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Zwischen Unabhängigkeit und Unsicherheit: Wilde Ehe

von der gofeminin-Redaktion Veröffentlicht am 17. November 2008

Es ist noch gar nicht so lange her, da war eine wilde Ehe ein Skandal. Es war für einen Mann und eine Frau eigentlich unmöglich, ohne Trauschein zusammenzuleben und Sex gab es sowieso frühestens in der Hochzeitsnacht.

Diesbezüglich ist unsere Gesellschaft sehr viel toleranter geworden: Heute ist die moderne Form der Lebensgemeinschaft nichts Ungewöhnliches mehr. Paare werden auch in wilder Ehe gemeinsam alt und niemand stört sich daran.

Beinahe jedes vierte Kind in Deutschland wird mittlerweile in einer Lebensgemeinschaft geboren. Viele Eltern legen auch später keinen Wert darauf, ihre wilde Ehe mit einem Trauschein zu besiegeln und sich Treue bis ans Lebensende öffentlich zu versprechen.

Vor- und Nachteile der wilden Ehe

Die wilde Ehe hat Vor- aber auch Nachteile: Ehepaare, und damit potenzielle Eltern, werden vom Staat beispielweise im Steuerrecht bevorzugt behandelt. Vor dem Gesetz stehen Partner in Lebensgemeinschaften zueinander wie vollkommen Fremde.

Das fängt schon mit der Wohnung an: Eine wilde Ehe lässt sich schlecht im Mietvertrag verzeichnen, also unterschreiben beide Partner den Vertrag und sind dann im Zweifelsfall auch gemeinsam an die Wohnung gebunden, selbst wenn sie inzwischen getrennter Wege gehen sollten. Wenn einer der beiden die Wohnung aufgeben möchte, ist er an die Zustimmung seines Vertragspartner gebunden. Tut einem der Ex-Partner diesen Gefallen nicht, muss man sich langwierig aus der Wohnung klagen und bis zum Urteil für die Miete geradestehen.

Eine Trennung der Lebenspartnerschaft sollte dagegen ganz einfach laufen: Jedem Partner gehört genau das, was er oder sie in die Beziehung eingebracht hat. Was gemeinsam beschafft wurde, muss zu gleichen Teilen vergeben werden. Wichtig: Wer kauft, muss ja nicht unbedingt auch bezahlt haben. Gekaufte Gegenstände gehören aber dem Käufer, nicht dem Zahler, auch wenn der im Falle der Trennung der Lebensgemeinschaft natürlich unmütig ist und sich ausgenutzt fühlt.

Bei Geld hört die Freundschaft auf - und oft genug auch die Liebe. Man sollte sich also nicht scheuen, finanzielle Regelungen in einer Lebensgemeinschaft zu treffen, insbesondere wenn es um das Verleihen größerer Geldbeträge geht. Es ist schwer vorstellbar, doch auch die größte Liebe nimmt manchmal ein abruptes und unwiederbringliches Ende. Wenn man dann nicht einmal mehr miteinander redet wird es schwer, hohe Geldbeträge einzufordern.

Der Verlust von Geld ist am Ende einer wilden Ehe das Eine, viel schlimmer ist jedoch der Verlust der Beziehung zu einem Kind. Ein Vater, dessen Vaterschaft bei der Geburt nicht beurkundet wurde, hat kein Sorgerecht. Solange die Beziehung intakt ist, fällt das nicht auf. Zerbricht sie jedoch, steht er plötzlich ohne rechtliche Bindung zu seinem Sprössling da.

Finanzielle Angelegenheiten in Lebensgemeinschaften

Super-GAU Todesfall: Während eine Witwe oder ein Witwer automatisch den gesetzlichen Pflichtteil von 50 % erhält und das bis zu 320.000 Euro auch noch steuerfrei, entscheidet im Falle einer wilden Ehe das Testament über die Ansprüche. Fast die komplette Erbschaft wird besteuert, denn der Freibetrag liegt bei mageren 5.200 Euro (eine Erbschaftssteuerreform soll den Freibetrag jedoch auf ca. 20.000 Euro anheben). Die zu veranschlagende Erbschaftssteuer beläuft sich im Fall einer Lebensgemeinschaft auf 17 bis 50 %. Egal ob man 20, 30 oder 40 Jahre in wilder Ehe zusammengelebt hat, der Status im Erbrecht ändert sich nicht.

Hausrat, Haftpflicht oder Rechtsschutzpolice brauchen Ehepartner nur einmal und haben nach der Hochzeit sogar ein Sonderkündigungsrecht. Wer in wilder Ehe lebt, muss hier genauso wie in der Krankenversicherung zweimal zahlen.

Ein Paar in wilder Ehe mit Kinderwunsch muss sich diesen Wunsch selbst finanzieren, die Krankenkasse wird sich an diesem Unternehmen nicht beteiligen. Ganz anders in der Ehe: Die Kasse trägt dann immerhin die Hälfte der Kosten einer künstlichen Befruchtung.

Recht in wilden Ehen

Finanzielle Vorteile sind die eine Sache, doch auch die Rechtslage begünstigt Ehepartner ganz deutlich vor Partnern einer Lebensgemeinschaft. Schreckensnachricht aus dem Krankenhaus - der Partner hatte einen Unfall und ist nicht ansprechbar. Die Lebensgefährtin wird nun nur informiert, wenn das vorher schriftlich so festgelegt wurde. Ansonsten gilt sie als Fremde und erhält keine Informationen über Befunde, Prognosen etc.


Selbst vor Gericht wird einen Lebensgemeinschaft anders behandelt als die Ehe. Verlobt, verheiratet, verschwägert? Es greift das Aussageverweigerungsrecht. Wer in wilder Ehe lebt, ist dagegen zur wahrheitsgemäßen Aussage verpflichtet. wer sich nicht an dieses Gebot hält, macht sich strafbar.

Sicherheit in der Lebensgemeinschaft

Wer auf Nummer sicher gehen will, schließt auch mit seinem unehelichen Partner einen Vertrag ab, der alles Wichtige regelt. Tatsächlich fühlt sich das schon ein wenig wie eine Bindung à la Trauschein an, deshalb schreckt mancher davor zurück. In Krisenzeiten gibt so eine Regelung aber Sicherheit, die mit nichts aufzuwiegen ist. Einen Mustervertrag dazu findet man im Internet, kann ihn aber auch selbst formulieren. Beide Partner einer Lebensgemeinschaft müssen auf der letzten Seite unbedingt unterschreiben! Wem das nicht sicher genug ist, weil es zum Beispiel um größere Geldwerte, Grundstücke o.ä. geht, sollte einen Notar hinzuziehen.

Grundsätzlich gilt: Eine wilde Ehe hält jung, frei und unabhängig. Der Verzicht auf den Trauschein ist jedoch eine Lebensentscheidung, die man sich leisten können muss.

von der gofeminin-Redaktion

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