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Künstliche Befruchtung: Die letzte Chance aufs Wunschkind?

von der gofeminin-Redaktion Veröffentlicht am 16. September 2017

Bei unerfülltem Kinderwunsch ist die künstliche Befruchtung die letzte Hoffnung für Paare, die sich eine eigene Familie wünschen.

Monat für Monat die gleiche Enttäuschung: Die Periode ist wieder da, der Traum vom Baby ist erneut geplatzt. Viele Paare versuchen monate- oder sogar jahrelang vergeblich, ein Baby zu bekommen. In Deutschland sind zwischen 15 und 20 Prozent der Paare ungewollt kinderlos.
Das kann sehr viele Ursachen haben: Ist nicht Stress die Ursache, sondern ein gesundheitliches Problem, wie beispielsweise verstopfte Eileiter der Frau oder zu wenig Samenzellen des Mannes, dann scheint die künstliche Befruchtung der letzte Ausweg zu sein. "Verbreitete Methoden sind die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)", sagt Fruchtbarkeitsexperte Dr. med. Achim von Stutterheim aus Bremen.

Was im ersten Moment so einfach klingt, ist eine große Belastungsprobe für das Paar. Zum einen ist der Gedanke befremdlich, dass das Wunschkind nicht auf natürlichem Weg - sondern in der Petri-Schale - gezeugt wird. Zum anderen sind mit einer künstlichen Befruchtung auch hohe gesundheitliche Risiken, teilweise eine schwere psychische Belastung und nicht zuletzt hohe Kosten verbunden.

Viele Methoden der künstlichen Befruchtung gehen mit einer Hormonbehandlung der Frau einher. Diese hat eine Reihe von Nebenwirkungen. Übelkeit und Atemnot sind da noch die geringsten Beschwerden. Die Erfolgschancen je Zyklus sind zudem besonders abhängig vom Alter der Frau.

Mit welchen Kosten muss man bei einer künstlichen Befruchtung rechnen?

Die Kosten für eine künstliche Befruchtung sind von Methode zu Methode sehr verschieden. Bei den Methoden IVF, ICSI und Insemination übernimmt die gesetzliche Krankenkasse 50 Prozent der Kosten, zusätzlich stellen der Bund und manche Bundesländer finanzielle Zuschüsse für die Kinderwunschbehandlung bereit.

Dafür müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: Unter anderem muss das Paar verheiratet sein, die Frau nicht jünger als 25 oder älter als 40 Jahre und der Mann nicht jünger als 25 oder älter als 50 Jahre. Zudem muss sich das Paar zuvor ausführlich beraten lassen und für die künstliche Befruchtung gute Erfolgsaussichten haben.

Die Behandlungszyklen, bei denen das Paar finanzielle Unterstützung erhalten kann, sind jedoch ebenfalls begrenzt.
Welche Kosten private Krankenkassen übernehmen ist individuell geregelt. Je Behandlungsversuch muss mit Kosten von rund 2.000 Euro gerechnet werden. Allerdings sind zumeist mehrere Versuche nötig, daher ist mit deutlich höheren Ausgaben zu rechnen.

IVF (In-vitro-Fertilisation)

Die In-vitro-Fertilisation gilt für die meisten als die klassische Form der künstlichen Befruchtung. Gemeint ist die Befruchtung in der Petri-Schale. Das heißt, der Mutter werden Eizellen entnommen und dann mit den Samenzellen des Vaters befruchtet. Die Befruchtung verläuft dabei ohne ärztliche Unterstützung. Nach 48 Stunden wird die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt.

"Diese Form der künstlichen Befruchtung ist weit verbreitet und kommt zum Einsatz, wenn die Eileiter der Frau verschlossen sind. Oft ist eine vorhergehende Hormontherapie notwendig", so Dr. med. Achim von Stutterheim.

Erfolgschancen:
etwa 18 Prozent

ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion)

Die ICSI geht einen Schritt weiter als die IVF. "Für die Befruchtung spritzt der Arzt jede Samenzelle einzeln ins Zytoplasma der Eizelle, die vorher entnommen wurde", erklärt Dr. med. Achim von Stutterheim. Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn die Samenzellen des Mannes zu unbeweglich sind oder der Mann zu wenig Samenzellen produziert. Nach zwei Tagen werden die befruchteten Zellen wie bei der IVF in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt.

Erfolgschancen:
etwa 20 Prozent

IVM (In-vitro-Maturation)

"Die In-vitro-Maturation ist eine relativ neue und nicht sehr weit verbreitete Form der künstlichen Befruchtung, die der IVF ähnelt. Da jedoch unreife Eizellen entnommen werden, kann auf die Hormonbehandlung im Vorfeld oft verzichtet werden", sagt Dr. med. Achim von Stutterheim. Die Eizellen reifen nach der Entnahme ein, zwei Tage nach, bevor die Befruchtung mit den Samenzellen stattfindet. Wie bei der IVF werden die befruchteten Eizellen dann nach weiteren zwei Tagen in die Gebärmutter eingepflanzt.

Kleiner Nachteil: Bislang übernimmt die gesetzliche Krankenkasse keine Kostenanteile an dieser Form der künstlichen Befruchtung.

Erfolgschancen:
Genaue Daten liegen noch nicht vor, je nach Studie kam es in 3 bis 27 Prozent der Behandlungen zu Schwangerschaften.

Insemination

Der Begriff Insemination bedeutet "Einsetzen der Samenzellen". Sprich, bei diesem Verfahren wird der Samen in den Gebärmutterhals oder die Eileiter eingesetzt. Dieses Verfahren der künstlichen Befruchtung ist speziell für Paare interessant, bei der die Frau körperlich gesund ist, die Samenzellen des Mannes jedoch zu unbeweglich sind oder er zu wenige produziert. Möglich ist eine homologe Insemination mit den Samen des Partners, aber auch eine heterologe Insemination mit den Samen eines Fremden. Die Krankenkasse übernimmt jedoch nur anteilig die Kosten für eine homologe Insemination.

Unterschieden werden folgende Vorgehensweisen:

ICI (Intracervicale Insemination): Der Samen wird in den Gebärmutterhals gespritzt.

IUI (Intrauterine Insemination): Die Samenzellen werden erst im Labor aufbereitet und dann in die Gebärmutter eingesetzt.

ITI (Intratubale Insemination): Die Samen werden erst im Labor aufbereitet und dann direkt in die Eileiter eingesetzt.

Erfolgschancen:
5 -10 Prozent bei einer homologen Insemination
20 Prozent bei einer heterologen Insemination

GIFT (Gamete Intrafallopian Transfer [intratubarer Gametentransfer])

Die GIFT ist eine Form der künstlichen Befruchtung, die heutzutage eher selten angewendet wird. Sie kommt nur infrage, wenn wenigstens ein Eileiter durchgängig ist. Im Vorfeld ist eine Hormontherapie notwendig, um die Reifung der Eizellen anzuregen.

Bei der GIFT findet die Befruchtung im Körper statt. Der Arzt punktiert zuerst die Eileiter, um so die Eizellen zu gewinnen. Zusammen mit den Spermien des Mannes werden sie dann entweder durch die Bauchdecke oder durch den Muttermund in den Eileiter eingeführt. Das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft ist bei diesem Eingriff erhöht.

Erfolgschancen:
geringer als bei der IVF

Weitere Informationen zum Thema künstliche Befruchtung gibt es auf onmeda.de

Hier findet ihr mehr Informationen rund um den Kinderwunsch.

von der gofeminin-Redaktion

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