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Ein Blick in den Puff: Diese Männer zahlen für Sex

Veröffentlicht von Redaktion
Veröffentlicht am 12. November 2013

So sehen die also aus! Fotografin Bettina Flitner schaffte es, in einem Puff Freier vor ihre Linse zu bekommen ...



​In einem Stuttgarter Puff verbrachte die Fotografin Bettina Flitner sieben Tage. Sie lichtete Männer ab, die für Sex bezahlen und bekam Antworten auf die Frage: "Warum geht ihr in den Puff?" Hier zeigt sie die Bilder der Bordellbesucher. Und sie erzählt, was sie erlebt und was sie fassungslos gemacht hat.

Wie kamen Sie auf die Idee zu dem Projekt?
Bettina Flitner: Es wird in der letzten Zeit verstärkt über Prostitution geredet. Aber dabei ist immer nur von Frauen die Rede. Da habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich mit den Männern? Wer sind diese Männer, die zu Prostituierten gehen? Warum tun sie das?

Was wollen Sie mit den Fotos erreichen?
Ich wollte die Männer zeigen. Und ihr Motiv. Es sind in der Tat alle Typen von Männern, junge, alte, attraktive wie Ladenhüter. Aber die Motive sind vielfältig: Bequemlichkeit, Verklemmtheit, Machtgelüste.

Gehörte das Projekt eher zu den größeren Herausforderungen Ihrer Karriere? Wie viel Überzeugungsarbeit mussten Sie bei den Männern und den Bordell-Mitarbeitern leisten?
Das war eine riesige Herausforderung. Erst mal war es gar nicht einfach, in das Bordell überhaupt hineinzukommen. Schließlich bin ich eine Frau und noch dazu eine Fotografin, die das Ganze auch noch im 'Stern' veröffentlichen will. Aber schließlich hat der Besitzer eingewilligt. Ich vermute, er hat sich davon Werbung für sein Haus versprochen. Und dann ging es darum, dass die Männer mitmachen. Alle, auch aus dem Milieu, haben zu mir gesagt: "Das schaffst du nie." Und in der Tat, es hat drei Tage gedauert, bis der erste anbiss. Letztendlich haben eben auch diese Männer das Bedürfnis, dass man ihnen wirklich zuhört.

Kann man sich in einem Bordell wohlfühlen?
Nicht wirklich. Auf den ersten Blick war dieses sogenannte Wellness-Bordell schick: marokkanische Polster, indirektes Licht. Aber auf den zweiten Blick sieht man das Elend. Das Elend der Frauen, die noch halbe Kinder sind und der Männer, die ihre Großväter sein könnten. Obwohl es doch angeblich um das Intimste geht, um Sex, weht einen da die Kälte an. Denn es geht um Geld und um Macht.


Was waren Ihre einprägsamsten Eindrücke von Ihrer Zeit dort?
Ich habe die Männer unten an der Bar angesprochen, um sie dann mit hoch in eines der Zimmer zu nehmen, wo ich mein Licht und meine Kamera aufgebaut hatte. Ich habe mich also relativ oft in der Etage aufgehalten, wo es auch zur Sache geht. Den Anblick der Frauen, wenn sie mit den Männern nach dem Anbahnungsgespräch oben ankamen, werde ich nie vergessen. Wie nackte Untote wankten sie da auf ihren High Heels den Gang entlang, mit versteinerten Gesichtern. Und Männer in ihren Bademänteln hinterher ins Zimmer.

Bordell-Besucher gelten ja klischeemäßig als schmuddelige und 'eklige Typen'. Hat Ihre Arbeit dieses Klischee Ihrer Meinung nach widerlegt?
Und wie! Das sind ganz normale Männer, unsere Nachbarn, Kollegen, Freunde. Da war ein sehr gutaussehender 23-Jähriger. Ich habe ihn gefragt: "Warum kaufst du dir Frauen, du kannst doch jede Frau so haben?" Seine Antwort war glaskar: "Das ist Macht, hier kann ich mit der Frau machen, was ich will."

Was empfinden Sie diesen Männern gegenüber?
Mitleid. Und Fassungslosigkeit. Wie man sich selber so betrügen kann? Die glauben ja wirklich, dass die Frau, die sie da für einen 50 Euro Schein gekauft haben, gerade den tollsten Orgasmus ihres Lebens mit ihnen hatte. Das sind Männer, die mit einer Frau nicht auf Augenhöhe verkehren können. Das ist doch irgendwie arm.

Können Sie jetzt nachvollziehen, warum Männer in den Puff gehen?
Ja. Weil ihnen unabhängige Frauen zu anstrengend sind. Sie scheuen die Auseinandersetzung und suchen den einfachen Weg. Aber das ist nicht nur für die Frauen eine Zumutung, für ihre eigene und für die gekaufte Frau, Sie selber haben auch danach ein schales Gefühl. Einer hat zu mir gesagt: "Zeig mir einen hier, der glücklich ist."

Haben Sie auch mit den Prostituierten gesprochen? Was war Ihr Eindruck?
Das war am Anfang schwierig, denn ich war die einzige angezogene Frau in dem Bordell. Die Frauen müssen immer nackt sein und haben höchstens ihre Handtasche dabei. Aber allmählich haben wir uns angenähert. Es war schwierig, miteinander zu reden, weil neun von zehn kaum deutsch sprechen, sie kommen aus Bulgarien oder Rumänien. Am sechsten Tag hat eine ganz unvermittelt zu mir gesagt: "Ich kann nicht mehr. Ich hatte heute 10 Männer. Nur Schwänze, Schwänze, Schwänze."

Was war für Sie das Faszinierendste an Ihrem Einblick in diese fremde Welt?
Das Überraschendste war, dass die meisten Männer das Ganze in Wahrheit selber traurig finden. Sie wissen, dass die meisten Frauen nicht freiwillig in so einem Laden sind. Sie sehen die Zuhälter auf dem Parkplatz, die die Frauen abkassieren. Aber tun es trotzdem. "Das ist wie eine Sucht" hat einer zu mir gesagt.

Wie war die Resonanz auf Ihre Fotoserie?
Sehr sehr stark. Ich werde fast täglich darauf angesprochen. Ich habe einen Artikel über 'Meine Tage im Puff' in 'Emma' geschrieben, auch darauf gab es viele Reaktionen. Er ist jetzt in dem Buch 'Prostitution - ein deutscher Skandal' zu lesen, das in diesen Tagen erschienen ist. Im Internet gingen die Freier durch die ganze Welt. Da sind sie auf englisch, französisch, spanisch, griechisch, chinesisch übersetzt worden. Riesige Diskussionen in den sozialen Netzwerken, pro und contra. Ich habe auch einige Briefe von Ex-Freiern bekommen. Alle haben sie gesagt, dass sie erleichtert sind, nicht mehr in dieser Welt zu verkehren.

Welches Projekt können wir als nächstes von Ihnen erwarten?
Den zweiten Teil der Arbeit: die Frauen.

Alle Bilder der 'Freier'-Reihe sowie andere Arbeiten der Fotografin gibt es hier auf ihrer Website

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