Frauen und ihr Selbstwertgefühl

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Frauen und ihr Selbstwertgefühl

  

Rund 36 Mal am Tag denken Frauen negativ über ihren Körper.  - Frauen und ihr Selbstwertgefühl
Rund 36 Mal am Tag denken Frauen negativ über ihren Körper.
In einem Punkt haben Männer leider recht: Wir Frauen sind unlogisch. Zumindest, was einen ganz bestimmten Punkt angeht: unser Selbstwertgefühl in puncto Aussehen. Die Nase zu groß, die Augen zu klein, die Haare zu dünn und die Oberschenkel zu rund. Wenn es darum geht, unseren eigenen Körper zu einer desolaten Großbaustelle zu erklären, sind wir Frauen wahrlich Weltmeister. Und das hat nicht unbedingt etwas mit Bescheidenheit zu tun.

Emanzipation und Altlasten
Traurig aber wahr: Trotz Emanzipation und neuem Selbstbewusstsein sind wir Frauen, was unseren Körper angeht, immer noch schrecklich verunsichert. Oft wird uns schon in jungen Jahren etwas in die Köpfe gesetzt, woran wir nicht selten ein Leben lang zu knabbern haben. Und: Es sieht nicht gerade so aus, als würde sich das Problem verringern.

Eine Studie der britischen Fitness-Trainerin Irene Estry und der Psychologin Emma Kenny hat ergeben, dass Frauen rund 36 Mal am Tag negativ über ihr Aussehen denken. Das sind ganze 252 Mal pro Woche. Für die Studie wurden 100 britische Frauen zwischen 35 und 69 gebeten, eine Woche lang ein Zählgerät bei sich zu tragen und dieses immer dann zu betätigen, wenn sie sich um ihr Aussehen oder ihren Körper sorgten. Wie kommt es, dass wir Frauen uns selbst so negativ sehen?

Frauen vom Schönheitswahn befreien
Ein Grund sind mit Sicherheit die viel gescholtenen Medien. Obwohl wir es besser wissen sollten, eifern wir den makellosen Schönheiten in den Hochglanzmagazinen nach, an denen die Zeit und das Alter dank Bildbearbeitungsprogrammen keine Spuren hinterlässt. Wir bewundern die berufsjugendlichen Promis in Amerika, die Size Zero und Botox verfallen sind. Da ist es kaum erstaunlich, dass sich schon kleine Mädchen mit zehn Jahren zu dick finden und die Posen von Heidi Klums Modelkandidatinnen nachahmen. Wenn doch ihre Mütter ebenfalls ständig mit ihrem Körper hadern, wie sollen sie es da besser wissen? Gerade Jugendliche in der Pubertät sind in ihrem Selbstbild wenig gefestigt und lassen sich leicht irritieren.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sagt: "Das Figurideal heißt: schlank. Wer schlank ist, ist nicht nur schön und attraktiv, sondern auch dynamisch und erfolgreich im Beruf und im Privatleben - so machen es uns die Medien glauben. Die Topmodels zeigen auf dem Laufsteg und im Fernsehen, was schlank sein heißt. Viele sind ultradünn und haben das Gewicht einer Magersüchtigen." Mit gravierenden Folgen: Die aktuelle Kinder- und Jugendgesundheitsumfrage zeigt, dass fast 50 Prozent der normalgewichtigen 11- bis 17-jährigen Mädchen sich als zu dick empfinden, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Klar, es gibt prominente Frauen wie Beyoncé, Beth Dito und Adele, die uns zeigen, dass es auch jenseits von Size Zero aufregende Persönlichkeiten gibt. Und auch die Aktion der Zeitschrift Brigitte, die auf professionelle Models verzichtet, und eine Bodylotion-Werbung mit normalen, kurvigen Frauen sind gute Ansätze. Aber selbst wollen wir dann doch lieber perfekt aussehen, wenn wir ehrlich sind. Zumal uns weiterhin zu 99 Prozent perfekte Models von den Plakatwänden entgegenlächeln.

Kampf und Training
Frauen lernen von klein auf: der eigene Körper ist nicht perfekt. Sondern eher eine einzige große Problemzone. Wir müssen hungern, trainieren und uns verkleiden, damit wir besser und schöner werden. Durch Disziplin und harte Arbeit wird der eigene Körper bekämpft und bezwungen. Irrsinnig, wenn man überlegt, wie viel Lebenszeit und vor allem Kraft wir mit diesem rein äußerlichen Problem verbringen.

Die Folgen des fehlenden Selbstwertgefühls rauben nicht nur Zeit, sondern gehen oft an die Substanz: Essstörungen, Depressionen und Schlankheitswahn. Eine ganze Armada von Light-Lebensmitteln, Pillen und Cremes ist entstanden, um uns genau da abzuholen, wo uns unser zerstörtes Selbstbild frustriert vor dem Spiegel zurückgelassen hat. Auch die Schönheitschirurgie ist längst nicht mehr so verpönt wie noch vor einigen Jahren, sondern bedient die Wünsche und Nöte einer immer größer werdenden Klientel. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse KKH-Allianz zeigt, dass mittlerweile jeder Vierte im Alter zwischen 16 und 29 Jahren einer möglichen Schönheits-OP durchaus positiv gegenübersteht.

> Wege aus dem falschen Selbstbild




fr

 
  

Veröffentlicht von
am 10/01/2012
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