| Psychologie |
| IchIch & die anderenIch & die LiebeUnsere MännerMein JobMeine BeziehungMein Leben als MutterTests & QuizzesErfahrungsberichtePsychologische BeratungPsychologie - TVAlle Artikel |
|
Top 5 der am besten
bewerteten Artikel |
| Der goFeminin Team-BLOG | |
![]() | |
![]() | |
![]() | |
![]() | |
Reality-TV: Leben pur auf der Mattscheibe | |||||||||
Die Palette des Reality-TVs reicht mittlerweile von der alten „Versteckten Kamera“ bis hin zu „Big Brother“ und anderen Serien, wo Menschen rund um die Uhr oder zu bestimmten Zeiten gefilmt werden. Immer beliebter beim Reality-TV werden alle Arten von Dating-Shows, Makeover-Shows sowie Selbstverbesserungs- und Hilfeshows.
Wie Reality-TV gemacht wird
Reality-TV geht eigentlich ganz einfach: Die Kamera wird in die Situation gestellt und läuft. Was geschieht, geschieht und wird vom Zufall mitbestimmt. Es gibt kein Drehbuch und eigentlich auch keine Schauspieler beim Reality-TV. Allerdings werden die Situationen so gewählt, dass etwas passieren muss, was für die Zuschauer anregend oder aufregend ist. Vor der Ausstrahlung wird das Rohmaterial zusammengeschnitten, mit Hintergrundmusik und oft mit einer Erzählstimme unterlegt. Damit wir vor den Fernsehern dabei bleiben, gibt es Reality-TV-Sendungen meist regelmäßig einmal die Woche, wenn nicht sogar täglich.
Wie viel Realität ist in Reality-TV?
Wer kennt sie nicht, die Reality-TV-Talkshows, bei denen persönliche Geschichten und Probleme vor der Kamera erörtert werden. Wie Voyeure beobachten wir die Gefühlsausbrüche der Probanden, die zwar echt, doch in provoziertem Setting entstanden.
Durchaus real sind die Auswirkungen von Makeover-, Selbstverbesserungs- und Hilfeshows, das Reality-TV des 21. Jahrhunderts. Die Gefilmten bekommen einen Auftrag oder eine neue Einrichtung, ihnen wird in persönlichen Notsituationen geholfen und die Zuschauer können miterleben, wie ihr Leben verändert wird. Der Voyeur in uns beobachtet beim Reality-TV, wie Freudentränen fließen, jemand vom „Hässlichen Entlein“ zum Schwan transformiert oder plötzlich Ziele erreicht, die ohne dieses Programm nicht möglich gewesen wären. Die Reaktionen vor der Kamera und vor den Flimmerkisten sind echt.
Doch es gibt auch Pseudo-Reality-TV, bei der eine natürliche Umgebung vorgegeben ist, die Situationen aber mit Schauspielern nachgespielt werden. Ein prominentes Beispiel hierfür sind die Gerichtssendungen: Sie bleiben von ihrer Machart her gewöhnliche Fernsehreihen mit Drehbuch und Regie – allerdings mit dem Unterschied, dass sie besondere Alltagssituationen in den Blick nehmen.
Warum der Alltag anderer fasziniert
Die nachmittäglichen Talkshows mit den Kleinkriegen der kleinen Bürger haben den Weg für die ausladenderen Reality-TV-Shows bereitet. Jeder Zuschauer hat die Chance, selbst Akteur im Fernsehen zu werden, wenn er die Castings erfolgreich meistert. Reality-TV holt die Menschen vor den Fernsehern in die Sendungen – und sie tun es freiwillig und gerne. Die Casting-Agenturen haben mehr als je zuvor zu tun. Diese neue Generation von Zuschauern ist ungenierter und geht offener mit ihrer Privatsphäre um. Mit unseren Nachbarn vor der Kamera können wir uns schnell identifizieren und fühlen uns verbunden. Und in jedem Menschen steckt ein Voyeur, der gerne zusieht, wie es bei anderen im Alltag aussieht.
Faszination Reality-TV: Spektakel der Entblößung
Mit Reality-TV besteht eine echte Chance für jeden, ins Fernsehen und somit ins Rampenlicht zu kommen. Unter Umständen kann man sogar berühmt zu werden, wenn auch meist nur für kurze Zeit. Die so gewonnenen „Super-Stars“ verglimmen oft schnell wieder am nationalen Entertainment-Himmel. Seltener gibt es Teilnehmer, die nach einer Reality-TV-Show weitere Angebote bei Film und Fernsehen erhalten und auf diesem Gebiet Karriere machen.
Der Erfolg von Reality-TV-Sendungen mag zum Teil auch an der (allzu oft vorkommenden) Beschämung der Gäste liegen, die uns als Zuschauer Schadenfreude bringt. Wer erwischt sich nicht dabei, über jemanden zu schmunzeln, der sich vor die Kamera setzt und sich maßlos durch Selbstüberschätzung lächerlich macht. Vielleicht ist Reality-TV doch eine Art Sozialstudie für Zuschauer, um Einblicke in tiefe menschliche Bereiche zu erlangen. Wir sehen Menschen wie du und ich in schwierigen oder unangenehmen Situationen und fühlen uns daraufhin selbst etwas besser, weil uns keine Kamera gegenüber steht und unsere Reaktionen für andere filmt.
Medienspezialisten sehen die Faszination des Reality-TV darin, dass es keine klare Abgrenzung mehr zwischen Wirklichkeit und Fiktion gibt. Die Grenzen verwischen und wir können nicht mehr auseinanderhalten, was gestellt und was authentisch ist. Ob die Fernsehsituation erfunden wurde oder nicht, scheint außerdem gar keine Rolle mehr zu spielen, solange es spannend bleibt. Der WDR-Unterhaltungschef Beyer beschreibt den Erfolg des Reality-TV wie folgt: „Je weniger menschlichen Kontakt wir haben, je weniger wir untereinander kommunizieren, desto mehr sehen wir uns Leute im Fernsehen an. Das ist Ersatzkommunikation.“.
Reality-TV ist das lebendigste Genre in der Fernsehbranche. Hier werden brisante Themen aufgegriffen und behandelt, die in den anderen TV-Bereichen zum Teil immer noch als heiße Eisen gelten, beispielsweise Schicht- und Rassenunterschiede, Sexualität und Körpergefühl.
Noch ein anderer Fakt lässt das Reality-TV zu immer neuen Höhen aufsteigen: Das menschliche Gehirn kann winzige Nuancen in unserer Körpersprache feststellen und deuten. Reale Menschen in Reality-TV zu erleben bedeutet fürs Gehirn, „echte“ und frühzeitig erlernte nonverbale Ausdrücke zu erhalten. Das stimuliert uns mehr als gespielte Szenen, auch wenn diese von den besten Schauspielern umgesetzt werden. Die Inhalte des Echtmenschen-Fernsehens sind authentischer und einnehmender als Drehbücher. Die Sendeanstalten haben das schon lange entdeckt und werden uns auch in Zukunft mit immer mehr Reality-TV.Shows beglücken.
|
|||||||||
|
Veröffentlicht von der Psychologie-Redaktion am 14/11/2008 11:58:00 | |||||||||
|
» (0) |
|
| ||||||||||||||||||||||||||||||