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Seit einigen Jahren schon kann man in der europäischen Medizin eine Rückbesinnung auf alte Heilkünste beobachten. Diese Heilkünste werden nicht nur wiederentdeckt, ganze Lehren und traditionelle Heilschulen finden bei uns zunehmend Anerkennung. Sie werden von Medizinern erlernt und praktiziert und erweitern das Angebot von Kurstätten und Drogerien. Neben der chinesischen Akupunktur ist Ayurveda aus Indien sicher die bekannteste dieser uralten Traditionen.
Für keine alte Heilkunde gibt es einen vergleichbar großen Markt wie für Ayurveda. Wer sich umschaut, der findet nebeneiner großen Anzahl an Ayurveda-Literatur auch viele andere Produkte: Ayurveda-Babypflege, Ayurveda-Massagen, Ayurveda-Ernährung, Ayurveda-Diäten, Ayurveda-Pflegemittel, Ayurveda-Musik, Ayurveda-Räucherstäbchen und eine breite Palette von Ayurveda-Lifestyle-Produkten. Wer mag, kann sein ganzes Leben nach Ayurveda-Prinzipien gestalten.
Ayurveda – Kurpfuscherei oder Heilkunst?
Dabei stellt sich natürlich die Frage: Handelt es sich bei Ayurveda um ein geschickt platziertes Marketingprodukt? Ein entschiedenes Nein! Sicher taucht Ayurveda in einer Fülle und Konsequenz am Markt auf, die jeden aufgeklärten Verbraucher misstrauisch machen muss. Allerdings wird Ayurveda seit vielen Jahrhunderten tradiert. Das heißt, Ayurveda ist nicht einfach vor langer Zeit wie ein philosophisches Lehrbuch niedergeschrieben, dann vergessen und irgendwann wiederentdeckt worden, Ayurveda wird vielmehr kontinuierlich seit vielen Jahrhunderten angewendet und - ganz wichtig - dabei immer weiter optimiert.
In Indien ist Ayurveda auch heute wichtiger Teil der medizinischen Versorgung. Die Ausbildung der Ayurveda-Ärzte dauert mehrere Jahre und wird an Universitäten und Colleges gelehrt. Auch europäische Mediziner lassen sich dort schulen. In Deutschland gibt es in Kassel sogar eine Ayurveda-Klinik. Dort versucht man, ganzheitlich und naturheilkundlich orientiert in Kombination mit schulmedizinischen Verfahren zu arbeiten und kann dabei auf Erfolge bei der Bekämpfung von beispielsweise Stoffwechselstörungen, Problemen des Immunsystems, Rheuma, Darm- und Suchterkrankungen, Gewichts-, Hautproblemen und Diabetes verweisen.
Unterschiede zwischen Ayurveda und Schulmedizin
Ein wichtiger Unterschied von Ayurveda zur Schulmedizin ist, dass es für eine bestimmte Krankheit keine fest vorgeschriebene Medikation gibt. Ayurveda beruht auf einem ausgeklügelten Verständnis von der Welt, den fünf Elementen und den drei Doshas. Der Mensch ist von den Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft und Raum umgeben. Und einige dieser Elemente wirken in ihm wiederum als die drei Doshas: Pitta (Feuer und Wasser), Kapha (Erde und Wasser) und Vata (Luft). Will ein Ayurveda-Arzt einen Patienten behandeln, muss er erst sehen, in welchem Verhältnis die Doshas in diesem wirken.
Das setzt voraus, dass der Ayurveda-Arzt seine Patienten genau untersucht. Wenn sich die Doshas im Gleichgewicht befinden, geht es dem Menschen gut. Um heruaszufinden, welches Dosha bei einem Patienten dominiert, begutachtet der Arzt zum Beispiel Augen, Mund, Zunge, Haut, Gewicht und Körperbau. Auch Faktoren wie Wetterfühligkeit und die emotionaler Beschaffenheit geben dem Arzt Auskunft. Der Ayurveda-Arzt hat eine Menge zu tun, bis er herausfindet, dass sein Patient zum Beispiel ein Kapha-Pitta-Typ ist.
Wie sieht die Ayurveda-Ernährung aus?
Ein wichtiger Ansatz bei Ayurveda ist, die Doshas durch eine bessere Ernährung wieder in Einklang zu bringen. Dafür gibt es einer Reihe von Ayurveda-Regeln, die schon so manch einen Ayurveda-Kurgast zum Staunen gebracht haben. Für jeden Dosha-Typ gibt es spezielle Ernährungsregeln. Wer dem Vata-Typ angehört, darf in der Ayurveda-Diät kein Fleisch verzehren. Wer gerne scharf ist, sollte darauf hoffen, ein Kapha-Typ zu sein. Grundsätzlich gibt Ayurveda sechs Geschmacksrichtungen vor, die in jeder Mahlzeit zu finden sein sollten - allerdings nicht immer in der für uns gewohnten Reihenfolge. So gibt es in einem Ayurveda-Mahl immer etwas Süßes, das aber häufig bereits vor der Hauptspeise verzehrt wird. Getrunken wird meist lauwarmes Wasser.
Wer die Ayurveda-Regeln befolgen will, sollte nur dann essen, wenn er Appetit hat - und zwar nur dann. Die Ayurveda-Lehre besagt auch, dass man längere Pausen zwischen den Mahlzeiten einlegen soll und nichts zwischendurch naschen darf. Hektik beim Essen ist strikt zu vermeiden, jede Mahlzeit soll mit Ruhe, Zeit und Muße eingenommen werden. Auf den Tisch kommen nur frische und ausgesucht gute Speisen.
Eine Ayurveda–Behandlung ist sehr zeitaufwendig
Ayurveda-Ärzte müssen sich Zeit nehmen für ihre Patienten: Die Dosha-Typisierung erfordert ein umfassendes Vorgespräch. Und das beginnt und endet nicht bei der Feststellung körperlicher Symptome. Ayurveda braucht lange, ruhige Gespräche, oft werden den Patienten ausführliche Fragebögen zur Beantwortung vorgelegt an Orte und in Situationen gebracht, in denen sie über sich selbst nachdenken können und müssen.
Damit endet Ayurveda aber noch längst nicht. Berühmt ist „Panchakarma“, die fünfteilige Reinigungskur des Ayurveda. Gifte, seien es Umweltgifte, ungesunde Stoffe aus Nahrungsmitteln oder den Geist belastende Gedanken - alles, was schädlich ist, soll den Körper verlassen. Dafür gibt es zum Teil recht gewöhnungsbedürftige Methoden. Zum Standard gehören für Ayurveda die äußerliche und innerliche Erwärmung (etwa durch Ingwertee) sowie das äußerliche und innere Fetten. Das geht mit auf den Patiententypus zugeschnittene Ölen und Kräutern sowie mit dem regelmäßiges Trinken geklärter Butter. Massagemethoden (etwa mit heißen Reisbeuteln) ergänzen das Reinigungsprogramm. Bekannte Ayurveda-Praktiken sind-Stirngüsse und Ayurveda-Ölbäder, Ölmassagen und Dampfbäder.
Ayurveda – Achtung vor Scharlatanen!
Wichtig ist, dass Ayurveda in der Obhut ausgewiesener Experten ausgeübt wird. Sicher kann man viele Ayurveda-Regeln in das tägliche Leben übertragen. Viele der Ernährungsratschläge sind generell gut für den Körper. Doch Selbstmedikation kann auch gefährlich werden. Es gibt immer wieder Berichte über den Einsatz von Schwermetallen in traditionellen Ayurveda-Arzneien, die nicht einfach gekauft, importiert und eingenommen werden sollten. Außerdem sind in der internationalen Ayurveda-Szene einige sehr umstrittene Gurus unterwegs, deren Heilsversprechen, (die mit Mitteln einhergehen, die über traditionelle Ayurveda-Behandlungsmethoden hinausgehen) mit Misstrauen zu begegnen ist.
Umfassende Informationen zu Ayurveda und zur ayurvedischen Ernährung auf finden Sie auch auf www.ayurveda-portal.de
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sk/jw
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