 Sibel Kekilli und Ehrenmord | In ihrem neuen Film flieht Sibel Kekilli als junge Mutter erst vor dem gewalttätigen Ehemann, dann vor dem Ehremord, den ihre Familie an ihr begehen will. Gewalt beherrscht den Film „Die Fremde“, Ehrenmord ist sein grosses Thema, auch wenn das Wort selbst nicht einmal fällt. Für die gefeierte Sibel Kekilli war dies eine der wichtigsten Rollen ihrer rasanten Karriere.
Nach Fatih Aikin's Erfolgsfilm "Gegen die Wand" ist es wieder ein Film, in dem Sibel Kekilli die Rolle einer Deutschtürkin spielt. In manchen Szenen sieht man sie auch Kopftuch tragen - eine seltsame Erfahrung für Kekilli: "Ich habe das als eine große Einschränkung empfunden. Wenn ich ein Tuch auf dem Kopf trage, dann als eine Verkleidung oder als Modeaccessoire. Aber so will ich es nicht."
Familie. Ehre. Es sind die wiederkehrenden Themen des Films "Die Fremde". Für sie lohnt es sich zu leben, zu sterben - und zu töten. "Dass Menschen sich herausnehmen, andere Menschen derart zu richten, war mir sehr fremd. Dieser Wille zur Gewalt und zum Töten ist Angst einjagend. Meine Tränen waren daher sehr echt.", sagt Hauptdarstellerin Sibel Kekilli über die Arbeiten zum Film.
Sibel Kekilli privat: Ehrenmord ist ihr Thema
In den Bildern des Films scheint sie oft hart, geradezu verbissen. Wem Sibel Kekilli dann gegenüber sitzt, den lächelt sie offen an, ihre Augen strahlen. Doch sie meint es bitterernst. Privat engagiert sie sich für die Organisation "Terre des Femmes" gegen Ehrenmord, wirbt für Anti-Gewalt-Kampagnen. "Ich gebe mein Gesicht her, ich spreche über das Thema. Das ist wichtig. Ich denke, ich habe da einen guten Zugang zu jungen Menschen."
Ihr eigenes Schlüsselerlebnis: In der siebten Klasse verschwand ein türkisches Mädchen plötzlich vom einen auf den anderen Tag. "Ich glaube, sie wurde verheiratet." Obwohl in ihrer Familie diese Prakatiken nicht vorkommen, die Eltern "eher fortschrittlich" sind, wurde sie sich immer mehr des Zwiespalts der mehrheitlich türkischstämmigen Jugendlichen bewußt: Sie werden zwischen Kopftuch und Make-up, zwischen Moderne und Tradition beinahe zerissen.
 Die gefeierte Sibel Kekilli: Privat engagiert sie sich gegen Ehrenmord. © Die Fremde | "Männer, die ihrer Frau Freiheiten lassen, gelten als Weichei"
Mit ihrem Engagement gegen Ehrenmord und Gewalt an Frauen will Kekilli auch junge Männer erreichen. "Sie stehen enorm unter Druck, vor allem in Gesellschaften wie der Türkei. Wenn sie ihrer Frau Freiheiten lassen, gelten sie als Weichhei." Ihnen will sie aufzeigen, dass es auch heißt ein Mann zu sein, "Freiheiten zu lassen."
Vieles, so Kekilli, sei bei der Integration von türkisch-stämmigen Jugendlichen schiefgegangen: "Wer südländisch aussieht, bekommt schwerer einen Job oder eine Wohnung. Sogar in Nachtclubs kommt man nicht hinein."
Vieles liegt aber auch auf Seiten der Migrantenfamilien im Argen, vor allem existiert ein fehlgeleiteter Ehrbegriff. "Ich lebe mein Leben und das geht nur mich an. Ich habe meine Ehre und ich brauche niemanden, der sie für mich schützt.", erklärt sie und will, dass ihr Credo für alle Frauen und Mädchen gilt.
smb
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