Der Mutterinstinkt: Wie entsteht die mütterliche Fürsorge?

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Die Mutter-Liebe wächst mit jedem Tag

Der Mutterinstinkt: Wie entsteht die mütterliche Fürsorge?


Mutter-Liebe geht durch die Haut. Der Mutterinstinkt auch! - Der Mutterinstinkt: Wie entsteht die mütterliche Fürsorge?
Mutter-Liebe geht durch die Haut. Der Mutterinstinkt auch!

Die Annahme, Mütter wüssten ab dem Moment der Geburt instinktiv, was ihre Babys wollen und was im Umgang mit dem Nachwuchs zu tun ist, hält sich hartnäckig in den Köpfen. Die Folge: Viele frischgebackene Mütter zweifeln an sich, wenn sie nicht sofort alle mütterlichen Gesten parat haben. Ganz zu unrecht wie man heute weiß. Was ist wirklich dran am Mutterinstinkt?

Gibt es den Mutterinstinkt wirklich?
Der Mutterinstinkt ist die besondere Verbindung, die ab der Befruchtung oder gar schon ab dem Kinderwunsch zwischen Mutter und Kind entsteht. Die radikalen Feministinnen haben den Mutterinstinkt einst in Frage gestellt und als reinen Mythos bezeichnet. Auch die amerikanische Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy von der University of California Davis bezeichnet die Vorstellung von der „liebenden Mutter“ in ihrem Buch „Mutter Natur“ als Wunschdenken: „Die Natur habe dem Weib keineswegs die Rolle der liebenden, aufopferungsvollen Ammen-Mama zugewiesen", so die Evolutionsforscherin. "Der 'Mutterinstinkt' sei, so wissenschaftlich dieser Begriff auch anmute, weder instinktiv, noch allen Müttern eigen.“  Trotzdem wird der "natürliche Mutterinstinkt" immer wieder zum Forschungsgegenstand von Psychiatern und Psychologen.

Was ist der Mutterinstinkt?
Der Mutterinstinkt ist der Elan, der Mütter unermüdlich dazu antreibt, für ihr Baby zu handeln und sich ohne nachzudenken um ihr Kind zu kümmern. Der Mutterinstinkt verhindert, dass eine Mutter ihr Kind aussetzt und geht sogar so weit, dass sie bereit wäre, sich für ihr Kind zu opfern. Das ist für den Fortbestand der Menschheit sehr wichtig.

Dieses Baby möchte man am liebsten gleich knuddeln... weil man auf das Kindchenschema reagiert!
Dieses Baby möchte man am liebsten gleich knuddeln... weil man auf das Kindchenschema reagiert!
Kindchenschema & Mutterschema

Wissenschaftlich lässt sich der Mutterinstinkt durch das Kindchenschema erklären, das von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz aufgestellt wurde: Auf niedliche Gesichtszüge, die als Schlüsselreize wirken (das "typische“ Babyface: großer Kopf, große Knopfaugen, Pausbacken + Wehrlosigkeit: tollpatschiges Verhalten, Wimmern, Weinen), reagieren Menschen automatisch mit einem Beschützer- und Fürsorgeinstinkt. Die Schlüsselreize lösen im Körper der Mutter eine Kettenreaktion aus, die unter anderem zur Ausschüttung von Pheromonen führt: die Botenstoffe der (Mutter-)liebe.

Das umgekehrte Mutterschema, also die Gesichtszüge und Proportionen eines Erwachsenen, wecken beim Kind instinktiv Vertrauen und Klammerbedürfnis.

Wie äußert sich der Mutterinstinkt?
Ihr Baby geht „natürlich“ vor. Sie kümmern sich ständig um sein Wohlbefinden und haben das Gefühl, (auch ohne Nabelschnur) an ihm zu „hängen“, was man unter anderem daran erkennen kann, dass Sie Ihr Kind sofort mit den Augen suchen, wenn es nicht bei Ihnen ist. Selbst während der Schwangerschaft wird die Zurückstellung der eigenen Bedürfnisse zum Wohl des Kindes bereits deutlich, zum Beispiel wenn eine Schwangere dem Baby zuliebe auf Alkohol verzichtet oder versucht, mit dem Rauchen aufzuhören.

Mutterinstinkt Füttern: Sie geben Ihrem Baby nicht nur Nahrung, sondern auch Nestwärme!
Mutterinstinkt Füttern: Sie geben Ihrem Baby nicht nur Nahrung, sondern auch Nestwärme!
Mutterinstinkt bedeutet nicht, alles sofort machen können

Jede Frau, die schon einmal entbunden hat, weiß es: Es ist häufig ein Schock mitanzusehen, wie andere Frauen (Hebammen, Säuglingsschwestern…) das eigene Baby routiniert baden, wickeln und pflegen, während man sich selbst kaum traut, die kleinen Ärmchen zu berühren. Muttersein hat eben viel mit Erfahrung und Gewohnheit zu tun.

Der Mutterinstinkt braucht (wie die Liebe) Zeit, um zu wachsen.
Für manche Mütter ist das Baby die Liebe auf den ersten Blick. Aber bei weitem nicht für alle, schließlich ist das Baby nach der Geburt noch etwas zerknittert und sieht nicht unbedingt so aus, wie man es sich in den langen Monaten der Schwangerschaft vorgestellt hat.

Außerdem ist diese Situation für Sie völlig neu und oft auch etwas beängstigend. Selbst wenn die Verbindung zwischen Ihnen und Ihrem Baby noch so stark ist, bedeutet das nicht, dass Sie angesichts der zahlreichen Dinge, die man als Mama wissen muss, nicht auch manchmal ratlos dastehen oder völlig aus der Fassung geraten, weil Sie von Familie und Freunden mit 1000 gut gemeinten Tipps zur Kindererziehung überhäuft werden.

Im Zweifelsfall gilt immer: Lassen Sie sich nicht verunsichern! Sie wissen besser als jeder andere, was Ihr Baby braucht. Egal ob dies mit den gut gemeinten Empfehlungen Ihrer Schwiegermutter oder Ihrer Schwester übereinstimmt oder nicht!
Vertrauen Sie auf sich und hören Sie auf Ihre Intuition, um selbst herauszufinden, wie Sie sich "natürlich" - also auf Ihre Weise - um Ihr Kind kümmern.

Ich empfinde nichts für mein Baby…
Der Babyblues nach der Geburt ist normal und bedeutet nicht, dass Sie keinen Mutterinstinkt haben!
Der Babyblues nach der Geburt ist normal und bedeutet nicht, dass Sie keinen Mutterinstinkt haben!

Das hört sich seltsam und grausam an, kommt aber gar nicht so selten vor wie man denkt. Statt des erwarteten Freudenausbruchs sind Ihre Empfindungen diesem kleinen Menschlein gegenüber gleichgültig. Resultat: Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie sich vorwerfen, keine gute Mutter zu sein.

Vorsicht: Muttersein ist auch eine grundlegende menschliche Erfahrung, die Tag für Tag aufgebaut wird. Der Mutterinstinkt ist kein Fertigprodukt voller positiver Gefühle, das als eine Art Nachgeburt auf einmal da ist.

Es ist sehr wichtig, dass Sie sich für das fehlende Muttergefühl nicht schämen oder schuldig fühlen. Der Babyblues, also das Seelentief nach der Geburt, betrifft viele Frauen und ist meist hormonell bedingt. Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt darüber und geben Sie sich Zeit, den Mutter-Kind-Kontakt langsam aufzubauen.

Jede Berührung trägt dazu bei, den Mutterinstinkt aufzubauen!
Jede Berührung trägt dazu bei, den Mutterinstinkt aufzubauen!
Zusammensein mit dem Baby
Die Verbindung mit Ihrem Kind (engl. Bonding) und die wachsende Zuneigung wird mit jedem Tag geknüpft: über den direkten Hautkontakt, mit dem das Urvertrauen gestärkt wird, also mit jeder Berührung, mit jedem Streicheln und mit jeder Pflege, die Sie ihm geben.

Auf Wunsch dürfen die Mütter deshalb in den meisten Kliniken ihr Baby so oft und so lange sie möchten mit ins eigene Zimmer nehmen (engl. Rooming in), um es schrittweise kennen- und lieben zu lernen.

Beobachten Sie Ihr Baby: Wie reagiert es, wenn Sie ihm über die Wange streichen? Wie schläft es, wenn es sich wohlfühlt?  Denn wie Sie eine gute Mutter werden, das lernen Sie nicht zuletzt: von Ihrem Kind!


Lesen Sie weiter im goFeminin.de-Forum:
> Wart ihr gleich nach der Geburt in euer Baby verliebt?
> Wo ist die Bindung geblieben?
> Mutter-Kind-Bezug im Vergleich um Vater-Kind-Bezug?
> Das Gefühl, das jeder mein Baby anfasst...


Veröffentlicht von Linda Chevreuil
am 20/07/2010 12:27:00
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