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Die Sexualtherapie

Linda Chevreuil
von Linda Chevreuil Veröffentlicht am 13. März 2008

Libidoschwäche, Lustmangel, vorzeitige Ejakulation oder Vaginismus... Die verschiedensten sexuellen Störungen können ein Paar dazu bewegen eine Sexualtherapie in Anspruch zu nehmen. Was muss man wissen um einen Therapeuten auszuwählen? Wie laufen die Sitzungen ab? Hier finden Sie alle Informationen über die Sexualtherapie!

Die Grundlagen der Therapie
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat es offiziell bestätigt: Die sexuelle Gesundheit ist ein wichtiger Bestandteil des körperlichen und mentalen Wohlbefindens jedes Individuums.
Es ist also von äußerster Wichtigkeit, bei sexuellen Funktionsstörungen die Ursachen zu erforschen um wieder eine glückliche und erfüllende Beziehung herzustellen. Dieses Ziel setzt sich die Sexualtherapie.

Die amerikanischen Forscher William Masters (Gynäkologe) und Virginia Johnson (Psychologin) haben die Sexualtherapie in den 60er Jahren ins Leben gerufen. Im Gegensatz zu konventionellen Paartherapien konzentriert sich die Sexualtherapie auf die Wiederherstellung der Sexualkontakte in einer Beziehung. Um das Therapieziel zu erreichen kombiniert das Verfahren Sprechstunden in der Praxis und praktische Übungen zu Hause. Wichtig: Die sexuellen Störungen werden nicht organisch behoben (d.h. durch eine medikamentöse Behandlung oder einen chirurgischen Eingriff), sondern ausschließlich mit psychologischen Mitteln behandelt. Wenn die sexuellen Probleme auf medizinische Ursachen zurückzuführen sind muss der Sexualtherapeut allerdings mit einem Arzt zusammenarbeiten um sie erfolgreich zu beheben.

Der Experte: ein Sexualtherapeut
Sexualtherapeut ist keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Ähnlich wie bei den Psychotherapeuten handelt es sich in der Regel um ausgebildete Mediziner, Psychologen oder Sozialpädagogen, die sich durch eine Weiterbildung auf den Bereich Sexualtherapie spezialisiert haben. Die Ausbildung wird unter anderem in den Fachabteilungen der Universitätskliniken Frankfurt, Kiel und Hamburg sowie im Institutfür Verhaltenstherapie, Verhaltensmedizin und Sexuologie (IVS) in Nürnberg und dem Institut für Partner- und Sexualtherapie (IPS) in Würzburg angeboten.

Die Sexualtherapie ist also keine medizinische Fachrichtung, sondern eine Zusatzkompetenz, die in Seminaren erworben werden kann. Daher gibt es kein staatliches Diplom sondern nur ein Abschlusszertifikat. Vielleicht ist dieser Beruf deshalb in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Ein Sexualtherapeut verfügt über gutes Fachwissen zum Thema Sexualität sowie über Heilmethoden zur Behandlung sexueller Störungen. Es gibt allerdings auch Personen, die sich selbst zum Sexualtherapeuten ernennen ohne über die geringste Ausbildung zu verfügen. Informieren Sie sich daher vorher genau über einen Sexualtherapeuten und fragen Sie Ihren Arzt, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Der Ablauf der Sitzungen
Bei jeder Sitzung findet ein ungezwungenes Gespräch statt, in dem Sie möglichst ohne Schamgefühl und Hemmungen über Ihr Intimleben und den Verlauf Ihrer Sexualkontakte berichten. Ängste, verschwiegene Wünsche... es ist nicht einfach,
die Türschwelle der Praxis mit dem Überweisungsschreiben Ihres Hausarztes in der Hand zu überschreiten. Trotzdem lohnt sich die innere Überwindung, denn oft können die sexuellen Störungen nur mit Hilfe eines Sexualtherapeuten überwunden werden um somit den Patienten die Rückkehr zu einem befriedigenden Liebesleben ermöglichen. Die Therapie besteht aus zwei Teilen: den Sprechstunden und den praktischen Übungen.

• Die Sprechstunden: Das erste Ziel besteht darin, den Dialog zwischen dem oder den Patienten und dem Therapeuten herzustellen: Wie wird die sexuelle Beziehung erlebt? Welche Blockaden existieren? Was muss getan werden um die Situation zu verbessern? Diese und ähnliche Fragen werden sicherlich zur Sprache kommen. Es ist anschließend die Aufgabe des Sexualtherapeuten eine Antwort finden. Wenn Sie einen festen Partner haben wird eine Paartherapie empfohlen um den Status Quo so gut wie möglich zu erfassen und die Schwierigkeiten gemeinsam zu bewältigen (Orgasmusprobleme, vorzeitiger Samenerguss...).
Sie können aber auch beschließen, die Therapie alleine durchzuführen, z.B. weil Sie befürchten, dass die Paarsitzungen Ihren Partner destabilisieren könnten. Zu Ihrer Information: Es handelt sich auf keinen Fall um eine medizinische Untersuchung. Sie müssen sich also nicht frei machen und können sich ganz normal kleiden! Der Experte kann Ihnen allerdings einen Gesundheits-Check-up verschreiben wenn es einen Hinweis auf eine körperliche Ursache gibt.

• Die Übungen: Der praktische Teil der Therapie ist dazu da, den Inhalt der Gespräche in die Tat umzusetzen und wieder ein erotisches und erregendes Ambiente herzustellen, das sich günstig auf die sexuelle Kontaktaufnahme auswirkt. Der Sexualtherapeut ergründet die Ursache des Problems und schlägt daraufhin bestimmte Übungen vor, die genau auf die Störungen des Paares abgestimmt sind. Mit der Zeit (und der nötigen Ausdauer) erreichen die praktischen Übungen in der Regel eine Erfolgsquote von 70%.

Vorteile und Grenzen
Dieses Verfahren ist sehr gut für sexuelle Störungen psychologischen Ursprungs geeignet: Kommunikationsschwierigkeiten in der Beziehung, unzureichende Kenntnis der sexuellen Physiologie... Wenn sich die Ursachen allerdings im Unterbewusstsein befinden sollte eine andere Therapiemethode in Erwägung gezogen werden (Psychotherapie, Psychoanalyse, Paartherapie...). Der Sexual-therapeut kann in bestimmten Fällen auch Medikamente verabreichen (wenn er ein Medizinstudium absolviert hat): eine Behandlung gegen erektile Dysfunktionen oder Antidepressiva. Bei körperlichen Missbildungen kann der Arzt auch zu einem chirurgischen Eingriff raten.

Praktische Infos
Die Sexualtherapie kostet durchschnittlich zwischen 20 und 80 Euro pro Sitzung.
Die Preise können je nach Region variieren. Wenn der Sexualtherapeut gleichzeitig ein zugelassener Arzt ist kann die Sitzung eventuell von der Krankenkasse zurück-erstattet werden. Die Dauer der Sexualtherapie hängt von den Schwierigkeiten ab, die bewältigt werden müssen. Auch der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Beratungsgesprächen spielt eine Rolle. Die Sexualtherapeuten können entweder freiberuflich in einer eigenen Praxis oder in einer fachverwandten Abteilung im Krankenhaus (Urologie, Gynäkologie, Endokrinologie) arbeiten.

Weitere Informationen:
- Hotline "Sexualität und Gesundheit" des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit e.V: Tel. 0180/5558484 (0,14 Euro pro Minute)
- Institut für Partner- und Sexualtherapie, Sterenstr. 17, 97074 Würzburg, Telefon: 0931/88 55 80
- Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung e.V.
- Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin und Sexualtherapie e.V.

von Linda Chevreuil

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