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Das Geheimnis um den Mutterinstinkt: Wie entsteht eigentlich mütterliche Fürsorge?

von Redaktion Veröffentlicht am 3. August 2016
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Wissen frischgebackene Mütter instinktiv, wie sie mit einem Baby umgehen sollen?

Oft heißt es: "Jede Frau weiß instinktiv, wie man sich um Babys kümmert." Genau das ist der Grund, weshalb so viele frischgebackene Mütter an sich zweifeln. Inzwischen weiß man, dass solche Zweifel völlig unbegründet sind. Doch diese eher veralteten Sprüche gibt es trotzdem noch und sie verunsichern viele junge Mütter. Daher schauen wir uns das einmal genauer an. Gibt es so etwas wie den Mutterinstinkt wirklich, und wenn ja, wie funktioniert er eigentlich?

Gibt es den Mutterinstinkt wirklich?

Als Mutterinstinkt wird diese ganz besondere Verbindung zwischen Mutter und Kind beschrieben, die ab der Befruchtung oder gar schon ab dem Kinderwunsch entsteht. Radikale Feministinnen haben den Mutterinstinkt einst in Frage gestellt und als reinen Mythos bezeichnet.

Auch die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy von der University of California Davis bezeichnet die Vorstellung von der "liebenden Mutter" in ihrem Buch "Mutter Natur" als Wunschdenken: "Die Natur habe dem Weib keineswegs die Rolle der liebenden, aufopferungsvollen Ammen-Mama zugewiesen", so die Evolutionsforscherin. "Der 'Mutterinstinkt' sei, so wissenschaftlich dieser Begriff auch anmute, weder instinktiv, noch allen Müttern eigen." Trotzdem wird der "natürliche Mutterinstinkt" immer wieder zum Forschungsgegenstand von Biologen, Anthropologen, Psychiatern und Psychologen. Teilweise wird allein der Begriff "Mutterinstinkt" in Frage gestellt, da hierbei möglicherweise gesellschaftliche und biologische Aspekte vermischt werden.

Was ist der Mutterinstinkt?

Mütterliches Verhalten wird stark von den gesellschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten beeinflusst und durch individuelle Erfahrungen geprägt. Ist es tatsächlich so, dass der sogenannte Mutterinstinkt der Elan ist, der Mütter unermüdlich dazu antreibt, für ihr Baby zu handeln und sich ohne nachzudenken, um ihr Kind zu kümmern und sich aufzuopfern?

Selbstverständlich ist es ein stückweit genau das. Durch den Mutterinstinkt soll schließlich der Fortbestand der Menschheit gesichert werden. Allerdings trifft das nicht nur auf biologische Mütter zu. Denn bei manchen Menschen, egal ob Frauen oder Männer, kann ein besonders starkes fürsorgliches Verhalten für kleine, abhängige Lebewesen entwickelt werden, selbst wenn keine Verwandtschaft vorliegt.

Adoptiveltern beispielsweise handeln und entwickeln ebenso starke Gefühle wie eine Mutter. Die sogenannte Mutter-Kind-Bindung kann auch zwischen Menschen stattfinden, die nicht verwandt sind – sollte es dann doch vielleicht lieber Mutterliebe heißen? Übrigens kann diese mütterliche Fürsorge auch artenübergreifend stattfinden, so gibt es auch im Tierreich Adoptionen. Dies begründet sich im Kindchenschema.

Was ist das Kindchenschema?

Wissenschaftlich lässt sich der Mutterinstinkt unter anderem mit dem Kindchenschema erklären, das von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz aufgestellt wurde. Auf niedliche Gesichtszüge, die als Schlüsselreize wirken, reagieren Menschen und die meisten Tierarten automatisch mit einem Beschützer- und Fürsorgeverhalten, also einer Art Mutterschema.

Das Kindchenschema weckt das Fürsorgeverhalten. © iStock

Das Kindchenschema zeigt sich in baby-typischen Proportionen und Gesichtszügen: großer Kopf, große Kulleraugen, Pausbacken und eine gewisse Wehrlosigkeit, wie tollpatschiges Verhalten, Wimmern und Weinen. Gerade beim Menschen sind diese Schlüsselreize bedeutsam, da unsere Sprösslinge eine lange Kindheit haben und die Eltern-Kind-Beziehung ebenso lange aufrechterhalten werden muss. In einer Studie der Universität St. Andrews wurde festgestellt, dass gerade Frauen im gebärfähigen Alter besonders auf das Kindchenschema ansprechen.

Wie äußert sich der Mutterinstinkt?

Für eine Mutter geht ihr Baby "natürlich" immer vor. Sie kümmert sich ständig um sein Wohlbefinden und hat auch ohne Nabelschnur, das Gefühl mit dem Kind verbunden zu sein. Häufig lässt sich beobachten, dass Mütter einen ganz bestimmten suchenden und teils skeptischen Blick aufsetzen, wenn ihr Kind gerade nicht in Reichweite ist. Schon während der Schwangerschaft verändern fast alle Frauen ihr Verhalten und achten viel stärker auf ihre Ernährung.

Jede Frau, die schon einmal entbunden hat, weiß es: Es ist anfangs häufig ein Schock mitanzusehen, wie Hebammen und Co. das eigene Baby so routiniert baden, wickeln und pflegen. Als frischgebackene Mama traut man sich hingegen kaum überhaupt die kleinen Ärmchen zu berühren. Muttersein hat eben auch sehr viel mit Erfahrung und Gewohnheit zu tun.

Auch der Mutterinstinkt braucht Zeit

Für manche Mütter ist ihr Baby wie die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick. Aber bei weitem nicht für alle, schließlich ist das Baby nach der Geburt noch etwas zerknittert und sieht nicht unbedingt so aus, wie man es sich in den langen Monaten der Schwangerschaft vorgestellt hat.

Außerdem ist diese Situation für die Mütter völlig neu und oft auch etwas beängstigend, selbst, wenn es schon das zweite Kind ist. Auch, wenn die Verbindung zwischen Mama und ihrem Baby noch so stark ist, bedeutet das nicht, dass sie angesichts der zahlreichen Dinge, die man als Mutter wissen muss, nicht auch manchmal ratlos dasteht. Manchmal wird es sogar einfach zu viel, gerade dann, wenn Familie und Freunde mit 1.000 gut gemeinten Tipps zur Kindererziehung parat stehen und junge Mütter und auch Väter völlig überfordern. Ihr müsst nicht jeden Rat annehmen.

Im Zweifelsfall gilt immer: Lasst euch nicht verunsichern! Ihr werdet noch viel lernen und habt auch bald schon im Gefühl, was euer Kind gerade am nötigsten braucht. Vertraut auf euch selbst und hört auf euren Bauch. Ihr schafft das schon.

Liebe ich mein Kind genug? Stimmt etwas nicht mit mir?

Ja, die Vorstellung klingt irgendwie seltsam und grausam, wenn man daran denkt, man liebt sein Kind nicht. Allerdings kommt das gar nicht so selten vor: Statt des erwarteten Freudenausbruchs sind euren Empfindungen diesem kleinen Menschlein gegenüber eher gleichgültig. Das Resultat: Ihr habt ein schlechtes Gewissen und habt das Gefühl keine gute Mutter zu sein.

Lasst euch nicht unterkriegen, auch die Liebe zu eurem Baby muss und darf wachsen. Der Mutterinstinkt ist kein Fertigprodukt voller positiver Gefühle, der als eine Art Nachgeburt schlagartig da ist. Es ist sehr wichtig, dass ihr euch für das fehlende Muttergefühl nicht schämt oder schuldig fühlt. Der Babyblues, also das Seelentief nach der Geburt, betrifft viele Frauen und ist meist hormonell bedingt. Sprecht darüber mit eurer Hebamme oder eurem Arzt und gebt euch die Zeit, die Mutter-Kind-Beziehung langsam aufzubauen.

Zusammensein mit dem Baby

Von Tag zu Tag wird die Verbindung zwischen Mutter und Kind enger geknüpft und auch die Zuneigung wächst zusehends. Dabei wird mit jeder Berührung, jedem noch so zarten Streicheln und jeder Pflege das Urvertrauen des Kindes gestärkt. Wer sein Baby dabei beobachtet, wie es lächelt, wenn man sanft über den Kopf streicht, wird zwischendurch vielleicht sogar richtige Schmetterlinge im Bauch fühlen.

In den meisten Kliniken wird das Kinderbettchen nach der Geburt auf das Zimmer der Mutter gestellt. Teilweise gibt es auch besondere Mutter-Kind-Zimmer, die noch stärker auf die Bedürfnisse einer frischgebackenen Mutter ausgelegt sind. In der Zeit des Wochenbetts lernen die Mütter ihr Kind schrittweise kennen und lieben und können auf die Hilfe von Hebamme und Krankenschwestern zählen.

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