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Übergrößen-Models: Wie bitte? Das soll 'Plus Size' sein?

Nadine Jungbluth Veröffentlicht von Nadine Jungbluth
Veröffentlicht am 19. Dezember 2013

Verkehrte Welt: Frauen mit Kleidergröße 38/40 modeln für Übergrößen-Mode und werden als 'Plus-Size'-Models bezeichnet. Geht's noch? Wo bitte steht eigentlich geschrieben, dass ein Model Kindergröße haben muss?

Erst kürzlich hat die spanische Modekette Mango bekanntgegeben, dass sie ab 2014 eine "Übergrößen-Linie" in ihren Filialen anbieten wird. Die trendy Plus Size-Mode unter dem Namen 'Violeta‘ soll in Größe 40 - 54 erhältlich sein. Aber Moment mal: Seit wann gilt Größe 40 denn als Übergröße? Diese Frage stellen sich nun viele Kundinnen. Muss die Durchschnittsfrau jetzt in der Plus-Size-Abteilung shoppen? Wenn es nach der Fashion-Industrie geht, anscheinend schon. Denn dort beginnt offenbar jenseits der Kleidergröße 38 die XL-Abteilung!

Doch die Realität sieht anders aus. Tatsächlich tragen laut 'Statista' über 60 Prozent der deutschen Frauen Kleidergröße 40 oder größer. Die Durchschnitts-Maße liegen laut einer Studie der Hohensteiner Institute bei ca. 100 (Brust), 84 (Taille) und 104 (Hüfte) Zentimetern und nicht etwa bei 90-60-90, dem angeblichen Idealmaß!

Generell ist zu beobachten, dass die Maße der Durchschnittsfrau über die letzten Jahre hinweg um einige Zentimeter gestiegen sind. Heute sind wir im Durchschnitt größer und haben einfach andere Maße als die Frauen vor 50 Jahren. In regelmäßigen Abständen werden daher Frauenkörper neu vermessen und die Kleidergrößen entsprechend angepasst.

Für alle, die wirklich fülliger sind als der Durchschnitt, ist es nach wie vor schwierig, modische Kleidung zu finden, die gut passt und erschwinglich ist. Trendige Mode in Übergrößen suchte man in vielen Geschäften bisher vergebens.

Robyn Lawley für Mango Übergrößen-Kollektion © facebook.com/mango Die Hersteller reagieren endlich

Darum freuen sich viele Kundinnen, dass die Bekleidungsindustrie endlich auch angesagte Mode in großen Größen anbietet. Viele Trendunternehmen wie zum Beispiel H&M, Asos, C&A und nun auch Mango, haben die Marktlücke erkannt und bieten inzwischen spezielle Plus-Size Linien an. Dort gibt es nicht nur aktuelle Mode in großen Kleidergrößen, sondern auch Schnitte, Formen und Farben, die insbesondere an die Bedürfnisse fülligerer Kundinnen angepasst sind.

Doch statt die XL-Mode auch an XL-Frauen zu präsentieren, setzen die Unternehmen auf Plus-Size-Models, die allerdings wenig nach Plus Size aussehen. Mango zum Beispiel wählte als Model die 24-jährige Robyn Lawley. Die bildhübsche Australierin arbeitet seit Jahren erfolgreich als Model für Übergrößen und das, obwohl sie kein bisschen dick ist!

Falsche Frauenbilder in den Medien

Bree Warren für Asos Curve © Asos Die meisten würden Robyn Lawley sogar als schlank bezeichnen, wenn sie ihr auf der Straße begegnen würden. Mit einer Körpergröße von 1,88 m ist Robyn zwar überdurchschnittlich groß, hat aber mit 82 kg absolutes Normalgewicht und einen BMI von 23,2. Der ideale BMI für Frauen liegt zwischen 19 und 25.

Auch die angeblichen Plus-Size-Models anderer Hersteller kommen uns gar nicht füllig vor - im Gegenteil! Das H&M XL-Model Jennie Runk wirbt zwar für die Übergrößen-Kollektion, passt aber locker in eine 38/40. Von Übergewicht keine Spur. Ebenso die schöne Bree Warren, die für Asos Curve wirbt.

Nun fragen sich Kundinnen, die tatsächlich übergewichtig sind: Warum modelt eine normalgewichtige Frau für Übergrößen? Wäre es nicht sinnvoller, tatsächlich eine füllige Dame zu wählen? Schließlich möchte man als Kunde ja wissen, wie die Kleidung später an einem selbst aussieht und nicht, wie sie an einem Model mit Topfigur sitzt.

Doch die Modewelt tickt anders. Ein Model in Kleidergröße 44 oder höher abzubilden, kommt für die meisten Unternehmen nicht in Frage. Die Fashionbranche hat ihre ganz eigenen Gesetze. Eine Größe 32/34 ist im Modelbusiness erwünscht, ab Größe 38 gilt man bereits als dick. Eine Untersuchung hat ergeben, dass der durchschnittliche BMI bei amerikanischen Top-Models bei gerade einmal 16,3 liegt. Zum Vergleich: 18,5 gilt allgemein als Untergrenze zum Untergewicht. Zahlen, die erschrecken und aufrütteln.

Was ist das für eine verkehrte Welt, in der untergewichtige Frauen als Ideal gesehen und Normalgewichtige als dick bezeichnet werden? Wo normalgewichtige Frauen uns als Übergrößen-Models verkauft werden und Größe 40 unter Plus Size fällt? Es ist schön, dass die Modeindustrie inzwischen auch Mode für große Größen entdeckt hat. Jetzt kommt es nur noch darauf an, einen ehrlichen Umgang damit zu pflegen.

Robyn Lawley © facebook.com/RobynLawleyPlusSizeModel Mehr Vielfalt in der Modelwelt

Weibliche Rundungen und Fettpolster bei Frauen sind natürlich und sollten nicht zwanghaft weggehungert werden, nur um einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen. Natürlich ist zu starkes Übergewicht nicht gesund und sollte vermieden werden. Die verzerrten Maße, die uns von den Medien vorgegaukelt werden, sind von diesem Problem jedoch meilenweit weg. Die Wahrheit ist: Ein viel zu niedriger BMI ist genauso gefährlich für die Gesundheit wie ein zu hoher!

Auch der Begriff 'Plus Size‘-Model gehört eigentlich verboten. Eine Model ist ein Model - ob Größe 34 oder 44. Das sieht auch das kurvige Model Marquita Pring so: "Plus Size ist negativ besetzt. Mir ist der Begriff kurvig oder kurvenreich am liebsten - das klingt sexy und du kannst als Frau sowohl mit Kleidergröße 34 als auch 44 deine Kurven stolz zur Schau stellen."

Im realen Leben gibt es Frauen in allen Größen und Formen. Auch Kleidung gibt es in allen Größen - von 32 bis 60. Warum müssen die, die uns die Mode präsentieren, immer die gleiche Form und Größe haben? Es wäre doch schön, wenn Frauen wie Robyn Lawley, Jennie Runk und auch molligere Models in Modemagazinen und Werbung keine Exoten mehr wären. Denn sie sind richtig, genau so wie sie sind: normale, feminine Frauen mit Kurven und sexy Rundungen! Bitte mehr davon!

Die schönsten Models mit weiblichen Kurven

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