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Nymphomanie: Wenn die Lust zur Last wird


 - Nymphomanie: Wenn die Lust zur Last wird
Stellen wir uns einmal die Nymphen aus der griechischen Mythologie vor: Wie sie in ihrer schmalen, weißen Gestalt, bedeckt mit nur flatternden Tüchern, in Weihern und Wäldern herumtollen, spielen und die Götter umgarnen. Wenn wir nun das Bild auf die Menschheit übertragen, können wir uns Frauen vorstellen, die ihre Sexualität bewusst ausleben, aktiv ihre Partner wählen und ihre erotischen Wünsche formulieren.
Jetzt packen wir zu diesem Bild noch den Begriff Manie, der ebenfalls aus dem Griechischen stammt und zwanghaftes Handeln bedeutet. Lassen wir die Nymphen nicht nur spielerisch herumtollen, sondern zwanghaft die Männer zu sexueller Vereinigung drängen. Aus ausgelebter Lust wird ein krankhafter Akt, der nicht mehr viel von der positiven erotischen Spannung zwischen den Geschlechtern übrig lässt. Es handelt sich um Nymphomaninnen, Frauen, die in die Sexsucht geglitten sind. Es gibt auch Männer mit diesen Symptomen, die wir uns lieber nicht als Nymphen, sondern als Don Juans oder Casanovas vorstellen.
Nymphomanie in der Alltagssprache
Lesen oder reden wir im Alltag von Nymphomaninnen, sind das in der Regel geringschätzige Äußerungen über Frauen, die Spaß an Sexualität haben, ihre Partner oft wechseln und kein Geheimnis daraus machen. Diese Art der Benennung hat in der Regel nichts mit der echten Manie und einer krankhaften Sucht zu tun, die bei weitem seltener vorkommt.
„Mannstolle Weiber“ entstehen im Geflecht von Sittenmoral und den jeweiligen Wertvorstellungen einer Gesellschaft. Von „Weibstollen Männern“ allerdings hören wir nichts, denn es ist immer noch weit verbreitete Ansicht, dass Frauen gezügelter leben sollten und junge Männer ihre sexuellen Erfahrungen sammeln müssen.
Frauen, die ihre Sexualität offen ausleben, sind nicht sexsüchtig oder nymphomanisch. Von Nymphomanie oder Hypersexualität sprechen Mediziner dann, wenn die Frauen nach Geschlechtsverkehr süchtig im krankhaften Sinne sind. Oft sind schon Probleme in der eigenen Kindheit zu finden, die bei den Nymphomaninnen zu geringerem Selbstwertgefühl, inneren Konflikten und einer zwanghaften Suche nach Nähe führten.
Entstehung und Behandlung von suchthafter Nymphomanie
Nymphomaninnen haben, wie alle anderen Menschen auch, das Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Anerkennung. Ihre Persönlichkeitsstörung allerdings macht ihnen Angst, sich einem Partner emotional hinzugeben. Diese Bindungsangst treibt sie zu rein mechanischer, körperlicher Liebe als Ersatzhandlung. Ihre Flucht in die nymphomanische Liebe ohne Abhängigkeiten bewahrt sie scheinbar davor zurückgewiesen zu werden. Nymphomaninnen suchen immer weiter nach der Erfüllung von Nähe und Liebe. Dabei wechseln sie von einem zum nächsten Partner, was sie immer weiter in die Sucht treibt.
Die betroffenen Nymphomaninnen leiden unter diesem Problem, welche die gleichen Anzeichen und Auswirkungen wie Spiel- oder Trunksucht hat: Je mehr die Sucht wächst, desto höher muss die Dosis sein. Wird die Dosis nicht erhöht, kommt es zu Entzugserscheinungen. Nymphomaninnen mit krankhafter Sexsucht werden immer unfreier und bekommen zunehmend Probleme, ihren Alltag zu gestalten. Alle Gedanken und Aktivitäten drehen sich um die Erfüllung der sexuellen Befriedigung, die allerdings nicht eintritt. Sexuelle Höhepunkte und die emotionale Nähe eines Partners werden nicht erreicht, was die Betroffenen zu immer mehr nymphomanischem Sex treibt.
Doch Nymphomanie, besser: die Hypersexualität, kann mit Hilfe einer Psychotherapie bearbeitet und aufgelöst werden. Der Therapeut oder die Therapeutin befasst sich anfangs mit der sexuellen Lebens- und Familiengeschichte der Betroffenen, einem möglichen Missbrauch und dem allgemeinen Umgang mit Gefühlen. Negative Erfahrungen oder Prägungen werden durch positive Gefühle ersetzt. Eine liebevolle Selbstbindung wird jetzt zur Basis für emotionale Beziehungen zu einem Partner, der Weg aus der Nymphomanie steht offen.
Historischer Blick auf die Nymphomanie
Die Sexualmoral ändert sich im Laufe der historischen Entwicklung. Was als „Normalmaß“ für Geschlechtsverkehr gilt, ist immer eine Frage der geltenden Normen. In streng christlichen und arabischen Kulturkreisen galt bzw. gilt vorehelicher Geschlechtsverkehr als sündhaft und ist verpönt. So werden Frauen aus der westlichen Welt, die vorehelichen Sex haben, aus deren Sicht als Nymphomaninnen bezeichnet. Ihr eigener Kulturraum und ihr Selbstbild fällt dagegen in die Kategorie „normal“.
Auch im aufgeklärten Europa des 19. Jahrhunderts wurde außerehelicher Geschlechtsverkehr und Masturbation als Nymphomanie beschrieben und behandelt. Alte Medizinwerke berichten uns noch heute über kalte und heiße Methoden der Behandlung von Nymphomaninnen: Eis auf Geschlechtsteile legen war neben Zunähen der Schamlippen und Amputieren der Klitoris noch das Harmloseste.
Mit Sigmund Freud verlagerte sich der Schwerpunkt in der Diagnose von Nymphomanie weg von Klitorisbeschwerden hin zu psychischen Ursachen. Nymphomanie wurde im 20. Jahrhundert in der Psychoanalyse als „Nervenstörung“ beschrieben. Das war immerhin ein Fortschritt, der die drastischen Behandlungsmethoden durch Psychotherapie ersetzte.
Nymphomanie oder Sexsucht?
Früher war die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs der Gradmesser für normale oder übertrieben gesteigerte Sexualität. Heute wird danach geschaut, ob die nymphomane Frau in ihrer Hypersexualität noch zu emotionalen Bindungen an ihre Partner fähig ist.
Nymphomanie wird erst problematisch, wenn Frauen in ihrem sehr aktiven Sexualleben keine Befriedigung mehr empfinden und die Schuld allein beim Partner sehen. Dann begeben sie sich auf die Suche nach immer neuen Partnern, werden immer weiter enttäuscht und der Sog der Sucht beginnt.
Wenn die Frau allerdings in der Lage ist, auch bei häufigen Partnerwechseln und sexuellen Aktivitäten einen Orgasmus zu erlangen, ist sie mit Sicherheit nicht sexsüchtig, sondern gesund. Sexualität nimmt bei ihr vielleicht einen größeren Stellenwert ein als bei anderen, doch wird ihr Leben nicht davon bestimmt.

Veröffentlicht von der Liebe-Redaktion
am 13/11/2008 16:57:00
Die Lesernote: 3.8/5
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Die besten User-Kommentare
: « Jedoch was passiert wenn eine mögl. Nymphomanin erst garkeinen Partner, oder nur sehr(!) selten einen hat... »
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