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Liebe & Psychologie

Keine Lust mehr auf Hormone? Diese Möglichkeiten der hormonfreien Verhütung gibt es

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 8. September 2017

Die Mehrzahl der Frauen verhütet mit der Pille. Dabei gibt es viele Alternativen. Und vor allem: Viele Alternativen ohne Hormone. Hier ein Überblick.

Wer denkt, die Pille könnte man absolut bedenkenlos schlucken, irrt - und sollte sich beizeiten mal den Beipackzettel der Pille durchlesen. Die Pille ist ein Eingriff in den eigenen Körper, insbesondere den Hormonhaushalt. Natürlich soll die Pille hier nicht verteufelt werden, aber sie sollte auch nicht bedenkenlos "einfach so" genommen werden, ohne sich vorher schlau zu machen.

Wer zum Beispiel zu Thrombosen neigt oder Raucher ist, sollte besser eine hormonfreie Verhütung vorziehen. Und auch sonst kann die Pille für Stimmungsschwankungen, Libidoverlust oder Kopfschmerzen sorgen. Und das sind nur einige der möglichen Nebenwirkungen und Risiken. Die sollte man kennen und für sich selbst abzuwägen.

Eine Überlegung ist es allemal wert und ein Gespräch mit dem Gynäkologen dürfte alle aufkommenden Fragen klären. Damit ihr einen Überblick habt, welche Alternativen zu Wahl stehen und was am besten zu euch passen könnte, gibt es hier die wichtigsten hormonfreien Verhütungsmethoden im Überblick:

SPIRALE & CO:

Beginnen wir zunächst mit den Langzeitverhütungsmitteln, alles rund um Spirale & Co:

Kupferspirale

Die Spirale besteht meist aus einem kleinen, teils mit Kupfer umwickelten T-förmigem Plastikkörper und bleibt 3 bis 5 Jahre in der Gebärmutter. Anders als die Hormonspirale kommt sie ganz ohne Hormone aus. Das in der Spirale enthaltene Kupfer macht die Spermien unschädlich und verhindert so, dass Eizellen befruchtet werden. Kommt es dennoch zu einer Befruchtung, verhindert das Kupfer, dass sich die Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Eine Gold-Kupfer-Spirale funktioniert gleich.

Mehr Infos zur Kupferspirale gibt's hier.

Fazit: sicher (Pearl-Index: 0,3 - 0,8, abhängig von Kupfergehalt und richtiger Größe)

Kupferkette

Die Kupferkette ist ein Intrauterinpessar (IUP) der neueren Generation. Sie ist somit eine Variante der Kupferspirale. Sie ist durch ihre Form flexibler und ist somit auch für Frauen mit kleiner Gebärmutter geeignet. Die Kupferkette besteht aus einem Nylonfaden, auf den je nach Größe vier oder sechs kleine Kupferzylinder aufgereiht sind. Diese Kette wird mit einem Knoten etwa einen Zentimeter tief in der Muskulatur der Gebärmutterwand verankert, wo sie dann fünf Jahre verbleiben kann.

Mehr Infos zur Kupferkette gibt's hier.

Fazit: Mit einem Pearl-Index zwischen 0,1 und 0,5 ein sehr sicheres und langfristiges Verhütungsmittel.

Kupferball

Der Kupferball funktioniert ähnlich wie Kupferspirale und Kupferkette. Allerdings ist es ein zu einem Ball geformter Draht, auf dem 17 Kupferperlen aufgefädelt sind. Der sphärisch geformte Kupferball liegt frei beweglich in der Gebärmutter, so dass er sich seiner Trägerin gut anpasst, ohne zu schmerzen. Er kann bis zu fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Eingeführt wird er durch ein schmales Röhrchen (Durchmesser 3,2 mm) in die Gebärmutter. Sobald er das Röhrchen verlässt, nimmt er sofort seine ursprüngliche Kugelform an. Entfernt wird der Kupferball anhand zweier Rückholfäden. ​

Fazit: Eine gute Alternative zur herkömmlichen Spirale. Man muss jedoch einen Gynäkologen finden, der sich mit dem Einsetzen auskennt, da der Kupferball recht neu auf dem Markt ist (Pearl-Index von 0,3 - 0,8).

DEN EIGENEN KÖRPER KENNEN:

Es gibt jedoch auch etliche Methoden, die darauf basieren, den eigenen Körper intensiv zu beobachten und besser zu verstehen. Denn kennt man seine fruchtbaren Tage, kann man an diesen speziellen Tagen mit Kondom verhüten, an allen anderen muss man sich normalerweise keinen Kopf um eine Schwangerschaft machen. Vorausgesetzt, die eigenen Berechnungen sind wirklich genau genug. Hier ein paar Methoden, die in diese Richtung gehen:

Temperaturmethode

Temperaturmethode: Durch Messung der zyklischen Schwankungen der Basaltemperatur* wird der Zeitpunkt des Eisprungs ermittelt. Gute Ergänzung zur Knaus-Ogino- oder der Billings-Methode, erfordert aber Genauigkeit und Disziplin.

Fazit: nur in Kombination zu empfehlen (Pearl-Index: 0,8 - 3)

*
Die Basaltemperatur ist die Ausgangstemperatur des Körpers im Ruhezustand und muss daher gleich nach dem Aufwachen ermittelt werden (entweder oral oder rektal).

Knaus-Ogino-Methode

Knaus-Ogino-Methode: Um den Eisprung zu bestimmen, notiert die Frau in einem Menstruationskalender ihre Zyklustage. Mögliche Zyklusschwankungen machen diese Methode sehr unsicher. Ergänzend zu anderen Methoden aber durchaus sinnvoll.

Fazit: nicht zu empfehlen (Pearl-Index: 9)

Verhütungscomputer

Verhütungscomputer sind letztlich keine Verhütungsmethode, sondern helfen dabei, die fruchtbaren Tage zu bestimmen, z.B. durch Temperaturmessung oder Hormonbestimmung im Urin.

Fazit: Sicherheit abhängig von den Methoden, die der Computer unterstützt (Pearl-Index: 2 - 5)

Billings-Methode

Bei der Billings-Methode untersucht die Frau täglich den Zervixschleim, um den Eisprung zu ermitteln. Geeignet, um andere Methoden der natürlichen Empfängnisverhütung zu ergänzen (z.B. Temperaturmethode).

Fazit: nur in Kombination zu empfehlen (Pearl-Index: 5)

Symptothermale Methode

Diese symptothermale Methode funktioniert, indem man an den Tagen um den Eisprung jeden Morgen vor dem Aufstehen immer zur gleichen Zeit die Aufwachtemperatur (Basaltemperatur) misst und die Beschaffenheit des Zervixschleims untersucht. Denn auch der verändert sich im Laufe des Zyklus von klar und durchsichtig zu weißlich-milchig. So sollen die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmt werden.

Fazit: wer sehr akribisch ist, kann sich über einen Pearl Index von 0,3 freuen.

BARRIEREMETHODEN:

Die dritte Kategorie sind die sogenannten Barrieremethoden, wie beispielsweise das Kondom oder das Diaphragma:

Kondom

Das Kondom: Wie sicher es ist, hängt von der richtigen Anwendung ab. Das Gute: Das Kondom schützt nicht nur vor einer ungewollten Schwangerschaft sondern auch vor Geschlechtskrankheiten. Es gibt Kondome in unterschiedlichen Größen, Stärken, Geschmacksrichtungen und Designs.

Mehr Infos zum Kondom und was ihr beachten müsst, findet ihr hier.

Fazit: sicher bei korrekter Anwendung (Pearl-Index: 2 - 12)

Frauenkondome

Ja, auch die gibt es: Frauenkondome sollen Schutz vor Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten bieten. Sie sind jedoch leider sehr unsicher.

Fazit: nur sicher bei korrekter Anwendung (Pearl-Index: 5 - 25)

Diaphragma

Diaphragma: Hat der Arzt die passende Größe der Latex- oder Silikon-Membran bestimmt, kann man das passende Diaphragma in der Apotheke besorgen. Zusätzlich können Spermizide verwendet werden, das erhöht die Sicherheit.

Mehr Infos zum Diaphragma findet ihr hier.

Fazit: sicher bei korrekter Anwendung (Pearl-Index: 1 - 20).

Spermizide

Im Idealfall kombiniert man das Diaphragma immer mit Spermiziden. Diese töten Spermien ab, verhindern ihr Eindringen oder behindern ihre Beweglichkeit. Als alleinige Methode sind sie jedoch sehr unsicher.

Fazit: nur in Kombination z.B. mit einem Diaphragma zu empfehlen (Pearl-Index: 3 - 21)

JA, DAS AUCH NOCH:

Auch diese ebenso einfache, wie unsichere Methode soll nicht unerwähnt bleiben. Auch wenn sie kaum Sicherheit bieten dürfte. Wer jedoch gerade denkt: "Wenn es passiert, dann passiert es" und sich über einen positiven Schwangerschaftstest freuen würde, dem sei sie durchaus angeraten:

Coitus Interruptus

"Vor dem Segen aus der Kirche gehen", sagte man früher auch gerne. Will heißen: Vor dem Samenerguss rausziehen. Dumm nur, dass es meist schon vor der Ejakulation zum sogenannten Lusttropfen kommt - und auch darin können Spermien enthalten sein, die die Eizelle befruchten können. Wenn das gewollt ist: wunderbar. Wenn die Frau deshalb jedoch die Pille danach nehmen muss, ist es nicht sonderlich klug. Denn die Pille danach ist ein Notfallverhütungsmittel, das auch nur dann genommen werden sollte: im absoluten Notfall. Denn mit ihr nimmt man auf einen Schlag deutlich mehr Hormone ein, als mit der normalen Pille über einen längeren Zeitraum.

Fazit: nicht wirklich empfehlenswert, wenn man nicht schwanger werden will. Wenn man es drauf ankommen lassen will, dann durchaus.

von Fiona Rohde

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