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Fanny (28), Beamtin
„Nach meinem Jurastudium wurde ich von einem kleinen Familienunternehmen eingestellt. Ich habe sofort eine feindselige Einstellung mir gegenüber gespürt. Ich hatte ein winziges Büro und wurde von den anderen nie zum Mittagessen mitgenommen. Als ich versucht habe mich den anderen Angestellten anzunähern und sie z.B. Montagmorgens fragte wie ihr Wochenende war, wurde ich nur mit ein paar kurzen Sätzen abgefertigt.
Ich habe dann beschlossen mich nicht aufzudrängen und mich mit der Isolierung abzufinden und habe dann mit privaten Freunden zu Mittag gegessen. Die Situation hat sich dann verschlimmert als ich die anderen in einer Besprechung auf ein juristisches Problem in einem Vertrag aufmerksam gemacht habe, den sie an einen Zulieferer geschickt hatten. Einer der kaufmännischen Angestellten hat sich aufgeregt: "Jetzt kommt auch noch die super Intellektuelle mit ihrem Jura!". Der Chef hat nichts gesagt und hat nur gelächelt, wie alle anderen auch...
Ich muss dazu sagen, dass die meisten anderen Angestellten nicht studiert haben und den Beruf von der Pike auf gelernt haben. Hinzu kam, dass sie alle derselben Familie angehörten. Ich war der Störfaktor, der sich bei ihnen eingenistet hat, den sie aber leider
für die rechtlichen und verwaltungstechnischen Aspekte des Unternehmens benötigten.
Der Patriarch hat übrigens versucht mich zurück zu stufen als die Verlobte seines Neffen, auch eine Juristin, einen Job gesucht hat. Wir haben dann eine Entlassung mit beiderseitigem Einverständnis ausgehandelt. Ich war sowieso von Anfang an der Verlierer der Partie: Ich gehörte nicht zu ihrem Klan.
Ich habe es dann vorgezogen beamtete Juristin zu werden. Im öffentlichen Bereich werden wir wenigstens alle mehr oder weniger gleich behandelt!“