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Frigidität: Wenn im Bett Kühle herrscht


 - Frigidität: Wenn im Bett Kühle herrscht
Im Volksmund hat sich eine bis heute aus medizinischer Sicht veraltete Bezeichnung gehalten, welche Frauen zumeist zu Unrecht unterstellt, sie sei nicht zu einem Orgasmus oder zu Gefühlsnähe fähig: Frigidität. In der Regel kommen bösartigen Aussprüche gerade von Männern mit Macho-Allüren, die nicht verstehen können, dass eine starke und selbstbewusste Frau nicht auf ihr Balzverhalten eingeht, sondern sich im Gegenteil abgestoßen fühlt. Häufig werden solche Sprüche auch getätigt, wenn nach einem vollzogenen Geschlechtsakt der Gegenüber aus diversen Gründen nicht den Höhepunkt, den Orgasmus, erreicht hat oder gar Kritik am sexuellen Akt geübt wird.
„Die ist ja frigide...“ ist also häufig eigentlich eine Aussage verletzter, männlicher Eitelkeit über das eigene Unvermögen, die Partnerin in ausreichendem Maß zu stimulieren. Dass sich hinter dem echten „frigide sein“ jedoch eine ernst zu nehmende Krankheit versteckt, wird dabei schnell übersehen.
Der Begriff „frigide“ stammt ursprünglich aus dem französischen Sprachgebrauch und bedeutet soviel wie „kalt, kühl“. Im Bereich der menschlichen Eigenschaften bezeichnet die Frigidität somit eine Gefühlskälte die bewusst oder unbewusst gegenüber dem anderen Geschlecht an den Tag gelegt wird und jegliche Form der Leidenschaftlichkeit hemmt.
Frigidität – Was ist das wirklich?
Die alte Formulierung Frigidität bezeichnete in der Medizin eine krankhafte Störung des Sexualverhaltens. Diese kann sich beispielsweise in einer anhaltenden sexuellen Unlust, Störungen der Erregung oder des Orgasmus äußern. Die frigide Person kann sich entsprechend nicht oder nur schwer für sexuelle Tätigkeiten begeistern. Möchte sie es doch, empfindet sie beim Liebesspiel selbst keine oder nur wenig Erregung, wodurch der Orgasmus gar nicht erst eintreten kann.
Grundlegend geht man davon aus, dass Frauen mehr Stimulation benötigen als Männer, um in den Zustand der Erregung zu gelangen. Ist der Partner beim Liebesspiel nur auf seine eigene Befriedigung bedacht und unterschlägt dem Gegenüber die notwendige Stimulation, ist ein Orgasmus nur bedingt zu erreichen. Ist dies nur wenige Male oder nur mit diesem Sexualpartner der Fall, liegt eine Frigidität in der Regel nicht vor. Im Gegenteil ist es vollkommen normal, dass ein Mensch im Laufe seiner Entwicklung phasenweise über mehr oder weniger sexuelles Verlangen und Empfinden verfügt. Erst wenn diese Phasen über sehr lange Zeiträume anhalten und trotz ausreichender Möglichkeiten kein Interesse oder Empfinden entsteht, kann ein Arzt eine echte Frigidität feststellen.
Ursachen von Frigidität
Die Ursachen einer Frigidität können vielfältig sein und ihren Ursprung sowohl in körperlichen wie auch in seelischen Gegebenheiten haben. Körperliche Ursachen können Durchblutungsstörungen oder Störungen im Hormonhaushalt sein, die beispielsweise im Rahmen von Schwangerschaft und Geburt sowie in der nachfolgenden Zeit auftreten können. Auch in den Wechseljahren gibt es häufig Phasen mangelnden sexuellen Interesses.
Seelischer Natur kann die Ursache von Frigidität beispielsweise bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzuständen sein. Auch anerzogene Verhaltensmuster, etwa wenn die betroffene Person in einer antisexuellen Umgebung und Mentalität erzogen wurde, gehören zu den Ursachen von Frigidität. Daneben können sich auch Missbrauch oder andere negative Erfahrungen im Bereich der Sexualität im Unterbewusstsein derart niederschlagen, dass ein „sich einlassen“ für den Betroffenen kaum mehr möglich wird. Im Gegenteil kann eine Abneigung gegen die eigene Körperlichkeit eine weitreichende Folge dieses Umstandes sein.
Frigidität und ihre Folgen
Unter der Erkrankung selbst leidet nicht nur der frigide Betroffene, sondern auch ein gegebenenfalls vorhandener Lebenspartner. Die fehlende oder eingeschränkte Sexualität wirkt sich dabei in der Regel auch auf andere Lebensbereiche aus, die mit Intimität und dem Gefühlsleben in Verbindung stehen. Typischerweise auftretende Probleme sind beidseitig sich entwickelnde Minderwertigkeitskomplexe, gegenseitiges Ausweichen, gehemmte Kommunikation, Missverständnisse, Schuldzuweisungen bis hin zu aggressiven Verhaltensweisen und Entfremdung.
Folgt dieser Problematik eine Trennung vor der Lösung des Problems, sind häufig neue Partnerschaften kaum mehr möglich. Misstrauen und Versagensängste hemmen den Beginn einer neuen Bindung, was nicht selten zu sozialem Rückzug führt, um die Situation gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ab diesem Zeitpunkt sollte sich der frigide Betroffene über eine fachärztliche Behandlung Gedanken machen, um ein Abrutschen in eine soziale Phobie rechtzeitig zu bekämpfen.
Frigidität ist mehr als nur ein fehlender Orgasmus
Frigide zu sein bedeutet für die betroffenen Personen mehr als nur das Ausbleiben von sexueller Lust und einem Orgasmus. Eine Kettenreaktion im zwischenmenschlichen Gefüge weitet sich von dieser Krankheit ausgehend immer weiter aus und bildet einen Teufelskreis, aus dem nur mehr schwer zu entkommen ist. Zusammen mit anderen sexuellen Störungen wie Anaphrodisie (generelles Desinteresse am Sex) oder sexuellen Appetenzstörungen (grundlegender Libidomangel und chronische Unlust) sollte die Frigidität nicht hingenommen, sondern fachärztlich behandelt werden.
Wenngleich jeder Mensch - ob Frau oder Mann - bisweilen Lebensphasen durchläuft, in denen schwerwiegende Gründe gegen Lust und die dazugehörige Ausübung sexueller Handlungen sprechen, so gehört die Sexualität doch zu einem wichtigen Aspekt zwischen Liebenden. Ein Aspekt, der durch eine Erkrankung wie Frigidität starke Beeinträchtigungen erfährt.

Veröffentlicht von der Liebe-Redaktion
am 13/11/2008 17:09:00
Die Lesernote: 4.4/5
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