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Familie: Schluss mit Vater, Mutter, Kind?

Michaela Moses
von Michaela Moses Veröffentlicht am 25. Januar 2010

Wer an Familie denkt, hat meistens dieses Bild im Kopf: Vater, Mutter, Kind. Oder noch klassischer: zwei Kinder. Doch mehr und mehr Familien in Deutschland sehen anders aus. Patchworkfamilien oder Alleinerziehende sind keine Randgruppen mehr, im Gegenteil. Die Anzahl der klassischen Familien, also ein Elternpaar mit Kindern, nimmt seit zehn Jahren stetig ab.

Dagegen steigt die Zahl der alternativen Lebensformen: 2008 gab es bereits ca. 2,2 Millionen Alleinerziehende und Eltern ohne Trauschein, bei denen mindestens ein Kind im Haushalt lebt. Das sind 40 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Die klassische Familie macht in Deutschland mit ca. 75 Prozent zwar noch die Mehrheit aus, Familien sind heute aber zunehmend auch Regenbogenfamilien, Patchworkfamilien oder Alleinerziehenden-Familien.

Vorurteile, Kinder würden sich in Patchworkfamilien oder bei gleichgeschlechtlichen Eltern schlechter entwickeln, lassen sich wissenschaftlich nicht belegen. Im Gegenteil: Häufig bringen Kinder aus Patchwork-oder Fortsetzungs-Familien ein höheres Maß an sozialer Kompetenz mit. Sie mussten lernen, Kompromisse zu schließen und tun sich damit leichter.

Es gibt viele verschiedene Modelle einer Familie
Vater, Mutter, Kind: "Natürlich sind wir eine Familie."
Eine Familie wie aus dem Bilderbuch: Susanne, 35 und Robert, 38 mit ihren drei Kindern Neo (8 Jahre), Lisa und Lara (beide 5 Jahre). Die heutigen Eltern fanden Familien früher spießig. "Das hätte ich mir als Jugendlicher nicht träumen lassen: Heute lebe ich mit meiner Familie in einem Reihenhaus in einem Vorort und wir fahren einen Kombi. Klingt langweilig, aber ich würde mir kein anderes Leben mehr wünschen."

Mutter, Kind: "Von Familie reden wir nicht."
Patricia, 27, ist alleinerziehend. Ihr damaliger Freund hat sie verlassen als er erfahren hat, dass sie schwanger ist und will heute nichts von seinem zweijährigen Sohn Moritz wissen. "Manchmal bin ich schon neidisch, wenn ich sehe, wie es bei meinen Freundinnen läuft. Gleich kommt Papa nach Hause, erzählen sie ihrem Kind abends, und sobald sie den Schlüssel in der Haustür hört, rennt das Kleine glücklich seinem Vater in die Arme." Diese Freude kennt Moritz natürlich nicht. Und Patricia nicht die Freiheit, das eigene Kind nach einem anstrengenden Tag in Papas Arme zu geben und kurz etwas zu entspannen. "Dadurch, dass wir nur einander haben, hängen wir noch mehr aneinander als andere. Einen Babysitter beauftragen? Das kann ich mir heute noch nicht vorstellen", sagt die junge Mutter.

Vater, Vater, Kind: "Julian und Yannick sind meine Familie"
Julian und Yannick haben geschafft, wovon viele schwule oder lesbische Paare träumen: Sie haben die langen behördlichen Verfahren hinter sich gebracht und ein Kind adoptiert. Der kleine Tom kam im Alter von 11 Monaten zu ihnen und ist inzwischen ein Jugendlicher und weiß, dass er ein außergewöhnliches Elternhaus hat: "Für mich ist es nichts besonders. Ich habe Julian und Yannick lieb und die beiden mich. Andere finden es schon ungewöhnlich und sehen uns nicht als Familie. Wenn wir beispielsweise ein Familienticket in einem Freizeitpark kaufen wollten, gab es oft Diskussionen und wir mussten uns outen."

Vater, Stiefmutter, Mutter, Stiefvater, Kind: "Ich habe zwei Familien"
Die Eltern von Fabian haben sich getrennt als er zwei Jahre alt war. Seitdem lebt er bei seiner Mutter und seiner Halbschwester, die zwei Jahre jünger ist.
"Ich lebe von Montag bis Donnerstag bei Mama und Tobias. Freitags gehe ich zu Papa und seiner neuen Freundin. Ich habe kein Problem damit, ich habe alle vier lieb und bin bei allen gerne. Meine Freunde kennen alle meine Familienmitglieder, wenn sie mich unter der Woche besuchen, sind wir bei meiner Mutter und am Wochenende unternehmen wir manchmal was mit meinem Papa. Ich habe eben nicht nur eine, sondern zwei Familien."


Familie in Zahlen

  • Im Jahr 1950 wurden ungefähr 750.000 Ehen in Deutschland geschlossen, 2008 waren es nur noch ungefähr 377.000. (*6)
  • 28.200 Kinder und Jugendliche wurden 2007 von Jugendämtern in Obhut genommen, davon 44% wegen Überforderung der Eltern. (*5)
  • Die meisten Ehen werden im fünften bis siebten Ehejahr geschieden. (*6)
  • Regenbogenfamilie sind überwiegend Frauensache: in 93% der Fälle sind dies das Kind, seine leibliche Mutter und deren Partnerin. (*1)
  • Gleichgeschlechtliche Eltern haben einen höheren Bildungsabschluss: 45,1% haben einen (Fach-)Hochschul- oder Abschluss gegenüber 19,1% im Durchschnitt aller Eltern. (*2)
  • Geldbörsen, die Babyfotos enthalten, werden fünfmal so oft zurückgegeben wie andere. (*3)
  • Ca. 15Prozent der Paare, also in Deutschland rund 2 Millionen, sind ungewollt kinderlos. (*7)
  • Anteil der Männer ohne Kind, die über 36 Stunden pro Woche arbeiten: 56
  • Anteil der Männer mit Kind, die über 36 Stunden pro Woche arbeiten: 75%
  • Anteil der Männer mit zwei Kindern, die über 36 Stunden arbeiten: 82%. (*4)


Lesen Sie auch auf gofeminin.de:

> Elf Ideen, die im Familienleben helfen
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Quellen:
*1 Studie der Universität Bamberg
*2 Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, herausgegeben vom Bundesministerium für Justiz.
*3 Studie der Universität Hertforhshire, November 2008
*4 Untersuchung des Bundesfamilienministeriums, 2007
5 Bericht des Berufsverbands Deutscher Psychologen und Psychologinnen 2009
* 6 Statistisches Bundesamt Wiesbaden, 2009
* 7 Familienhandbuchs des Staatsinstituts für Frühpädagogik


Textkern/jw/mm

von Michaela Moses

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