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Warum wir auf Komplimente immer so doof reagieren und wie es besser geht

Nadine Jungbluth
von Nadine Jungbluth Veröffentlicht am 23. Juli 2017
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Manchmal ist das kleine Wörtchen 'Danke' das, was uns am schwersten fällt. Warum? Wir sind der Problematik auf den Grund gegangen.

Wann hast du eigentlich das letzte Mal ein Kompliment bekommen? Und noch viel wichtiger: Wie hast du darauf reagiert? Vielleicht so?

"Schicke Bluse!"
"Ach, ich find ja, die Farbe macht mich blass."

Oder so:

"Das Gedicht hast du wirklich ganz toll geschrieben!"
"Was? Das Ding? Ach, nicht der Rede wert. Die Idee kam ja nicht mal von mir."

Klingt das irgendwie vertraut?

Es ist nur ein klitzekleines Wort und doch fällt es vielen Mädchen und Frauen so schwer, es auszusprechen. Die Rede ist von dem Wort 'Danke'!

Klar, wenn uns jemand ein Geschenk macht, sagen wir 'Danke'. Auch wenn uns jemand bei etwas hilft, sagen wir brav 'Danke'. Denn so haben wir es gelernt. Was aber, wenn uns jemand ein Kompliment macht? Sagen wir dann auch einfach 'Danke'?

Autorin Michelle Cove (Huffingtonpost.com) ist dieser Frage einmal genauer auf den Grund gegangen und hat bemerkt, dass Mädchen ab einem gewissen Alter anfangen, Komplimente abzuwerten. So lobte sie zum Beispiel ihre Tochter für ihr tolles Wissenschafts-Projekt in der Schule. Die Kleine antwortete: "Danke, aber hast du schon das Projekt von Christine gesehen? Das ist unglaublich!" Statt das Lob einfach anzunehmen lenkte die Kleine die Aufmerksamkeit lieber auf ihre Freundin. Kein Einzellfall.

Fast alle Frauen reagieren gleich

Beobachtet man Mädchen und Frauen dabei, wie sie auf Komplimente reagieren, folgen die Antworten fast immer dem gleichen Muster. Sagt man einer Frau: "Ich finde deine Locken so schön!" Kommt als Antwort wahrscheinlich: "Ach echt? Nee, die nerven. Ich hätte lieber so tolle glatte Haare wie du!"

Michelle Cove erklärt: "Man kann selbst der erfolgreichsten, modernsten Frau sagen, wie klug man sie findet oder wie toll ihre neue Jeans aussieht. Sie wird einem daraufhin wahrscheinlich erzählen, was sie gestern schon wieder Peinliches gemacht hat und wie dick ihr Hintern in der Jeans aussieht." Kommt euch das auch bekannt vor?

'Fishing for Compliments' werden einige nun laut aufschreien! Doch tatsächlich steckt viel mehr dahinter. Frauen haben offensichtlich ein Problem damit, öffentlich damit konfrontiert zu werden, besser zu sein als andere. Auch wenn sie ein Kompliment durchaus gerne hören und innerlich auch wissen, dass es wahr ist, können sie es nach außen hin nicht zeigen.

Der Grund: Sie möchten nicht aus der Reihe tanzen, sondern in ihr soziales Umfeld hineinpassen. Darum achten Frauen penibel darauf, dass keine Aussage sie in irgendeiner Weise höher stellt als ihre Freundinnen oder Kolleginnen. Das könnte ja arrogant rüberkommen und von klein auf wurde uns eingebläut, dass Arroganz schlecht ist! Statt also einfach 'Danke' zu sagen, werten Frauen ein Kompliment lieber ab oder machen stattdessen anderen ein Kompliment.

Niemand möchte arrogant rüberkommen

Eigentlich ist dieses Verhalten doch nett. Und sozial. Also was spricht dagegen? Ganz einfach: Wenn wir uns selbst nicht eingestehen, dass wir etwas gut gemacht haben, wie sollen dann erst andere dies erkennen? Selbstsicherheit ist der Schlüssel zum Erfolg! Wie wir uns selbst sehen, hat Einfluss auf alles, was wir tun und denken. Warum nehmen wir uns selbst den Wind aus den Segeln, wenn wir doch eigentlich jede Böe einfangen und richtig Fahrt aufnehmen sollten?

Doch leichter gesagt als getan. Denn das Verhalten, das wir seit Jahren verinnerlicht haben, können wir nur sehr schwer wieder ablegen. Fast schon automatisch geraten wir in eine verschämte Abwehrhaltung, wenn jemand uns etwas Nettes sagt. Darum heißt es: Üben, üben, üben! Wenn wir uns selbst mal wieder dabei erwischen, wie wir ein nett gemeintes Kompliment herunterspielen: Stopp! Ein simples 'Dankeschön' reicht doch schon!

Und genau das sollten wir auch unseren Kindern früh genug beibringen. Wenn ihr eure Tochter also dabei beobachtet, wie sie einem Kompliment ausweicht, nehmt sie in einem ruhigen Moment zur Seite und sagt ihr, warum es ok ist, ein Kompliment anzunehmen. Jedes Mädchen, jede Frau, jeder Mensch sollte selbstbewusst genug sein, zu sagen: Ich bin toll? Danke!

Ein 'Dankeschön' reicht

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