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Dirty Talk: Was du schon immer mal beim Sex sagen wolltest

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 19. August 2016
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Sprichst du eigentlich "währenddessen" oder schweigst du dezent? Über die mitunter großartige Wirkung von Dirty Talk ...

Wer gemeinhin an Dirty Talk denkt, denkt an Sätze der Spezies "Bück dich, du Luder!" Leider hat uns hier die Porno-Industrie mal wieder wunderbar (v)erzogen und wir denken an recht einfach strukturierten Schweinkram, wenn es um Dirty Talk geht. Und das schreckt viele ab.

Schade eigentlich! Denn klar ist Dirty Talk schmutzig, aber er kann auch verdammt raffiniert schmutzig sein. Und das macht den Unterschied. Niemand will klingen, wie die Blondine mit dem knapp über 60 liegenden IQ im billigen Pornofilmchen, aber heiß machen wollen wir ihn schon, oder?

Schweigen wie in einer Bibliothek

Hand aufs Herz: Sagst du deinem Liebsten, wie heiß er ist? Fallen dir immer die richtigen Worte ein, wenn du ihm sagen willst, wie scharf du gerade auf ihn bist? Nein? Nun, dann bist du nicht allein. Die Sextherapeutin Barbara Keesling hat ein Buch über Sex Talk geschrieben, in dem sie blutigen Anfängern Schritt für Schritt den Dirty Talk erklärt und nahebringt.

Sie sagt: "Die meisten sind beim Sex immer noch so schweigsam, als wären sie in einer Bibliothek! Obwohl sich so viele von uns eine andere Kommunikation wünschen, versuchen die meisten von uns immer noch, ihre Sex-Wünsche und Gefühle dem Partner durch eine komplizierte Kombination von Stöhnen, Gesten, unverständlich gemurmelten Worten und heftigen Atemzügen mitzuteilen." Mit dem Ergebnis, dass es im Bett zu Missverständnissen und Enttäuschungen kommt. Warum also schweigen wir? Laut einer Umfrage der Zeitschrift 'Lisa' nutzen nur 44 Prozent der Deutschen Dirty Talk, um in erotische Stimmung zu kommen.

Aller Anfang ist ...

Den Maulfaulen unter uns sei gesagt: Dirty Talk kann man lernen. Der wichtigste Punkt: Sich einfach mal frei machen von Ängsten und Bedenken und stattdessen raus mit der Sprache. Autorin Barbara Keesling, selbst bekennender Dirty-Talk-Fan, sagt: "Ich habe nichts kennengelernt, was eine größere Veränderung im Sexualleben der Menschen bewirkt, als Dirty Talk. Wer erotisch miteinander spricht, erlebt den Sex ganz anders." Das klingt doch mehr als vielversprechend.

Du wirst sehen, wie dankbar dein Sexpartner ist, wenn du ihm nicht nur zeigst, sondern auch einfach mal deutlich sagst, was du an ihm erregend findest und was du gerne im Bett tun würdest.

Hat dir dein Liebster schon mal ins Ohr gehaucht, wie unglaublich gerne er jetzt mit dir heißen Sex haben würde? Nun, dann weißt du, wie gut sich das anfühlt und wie scharf das macht. Und das wird ihm mit Sicherheit nicht anders gehen.

Dirty Talk ist eine geniale Waffe in deinen Händen, um seine (und deine) Hormone so richtig in Wallung zu bringen. Oder macht es dich etwa an, wenn Männer leicht verklemmt ihren Penis als „kleinen Freund“ oder „der da unten“ bezeichnen und auch sonst die Dinge nicht beim Namen nennen, so als wären sie errötende Teenager? Nein, oder?

Nicht erschrecken!

Doch Achtung! Wer bislang eher zu den Schweigern im Bett gehört hat, sollte seinen Partner nicht erschrecken, indem er ihn plötzlich mit derber Vokalerotik im Bett überrascht. Und je nachdem, wie dirty es wird, könnte er sich auch beleidigt fühlen. Auch als Frau will man nicht gestern noch die "Prinzessin" sein und plötzlich im Bett als "geile Schlampe" tituliert werden.

Deshalb taste dich langsam vor - und reiß ihn mit! Als Einstieg ist es manchmal auch hilfreich, gemeinsam etwas Heißes zu lesen und dem Liebsten so durch die Blume zu zeigen, dass einen schmutzige Ausdrucksweisen ziemlich anmachen.

Der Ton macht die Musik

Natürlich macht man das erotische Liebesgeflüster nicht in dem gleichen Ton, in dem man einen Powerpoint-Vortrag hält. Schließlich ist das, was wir sagen, ebenso wichtig, wie die Art und Weise wie wir etwas sagen. Eine hohe schrille Kopfstimme findet kein Mann erregend, deshalb nutz einfach deine Bettstimme. Du hast keine? Klar, hast du die! Stell dir vor, du flüsterst ins Telefon - so ein ruhiges, tiefes Raunen aus dem Bauch heraus. Voilá - das ist deine Sexstimme.

Dirty Talk: Verbalerotik leicht gemacht

Dirty Talker nutzen vor allem Reizworte, die alle möglichst tief unterhalb der Gürtellinie liegen. Mit "Hallo, ich fände es schön, wenn wir jetzt vielleicht eventuell gleich ins Bett gehen würden und Sex haben, Schatz!" wird man das Feuer im Bettgefährten nur schwer entfachen. Du willst einen Flächenbrand legen - deshalb sei explizit und direkt.

Wenn dir die Direktheit des Dirty Talk nicht so leicht über die Lippen geht, sei einfach richtig schön zweideutig. Eindeutig zweideutige Sätze im richtigen Moment ins Ohr des Liebsten gehaucht, sind mindestens so aufregend wie eine forsch-freche Direktheit à la "Mach es mir!" Wichtig ist es, nicht irgendwelche Sätze auswendig zu lernen und nachzuplappern, sondern seinem eigenen Stil treu zu bleiben.

Schauereffekt im Gehirn

Doch zu zart darf es auch nicht sein. Denn wir brauchen den kleinen empörten Schockeffekt, um erregt zu sein. Der Grund dafür liegt in unserem Gehirn und der darin eingebauten Zensur. Diese Zensur haben die meisten von uns, sowohl durch unsere gute Erziehung oder unsere Erfahrungen. Sie legt fest, welche Wörter "verboten sind". Ein gerauntes "Fick mich!" kickt mehr als "erlaubte" Sätze. Hier geht es um den Reiz des Verbotenen. Hören wir Worte und Sätze, bei denen unsere Zensur Alarm schlägt, setzt der wohlige Schauereffekt im Gehirn ein und die Hormone brodeln.

Hab die Worte nicht ...

Die richtigen Worte zu finden ist anfangs mit Sicherheit nicht für jeden so einfach. Nimm dir einfach mal Zeit und notier dir, welche Begriffe dir für Vagina, Brüste, Po oder Penis einfallen, die du magst. Du wirst recht schnell sagen können, mit welchen Begriffen du dich wohl fühlst und bei welchen es dich eher schaudert oder bei denen du einen Lachanfall bekommst. Andere Begriffe sind durchaus erregend, aber waren dir bis dato aber zu vulgär? Perfekt! Notieren! So schaffst du dir ein eigenes Wortrepertoire fürs Bett.

Verbale Testphase

Fang nicht direkt mit den wildesten Sätzen an. Teste erstmal, was er mag - und womit du dich sexy fühlst. Was ihm gefällt und was ihm schon zu derb ist, wirst du schon an seiner Reaktion bemerken. Und wenn er eher zurückschreckt, weißt du auch Bescheid.

Wem ein "Ich will es dir besorgen" nicht so liegt, der kann auch einfach seinen Partner loben. "Ich mag es, wie du …" oder "Ich liebe es, wenn …" Das macht auch die härtesten Männer glücklich. Oder du machst ihm Komplimente, was seinen Körper angeht. Dafür musst du nicht seinen Penis in den Himmel loben, du kannst auch alles andere an ihm erregend finden. Seine Haut, seinen Hals, seinen Bauch … alles.

Hätte, könnte, wollte

Wichtig: Lass den elendigen Konjunktiv weg. "Ich würde gerne …" hört sich nicht halb so sexy an wie ein drängendes "Ich will!" Sag, dass du es tun "musst" und "willst". Ganz einfach und direkt. Das klingt nach Leidenschaft und Sinnlichkeit.

Fortgeschrittene können dann auch ganz direkt ihre geheimen Wünsche formulieren. Also "Ich will"- Forderung. Du willst, dass er dir die Kleider vom Leib reißt? Sage es. Du willst, dass er dir die Augen verbindet? Hauch es ihm ins Ohr. Und zwar in das linke, denn das ist mit der emotionalen Hälfte seines Gehirns verbunden.

Gar nicht billig

Auch wer sich am Anfang komisch vorkommt: Wir wissen längst, dass die meisten Männer selbstbewusste Frauen hot finden. Eine Frau, die weiß, was sie will und die auch keine Hemmungen hat, das klar zu sagen - und zwar auch im Bett. Sexpertin Barbara Keesling sagt: "Sexy zu sprechen, heißt provokant, verlockend, stimulierend und verführerisch zu sein. Natürlicher und direkter. Es bedeutet, keine Angst zu haben, um das zu bitten, was man sich wünscht. Kurz: Es bedeutet, viel mehr Spaß im Bett zu haben." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Tipps für blutige Anfänger, wie man seine Sprachhemmungen überwindet, finden sich in zahlreichen Ratgebern, z.B.: Sex Talk, Barbara Keesling, Ariston Verlag 14,95 €

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