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Liebe & Psychologie

Generation oversexed and underfucked: Warum wir ständig über Sex reden, aber nie Sex haben

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 23. April 2016
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Nie war Sex allgegenwärtiger, freizügiger, offener. Und das macht alles irgendwie viel schwieriger...

Erzähl mir von deinem Sexleben! Sag mir, wie viele du schon hattest! Und wie aufregend es war! Wir sind die Generation "Porno". Die redet offen und frei Schnauze. Die redet auch gerne mal lauter über Sex als nötig. Alle Welt darf hören, wie wunderbar unser Sexleben ist.

Das hat nichts mit Exhibitionismus zu tun. Nee. Letztlich ist doch überall und ständig irgendetwas sexualisiert. Schlüpfrig. Hot! Jedes zweite Plakat, jede Bloggerin, jedes Sternchen zeigt sich lasziv und wild. Da wollen wir natürlich in nichts nachstehen.

Pinke Dildos und after Sex Selfies

Der Begriff "oversexed und underfucked" von Autorin Ariadne von Schirach trifft es perfekt. Sex hat einen riesigen Platz in unserem täglichen Leben, jedoch nur in Form von Bildern, in sozialen Netzwerken und Medien und indem wir viel darüber reden. Faktisch findet Sex in unserem Leben dafür umso seltener statt. Zumindest nicht so, wie wir ihn gerne hätten. Denn zwischen Medienglitzer und dem realen Bettlakengeturne liegen meist Welten. Was uns antörnen und Lust auf mehr machen soll, sorgt scheinbar dafür, dass wir selbst wie gelähmt sind.

​Woran liegt es, dass der Sex immer mauer wird, gerade heute, in der Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten? Tinder, YouPorn, getunte Schamlippen, After Sex Selfies, Dreier und eine Miley Cyrus, die nackt auf einer Abrissbirne rumwackelt. Unser ach so lockerer Umgang mit Sex, wo Begriffe wie "Rumvögeln" entspannt an jedem Esstisch erwähnt werden und man sich mit Freunden über Analbleaching amüsiert. Aber scheinbar bewirkt die ach so betonte Lässigkeit genau das Gegenteil.

Und selbst so?

Natürlich ist auch gleich die Wissenschaft zur Stelle und gibt dem Phänomen einen Namen. Das Kelkheimer Zukunftsinstitut will herausgefunden haben, dass Internet und Pornografisierung unser Beziehungsleben ruinieren. Je mehr Sex in der Öffentlichkeit platt getreten wird, desto mehr scheint unser reales Sexleben zu verkümmern. Der Grund: Wir vergleichen uns mit dem medialen Supersex - und der Frust beginnt. Nicht mal die Hälfte aller Deutschen ist im Bett zufrieden. Weil die Erwartungen so hoch sind, dass wir sie selbst kaum mehr erfüllen können. Selbst mit dem genialsten Bettpartner nicht und auch nicht mit 100 Kamasutra-Stellungen.

Die Wissenschaft nennt das "sexuelle Anorexie". Die Kluft zwischen unserer Vorstellung vom perfekten Sex und dem, was sich in unserem eigenen Leben abspielt. Das hängt auch mit unserem Wunsch nach einem perfekten, jugendlichen, sportlich definierten Körper zusammen. Wir Frauen sehen nun mal nicht alle aus wie Kendall Jenner, wenn wir uns durch die Laken wälzen - und fangen an uns deswegen einen Kopf zu machen. Der Anfang vom Ende. Zumal es den Männern längst genauso geht. Die sehen nämlich auch nicht aus wie Channing Tatum. Auch sie sind dem Ammenmärchen vom ewigen Jugendwahn aufgesessen. Sorgen sich um ihr Bierbäuchlein und martern sich mit Kettlebells und Nährwerttabellen.

Bleibt nur zu sagen: Lassen wir uns bitte nicht verrückt machen von diesem ganzen Streben nach Superlover, Supersex, Superbody. Manchmal tut es auch ein halber Superbody und ein halber Supersex, um uns aus den Socken zu hauen. Wir müssen es nur zulassen. In diesem Sinne: weniger reden, mehr machen!

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