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Ende 2010 lebten laut Statistischem Bundesamt 6,75 Millionen Ausländer in Deutschland. Hauptsächlich kommen sie aus der Türkei in die Bundesrepublik. Aber auch aus anderen Teilen der Welt: aus Griechenland, Indien oder dem Iran.
Sie alle tragen zur kulturellen Vielfalt Deutschlands bei. So wie die drei jungen Frauen, die wir Ihnen vorstellen. Sie sind erfolgreich ihren Weg gegangen und sind Beispiele für eine gelungene Balance aus zwei Kulturen, perfekt etabliert in Deutschland.
Sahar A.: Die Iranerin legt eine steile Karriere in der IT-Welt hin
Sahar A. kommt aus dem Iran. Sie legt in der IT-Welt der Strato AG eine rasante Karriere hin. Mit 30 Jahren ist sie bereits Head of Performance Marketing. Aber der Weg dorthin führte über Umwege ...
Geboren ist Sahar A. im Iran in der Stadt Rascht. Vor 25 Jahren kommt die Mutter mit der damals 5-jährigen Sahar und ihrem Bruder nach Deutschland. Erst wohnt die kleine Familie beim ältesten Bruder der Mutter. Das ist aber nur eine Übergangslösung, denn ein Jahr später lassen sie sich in Berlin-Neukölln nieder. Sahars Mutter arbeitet als Frisörin, macht sich dann mit einem persischen Restaurant selbstständig. Die Mutter legt Wert darauf, ihren Kindern beide Kulturen nahe zu bringen. So ist Sahar zwar nicht religiös, aber traditionell. Nouruz, also Neujahr, wird am 21. März gefeiert. Natürlich mit der ganzen Familie. Aber auch Weihnachten gehört dazu. „Früher hatten wir immer einen geschmückten Plastikbaum, heute gibt es nur noch Weihnachtsdeko.“ Die iranische mit der deutschen Welt zu verbinden, stellt für Sahar kein Problem dar. Trotzdem hat auch sie Erfahrung mit Diskriminierung gemacht.
Aus der Migrationsklasse zur Managerin
Zu Schulzeiten besteht ihr Freundeskreis hauptsächlich aus Deutschen, auf der Oberschule aber geht sie in eine Klasse, in der nur Kinder mit Migrationshintergrund untergebracht sind. Sahar empfindet die Situation als diskriminierend. „Es war ein Versuch. Alle Schüler mit Migrationshintergrund waren in einer Klasse. Niemand hatte geglaubt, dass wir alle das Probehalbjahr bestehen. Das wurde uns so direkt auch gesagt.“ Aber alle kamen durch.
Nach dem Abitur studiert Sahar erst ein Semester Jura, will dann Hebamme werden, bis sie ihr Interesse für die IT-Branche entdeckt und sich bei Strato bewirbt. Sie beginnt ihre Ausbildung als IT-Systemkauffrau beim zweitgrößten Webhoster Europas, wird im Marketingbereich übernommen und bekommt nur sechs Monate später einen Job als Managerin. Ein steiler Aufstieg in kurzer Zeit. Seit 2010 leitet Sahar A. als Head of Performance Marketing ein Team aus vier Mitarbeitern. Ihre Arbeit besteht aus „viel Controlling, man muss viel mit Zahlen hantieren“. Auf ihrem Schreibtisch im Büro lachen sie und ihr Mann aus Afghanistan ihr vom Mousepad entgegen, auch Fotos von Kollegen stehen dort. Ihre Mitarbeiter wissen die Arbeit der jungen Chefin zu schätzen. „Ich bin sehr offen und freundlich. Aber auch sehr ordentlich und gewissenhaft. Auf mich ist immer Verlass.“ Sahar ist ehrgeizig und manchmal zu rasant was ihre Arbeit betrifft. „Ich muss noch lernen, mich auf das Tempo meines Gegenübers einzustellen und auch mal auf die Bremse zu drücken.“
Zurück in den Iran würde Sahar A. nicht gehen. Aus einem ganz einfachen Grund: „Ich spreche zwar die Sprache, kann sie aber nicht lesen und schreiben.“
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