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Spiegel der SeeleGesichterlesen | |||||||||
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Die Kunst des Gesichterlesen
Tatjana Strobel ist professionelle Menschenkennerin. Sie beherrscht die uralte Kunst des Gesichterlesens, bei der man Menschen angeblich innerhalb von Augenblicken auf den Grund ihrer Persönlichkeit sehen kann. 'Unsinn', denke ich bei mir, und stelle eine undurchdringliche Miene zur Schau in der Hoffnung, die Gesichterleserin werde mir die Skepsis schon nicht an der Nasenspitze ablesen können. "Wie ist das eigentlich: Können Sie überhaupt noch Menschen kennenlernen, ohne Sie sofort zu analysieren?" frage ich halb im Spaß und ertappe mich, wie ich in alter Gewohnheit den Milchschaum vom Cappuccinolöffel lecken will. Pflichtschuldigst lege ich den Löffel zurück. So leicht muss man es der Gesichterleserin nun auch nicht machen. Tatjana Strobel lächelt. Offen, unbeeindruckt, freundlich. "Kann ich nicht. Ich lese den Charakter eines Menschen, sobald er vor mir steht. Das läuft ganz automatisch, so wie jetzt bei Ihnen." Aha. Nee, ist klar. Und, wie bin ich so?, will ich wissen. Die Gesichterleserin bekommt amüsierte Skepsis um die Mundwinkel geboten. "Sie sind ein Macher, mit der Tendenz ins Emotionale." So so. "Der Abstand von Augenbraue zu Auge ist im letzten Drittel dominant. Perfektionistin. Ausgeprägte Nasenkanten. Verstärkt den Eindruck. Kleine Ohrläppchen - -", flugs streiche ich mir eine Haarsträhne hinters Ohr, " - - Toleranz und Taktgefühl. Harmoniestreben." Ach was. "Lippen: Genussmensch. Leichter Hang ins Suchtanfällige." Ups. Kippen bleiben in der Tasche, die zweite Praline verkneife ich mir. "Konstant geweitete Pupillen, sehr ungewöhnlich. Permanente Aufnahme von Stimmungen. Emotional beteiligt. Stress." Verunsichtert rutsche ich auf meinem Stuhl hin und her und befehle meinen Pupillen, Normalgröße anzunehmen. Ohne Erfolg, Tatjana Strobel lächelt nachsichtig. Nachdem wir Halslänge, Haaransatz und die autoritäre Senkrechtfalte über der Nasenwurzel analysiert haben, bin ich so weit, der Gesichterleserin zu vertrauen. Ergeben stecke ich mir die zweite Praline in den Mund (wem will ich hier was vormachen?) und lasse Pupille Pupille sein. "Es ist ein mühsamer Weg" Seit vier Jahren ist Tatjana Strobel professionell als Gesichterleserin und Coach für Unternehmen und Privatpersonen tätig. Sogar eine bekannte Politikerin gehört zu ihren Klienten. "Gesichterleser erkennen die Stärken ihres Gegenübers genauso wie seine Schwächen und verborgene Unsicherheiten. Sie erfassen Bedürfnisse und können sich so blitzschnell auf jemanden einstellen." Ist das nicht ein unfairer Vorteil? Unlauterer Wettbewerb? "Das kann man so sehen. Ich sehe es lieber so: Wer andere durchschaut, kann im positiven Sinne auf sie eingehen. Gesichterlesen ist eine Kunst, die mir und anderen hilft. Ich kann hinter die Maske eines Menschen schauen und im Zweifel über Unsicherheiten hinweghelfen. Das tut jeder Beziehung gut, ob privat oder beruflich." Bevor sie sich als Gesichterleserin selbstständig machte, arbeitete Tatjana Strobel viele Jahre als Führungskraft bei namhaften Kosmetikkonzernen. Schneller, höher, weiter, war ihr Credo - bis sie durch Zufall mit dem Gesichterlesen in Kontakt kam. "Auf einer Veranstaltung war dieser Typ, der uns als Showact aus dem Gesicht lesen sollte. Ich bin ein rationaler Mensch, eine Skeptikerin. Ich glaube nichts, was ich nicht sehe. Aber was dieser Mann über mich sagte, hat mich beeindruckt. So sehr, dass ich das auch können wollte." Strobel hängte ihren gut bezahlten Job an den Nagel, um sich in der Physiognomik, der Kunst des Gesichterlesen, ausbilden zu lassen. Sie absolvierte zahlreiche Lehrgänge, reiste nach Indien, um die Grundlagen aus erster Hand zu lernen. "Gesichterlesen lernt man nicht von heute auf morgen. Es ist ein langer, mühsamer Weg. Es ist anstrengend. Du fängst ganz klein an, versuchst Nasen, Augen, Lippen zu interpretieren. Doch das allein sagt noch gar nichts aus. Ein guter Gesichterleser beherrscht die Kunst, viele einzelne Merkmale, und seien sie noch so klein, in Sekundenschnelle in der Gesamtschau zu deuten."
Wir alle haben die Begabung, Gesichter zu deuten - und praktizieren es unbewusst, wenn wir neue Menschen kennenlernen. So zum Beispiel bei der Partnersuche. "Bei einem Flirt sorgen wir dafür, dass das Gegenüber Interesse bekommt, indem wir unsere Mimik und Körpersprache in Richtung 'attraktiv und fruchtbar' verändern." Also Brust raus, Bauch rein? "Auch. Viele Frauen vergessen aber etwas Entscheidendes, was wiederum mit dem Gesicht zu tun hat: Der interessierte Blick aus großen, offenen Augen. Große Augen signalisieren Offenheit, das kann man ruhig wörtlich nehmen." Doch das Gesichterlesen hilft nicht nur, überhaupt einen Partner kennenzulernen - sondern im besten Falle den fürs Leben. Wer weiß, welche Gesichtsmerkmale für welchen Charakter stehen, kann schon beim Kennenlernen den schlitzohrigen Fremdgänger vom treuen Beziehungsmenschen unterscheiden. "Studien belegen, dass Menschen, die sich im Wesen ähneln, auf Dauer besser zusammenpassen. Das gilt auch für die Gesichtszüge. Grob gesagt: Je ähnlicher mir ein Mann sieht, desto besser passt er zu mir." Ich nicke, nippe mit großen Pupillen an meinem Kaffee, und gehe im Geiste das aktuelle Angebot potenzieller Lebenspartner durch. Scheint, als müsse ich da was überdenken. Lust auf Gesichterlesen? Hier die Grundlagen im Überblick: Ausführliche Tipps und Tricks zum Gesichterlesen in: Tatjana Strobel: Ich weiß, wer du bist. Das Geheimnis, Gesichter zu lesen. es | |||||||||
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Inhaltsverzeichnis
Gesichterlesen: Die Kunst, anderen in die Seele zu schauen
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