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Cyber-Mobbing: Wenn das Internet zum Terror wird

  

Im Bekanntenkreis von fast jedem vierten Jugendlichen ist bereits jemand im Internet fertig gemacht worden. - Cyber-Mobbing: Wenn das Internet zum Terror wird
Im Bekanntenkreis von fast jedem vierten Jugendlichen ist bereits jemand im Internet fertig gemacht worden.
"Ich hatte keine Kraft mehr und ging immer mehr zu Boden. Ich stand kurz vor dem Selbstmord, weil ich keinen Weg mehr wusste und den Sinn zu leben nicht mehr sah."
 
Es sind Foreneinträge wie diese, die Eltern deutschlandweit aufschrecken lassen. Foreneinträge, die von Mobbing-Opfern stammen. Das Internet ist voll davon. Doch leider ist das Internet auch voll von den Tätern – denjenigen, die das World Wide Web zum Mobbing nutzen. Cyber-Mobbing wird unter den Jugendlichen immer beliebter. Oft wissen die Täter nicht einmal, dass sie dabei gegen das Gesetz verstoßen.

Was genau ist Cyber-Mobbing?
"Cyber-Mobbing findet statt, wenn ein Schüler über einen längeren Zeitraum von einem oder mehreren Mitschülern mit Hilfe von modernen Kommunikationsmitteln gehänselt, beleidigt oder bedroht wird und dadurch psychische wie physische Leiden davon trägt und sich nicht dagegen wehren kann", sagt der Erziehungswissenschaftler Sebastian Wachs von der Universität Bremen.

Wachs forscht seit Jahren zum Thema Cyber-Mobbing. Deutschland, so sagt er, kommt nicht gut dabei weg. "Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass in Deutschland Cyber-Mobbing viel mehr verbreitet ist als in anderen EU-Ländern", sagt Wachs. "Das ist ein riesiges Problem."

Wie verbreitet ist Cyber-Mobbing wirklich?
Tatsächlich ist das Thema in der deutschen Forschung noch recht neu. Langzeitstudien gibt es keine. Eine der wenigen Untersuchungen ist die Studie „Jugend, Information, (Multi-) Media (JIM)“ des medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest aus dem Jahr 2010. Die Forscher befragten rund 1200 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren.

Demnach ist im Bekanntenkreis von fast jedem vierten Jugendlichen schon einmal jemand im Internet fertig gemacht worden. An der Hauptschule wurde sogar schon mehr als jeder dritte Schüler im Internet tyrannisiert. Letztes Jahr war es noch jeder vierte.

Rund jeder siebte Jugendliche gibt an, dass über ihn schon mal Falsches oder Beleidigendes im Internet verbreitet wurde. Auch diese Zahl ist je nach Schultyp unterschiedlich. So befinden sich an einer Hauptschule mit 20 Prozent fast doppelt so viele Opfer wie auf einem Gymnasium (zwölf Prozent). Gleichzeitig gibt jeder zehnte Jugendliche zwischen 11 und 17 an, schon einmal Cyber-Mobbing betrieben zu haben. Das geht aus einer bisher unveröffentlichten Studie des Erziehungswissenschaftlers Wachs hervor.

Was für Formen von Cyber-Mobbing gibt es?
Am häufigsten leiden die Opfer von Cyber-Mobbing, wenn Gerüchte und verunstaltete Bilder von ihnen verbreitet werden.
Am häufigsten leiden die Opfer von Cyber-Mobbing, wenn Gerüchte und verunstaltete Bilder von ihnen verbreitet werden.
„Es werden vier Formen von Cyber-Mobbing unterschieden“, sagt Wachs. Dabei handelt es sich um Beleidigungen und Bedrohungen, das Verbreiten von Gerüchten, verunglimpfenden Bildern oder falschen Facebook-Profilen, Bloßstellen und Verbreiten von Geheimnissen oder privaten Fotos, oder das Ausschließen einzelner Personen beispielsweise aus Chats. „Am häufigsten berichten die Opfer von unwahren Gerüchten, verunstalteten Bildern oder auch falschen Profilen“, sagt Wachs.

Doch dabei hört es oft nicht auf. In Foren ist auch vom sogenannten „happy slapping" die Rede. Ein Kind wird geschlagen, das ganze wird mit der Handy-Kamera aufgenommen und unter den Jugendlichen verbreitet. Laut der JIM-Studie aus dem Jahr 2009 berichten 27 Prozent der Jugendlichen, dass unter anderem brutale Videos im eigenen Freundeskreis kursieren. Acht Prozent geben sogar zu, solche Inhalte bekommen zu haben.

„So grausam es klingt: Beim Cyber-Mobbing sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt“, sagt Andreas Mayer, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Ländern und des Bundes. „Es geht sogar bis zu Extremfällen wie sexuellen Übergriffen, die dann aufgenommen und via Internet verbreitet werden." Glücklicherweise sind solche Fälle bisher nur Ausnahmen gewesen, sagt Mayer.

„Die Beleidigungen auf sexueller Grundlage haben in letzter Zeit jedoch zugenommen“, beobachtet der Polizeibeamte. „Es kommt zu einer Verwahrlosung der Sprache, für die man sich im realen Leben zutiefst schämen würde. Das nimmt Auswüchse an, das ist unglaublich.“


> Lesen Sie weiter: Mein Kind wird gemobbt, was kann ich dagegen tun?




az

 
  

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Veröffentlicht von der Mama-Redaktion
am 12/10/2011
Die Lesernote:3.9/5 
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