Magersucht: Eine Mutter kämpft um ihre Kinder

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Die Mütter als "Schuldige"?
Dennoch: Mit der Einweisung in die Klinik ist der Kampf gegen die Krankheit noch lange nicht ausgestanden. Neben der anhaltenden Sorge um ihre Kinder belastet Caroline Wendt vor allem der Vorwurf der Therapeuten, als Mutter habe sie eine Mitschuld an der Magersucht. Das Klischee der "Magersuchtmutter" - die überfürsorgliche, erdrückende Glucke - wird auch im Fall der Familie Wendt herangezogen.

Inzwischen weiß man, dass Magersucht bei jungen Mädchen eher im Gehirn und in der Veranlagung ihre Ursache hat als in der Erziehung. Dennoch verändert sich die Behandlung der Krankheit nur langsam, noch immer halten viele Therapeuten an der Überzeugung fest, Magersucht habe vorrangig psychische Ursachen, an denen gerade die Mutter ihre (Teil-)Schuld trägt.

Für Caroline Wendt eine schmerzhafte Erfahrung: "Zu viel Liebe, zu wenig Liebe, überfürsorglich, aber im richtigen Moment nicht da: Was die Therapeuten da formuliert haben, klang für mich wie der Vorwurf einer Mittäterschaft zum Selbstmord."

Es dauerte Jahre, bis sich Wendt von diesen Vorwürfen erholt hat. Heute setzt sie sich dafür ein, mit dem Klischee der "Bösen Magersuchtmutter" aufzuräumen. Sie will anderen Müttern ersparen, was sie selbst durchlitten hat. "Als Mutter bist du ohnehin angefüllt von all den Schuldgefühlen, die du dir machst. Wenn dir dann ein 'Fachmann' offiziell die Schuld an der Krankheit deines Kindes gibt, ist das kaum zu ertragen. Vorwürfe bringen nicht weiter, sie machen kaputt  - uns Eltern, und letztlich auch die Kinder."

Heute sind die Zwillinge volljährig, machen gerade ihr Abitur. Sie sind stabil, und doch gibt es immer wieder Situationen, in denen die Mutter Angst spürt, eines der Mädchen könne rückfällig werden. Sie weiß: Der Kampf gegen die Magersucht ist nie endgültig gewonnen. Doch Caroline Wendt hat gelernt, Grenzen für sich zu setzen. "Mein Leben ist mein Leben, und ich werde es genießen. Das ist das beste Vorbild, was ich für meine Töchter sein kann."


Caroline Wendt hat über ihre Erfahrungen mit der Magersucht ein Buch geschrieben:
Ich kann nicht anders, Mama. Knaur Verlag, 9,99 €


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Veröffentlicht von der Mama-Redaktion
am 16/04/2011
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