Essen Sie weniger und dafür besser (hochwertige Lebensmittel, ausreichend Calcium, Vitamine und Eiweiß)!
Gewöhnen Sie sich eine regelmäßige körperliche Betätigung an, zum Beispiel Walking (wenn möglich mindestens 30 Minuten pro Tag), was unter anderem dabei hilft, die Hitzewallungen zu reduzieren.
Sie können Ihr Wohlbefinden auch mit anderen Tricks steigern: in einem gut gelüfteten Raum schlafen, Stressquellen reduzieren und Entspannungstechniken lernen.
Weitere Informationen zu den Themen Wechseljahre und weibliche Sexualität ab 45 finden Sie auf unserer Gesundheitsseite Onmeda!
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