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Natürliche Verhütung: So sicher sind die unterschiedlichen Methoden!

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 13. November 2015

Immer mehr Frauen greifen bei der Verhütung nicht mehr einfach nur zur Pille. Der Trend geht in Richtung natürliche Verhütung. Denn die kommt ohne die teils massiven Eingriffe in die natürlichen Körperfunktionen und den Hormonhaushalt aus.

Die meisten natürlichen Verhütungsmethoden basieren auf einer genauen Beobachtung des eigenen Körpers und erfordern nur wenige Hilfsmittel. Dennoch bleiben oft Zweifel um die Sicherheit. Wir zeigen euch, welche Methoden zur natürlichen Verhütung es gibt und worauf ihr dabei achten solltet.

Wie sicher ist natürliche Verhütung?

Die schlechte Nachricht zuerst: Natürliche Verhütungsmethoden sind nicht so sicher wie die Pille. Trotzdem gilt: Wird eine der natürlichen Verhütungsmethoden (besser noch eine Kombination aus zweien) diszipliniert durchgeführt, kann die natürliche Verhütung gute Ergebnisse in puncto Sicherheit erzielen.

Natürliche Verhütungsmethoden sind vor allem deswegen unsicherer als die Einnahme von Hormonpräparaten, da sie leicht durch unregelmäßige Lebensgewohnheiten wie Schichtdienst oder wenig Schlaf, aber auch Alkohol- und Medikamenteneinnahme sowie diverse Erkrankungen mit Fieber beeinflusst werden können.

Auch auf Reisen und in stressigen Zeiten kann der natürliche Zyklus unregelmäßiger werden, was die Zuverlässigkeit der natürlichen Verhütungsmethoden einschränken kann.

Welche Vorteile haben die natürlichen Verhütungsmethoden?

Größtes Plus: Bei der natürlichen Verhütung wird nicht in den Hormonhaushalt eingegriffen. Neben- oder Wechselwirkungen, wie sie z. B. bei der Pille auftreten, bleiben also aus. Außerdem wird das Bewusstsein für den eigenen Körper geschult. Die grundlegenden Vorgänge im weiblichen Körper, sind von der Natur aus nämlich in den meisten Fällen hervorragend ausgerichtet.

Viele Frauen erleben durch die Nutzung natürlicher Verhütungsmethoden nicht nur die Kontrolle über die fruchtbaren Tage und ein verbessertes Wohlbefindens während des Zyklus, sondern berichten sogar von einem deutlich veränderten und positiveren Verhältnis zum eigenen Körper.

So funktioniert natürliche Verhütung per Thermometer

Die Basaltemperatur-Methode, als eine der am meisten verbreiteten natürlichen Verhütungsmethoden, kann mit oder ohne Computer stattfinden. Am Morgen, vor dem Aufstehen, sollte möglichst immer zur gleichen Zeit und nach mindestens sechs Stunden Schlaf die Temperatur gemessen und in eine Temperaturtabelle eingetragen werden.

Bei regelmäßiger Messung wird so eine Kurve sichtbar, die einen geringen Temperaturanstieg um rund ein halbes Grad zeigt. Etwa einen Tag nach dem Temperaturanstieg findet der Eisprung statt und die Frau ist am fruchtbarsten. Ab dem dritten Tag der erhöhten Temperatur bis zur Menstruation liegen die sicher unfruchtbaren Tage.

Wichtig: Berücksichtigt, dass die Spermien im Körper der Frau bis zu drei Tage überleben können. Um eine Schwangerschaft natürlich zu verhüten, werden daher mindestens fünf bis sechs Tage vor dem Temperaturanstieg als kritisch gewertet, in denen auf andere, auch nicht-natürliche Verhütungsmittel wie Kondome zurückgegriffen werden sollte.

Vorteil:

- Der Pearl-Index der Temperaturmessung beträgt 0,8-3 und ist damit im Vergleich zu anderen natürlichen Verhütungsmethoden (Zervixschleim oder Coitus Interruptus) niedriger. Je höher der Pearl-Index desto unsicherer ist die Methode. Trotzdem ist die Temperaturmethode unsicherer als beispielsweise die Hormonmessmethode.
- Es entstehen durch diese Art der natürlichen Verhütung keine Kosten.

Nachteil:

- Diese natürliche Verhütung ist nur für disziplinierte Frauen mit geregeltem Alltag und regelmäßigem Zyklus zu empfehlen.

Natürliche Verhütung mit Zervixschleim

Bei der nächsten natürlichen Verhütungsmethode, der Billings-Methode, die auf das gleichnamige Ärztepaar zurückgeht, wird das Scheidensekret (Zervixschleim) als Indikator für die fruchtbaren Tage genutzt.

Während des weiblichen Zyklus schwanken die ausgeschütteten Hormonmengen, wodurch sich das Scheidensekret verändert. Während des Eisprungs wird der Zervixschleim dünnflüssiger, klarer und somit für Spermien durchgängiger. An den fruchtbaren Tagen kann der Schleim zwischen Daumen und Zeigefinger zu einem über 6 Zentimeter langen „Faden“ gezogen werden (der Schleim ist "spinnbar").

Durch die Beobachtung des Zervixschleims an jedem Morgen können Aufzeichnungen erstellt werden, anhand derer frau den eigenen Zyklus verfolgen und mit der Zeit deuten kann. Sobald das Scheidensekret klar wird, beginnen die kritischen Tage, an denen man neben den natürlichen auf zusätzliche Verhütungsmittel zurückgreifen sollte.

Tipp: Dokumentiert eure Beobachtungen, so könnt ihr die Sicherheit steigern.​

Vorteil:

    - Die Billingsmethode ist schnell und einfach anzuwenden.
    - Es entstehen durch diese Art der natürlichen Verhütung keine Kosten.

    Nachteil:

    - Man braucht dazu Übung und ein geschultes Auge.
    - Bei psychischen Belastungen oder einer bakteriellen Infektion der Scheide kann es zu Veränderungen der Schleimsekretion kommen.
    - Der Pearl-Index der Billings-Methode liegt bei 5. Die Billings-Methode ist allein angewendet sehr unsicher. Sie ist aber eine gute Ergänzung zu anderen Methoden der natürlichen Empfängnisverhütung, wie zum Beispiel der Knaus-Ogino-Methode oder der Basaltemperatur-Methode.

    Sehr unsicher: Natürliche Verhütung per Coitus Interruptus

    Der Coitus Interruptus („unterbrochener Geschlechtsverkehr“) gilt als die älteste, aber auch unsicherste natürliche Verhütungsmethode. Hierbei zieht der Mann den Penis kurz vor seinem Orgasmus aus der Scheide heraus, um zu verhindern, dass die Spermien zur Eizelle gelangen können.

    Da jedoch bereits vor dem Orgasmus ein wenig Sperma austritt, der sogenannte „Sehnsuchtstropfen“, ist diese natürliche Verhütungsmethode nicht geeignet, um eine Schwangerschaft zu vermeiden, da das Risiko einer Befruchtung lediglich ein wenig reduziert wird.

    Nachteil:

    - Sehr unsicher! Der Der Pearl-Index des Coitus interruptus liegt bei 4 bis 18.

    Funktioniert besser: Natürliche Verhütung per Hormonmessung

    Neben der Temperatur gilt auch der Hormongehalt im Körper als deutliches Zeichen für die beginnende fruchtbare Phase. Mit der Hormonmessung bietet sich eine natürliche Verhütung anhand des Gehalts an Östrogenen und LH-Hormonen an.

    Das LH-Hormon ist für die Auslösung des Eisprungs verantwortlich. Der Östrogengehalt steigt in dieser Zeit ebenfalls an, um einer befruchteten Eizelle die Einnistung zu erleichtern. Beide Hormone können über den Morgenurin nachgewiesen werden.

    Ovulationscomputer berechnen anhand des Hormongehalts im Urin die fruchtbaren Tage © iStock Mittels entsprechender Mini-Computer kann man den Morgenurin auf einem Teststäbchen, beginnend vom ersten Tag der Regel an, auf Hormone untersuchen. Zu Beginn der Menstruation wird ein Knopf gedrückt und es erscheint ein grünes Licht. Nach einigen Tagen wechselt die Farbe von grün zu gelb. Das Aufleuchten des gelben Lichts signalisiert, dass der Teststreifen, welcher vorher durch kurzes Eintauchen in den Morgenurin Hormone aufgenommen hat, in das Gerät eingeführt werden soll.

    Im ersten Monat müssen 16 Messungen, in den folgenden Monaten nur noch acht Messungen vorgenommen werden. Wenn am Gerät die grüne Lampe leuchtet, kann mit der vorgegebenen Sicherheit eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Ein rotes Licht zeigt dagegen die fruchtbaren Tage der Frau an. Leuchtet das gelbe Licht, so muss eine erneute Messung mit einem neuen Teststreifen durchgeführt werden.

    Der Computer berechnet aus diesen Werten die fruchtbaren Tage, während derer auf mechanische Verhütungsmittel zurückgegriffen werden sollte, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Mittlerweile gibt es sogar Apps, die dabei helfen, die fruchtbaren Tage zu berechnen.

    Vorteil:

      - Die Sicherheit ist verglichen mit anderen natürlichen Verhütungsmitteln relativ hoch (je nach Hersteller jedoch verschieden).
      - Das Gerät kann auch für die gezielte Familienplanung genutzt werden.

      Nachteil:

      - Die Kosten für Computer und Teststreifel liegen in etwa in Höhe einer durchschnittlichen Pille.
      - Kann nur angewendet werden bei einer Zykluslänge von mehr als 23 und weniger als 35 Tagen.

      Eher weniger zu empfehlen: Natürliche Verhütung per Kalender

      Die Knaus-Ogino- oder Kalender-Methode ist eine weitere natürliche Verhütungsmethode, die sich auf den Kalender stützt. Bei dieser natürlichen Verhütung werden mehrere Monatszyklen mit einem Kalender dokumentiert, um den persönlichen Zyklus zu ermitteln. Nur wenn der Zyklus sehr regelmäßig ist, kann er entsprechend seiner Länge an die Durchschnittswerte in der Berechnung der fruchtbaren Tage angepasst werden.

      Die fruchtbaren Tage liegen bei einem durchschnittlichen Zyklus von 28 Tagen zwischen dem 12. und dem 18. Tag ab dem Tag des letzten Menstruationsbeginns (erster Tag der Periode = Tag 1). Während dieser Zeit sollte auf Sex verzichtet oder auf zusätzliche Verhütungsmittel zurückgegriffen werden, wenn kein Nachwuchs geplant ist.

      Vorteil:

        - Sehr einfach anzuwenden. Keine täglichen Messungen etc.

        Nachteil:

        - Die Knaus-Ogino-Methode gilt als sehr unsicher, da es vielfältige Gründe für außergewöhnliche Zyklusschwankungen geben kann. Der Pearl-Index der Knaus-Ogino-Methode beträgt 9 und ist damit sehr hoch.

        Natürliche Verhütungsmethoden in der Kombination

        Die Symptothermale Methode, auch als Rötzer-Methode bekannt, kombiniert zwei natürliche Verhütungsmöglichkeiten: Die Basaltemperatur- und die Billings-Methode. Beide Messdaten werden in eine entsprechende Tabelle eingetragen, um den Zyklus zu dokumentieren. Zu dieser Kombination kommt eine regelmäßige Untersuchung des Muttermundes durch die Frau, der ebenfalls untrügliche Zeichen für das Vorliegen der fruchtbaren Tage aufweist.

        Der Muttermund ist an den fruchtbaren Tagen deutlich weicher, mit mehr Zervixschleim bedeckt und lässt eine leichtere Ertastung der nun größeren Muttermundöffnung zu. An den nicht-fruchtbaren Tagen ist der Muttermund hingegen deutlich trockener, die Öffnung härter und kleiner. Die Kombination aus Temperaturmessung und Billingsmethode gilt als sehr sicher und hat einen Pearl-Index von 0,3.

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