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Pornosucht: Was, wenn der Kick plötzlich zum Zwang wird?

Veröffentlicht von Redaktion
Veröffentlicht am 5. November 2016

Pornos sind nichts, wofür man sich schämen muss. Doch ab wann wird der Konsum zum Problem?

"Ich war so süchtig, dass ich bei den geilsten Frauen nichts mehr gespürt habe. Ich war so leer ..." - vor drei Jahren schockte Patrick Nuo im Dschungelcamp mit diesem Geständnis die Zuschauer. Und rückte damit ein Thema in den medialen Fokus, das bislang eher belächelt wurde: Pornosucht. Der Sänger hat eigenen Angaben zufolge jahrelang täglich mehrere Stunden Sexfilme im Netz angesehen.

Durch das Internet ist es relativ einfach geworden, Pornos zu konsumieren. Lagen früher die pubertierenden Jungs auf der Lauer, um im Playboy heimlich einen nackten Busen zu sehen, so bietet das Netz heute einen leichteren Zugang und ein schier unendlich großes Angebot.

​Was steckt hinter der Lust auf Pornos?

Pornos zu schauen ist natürlich nicht verwerflich. Jeder sollte seinem Partner das Recht zugestehen, sich dort Lust zu holen, wo es ihm gefällt. Vor allem Männer mögen die virtuelle Erregung via Bildschirm. "Im Gegensatz zu vielen Frauen sind Männer visuell leichter erregbar, sie holen sich den Appetit gerne beim Zusehen, während Frauen lieber fühlen. Dieses Appetitholen hat aber mit der realen Partnerin nichts zu tun, die man riechen, fühlen und schmecken kann. Es geht hier nicht um Konkurrenz, egal, wie perfekt die Filmdamen aussehen mögen", so Dr. Frauke Höllering, Allgemeinmedizinerin mit Schwerpunkt Sexualmedizin.

Pornosucht: Längst keine Seltenheit

Doch der Pornokonsum kann sich auch schnell in ungesundem Maße steigern und zum Problem werden. Sichere Zahlen gibt es nicht, aber Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland ungefähr eine halbe Million Pornosüchtige. Andere Studien besagen, dass auf 10.000 Internetnutzer 80 Internet-Sexsüchtige kommen. Der absolute Großteil davon ist männlich.

Der Grund, weshalb viele die Kontrolle verlieren: Beim Pornogucken erlebt der Konsument ein enormes Glücksgefühl. Der Körper schüttet bei diesen sexuellen Reizen jede Menge Dopamin aus. Per Mausklick ist es ganz leicht, Zugang zu pornografischem Material zu bekommen. Alles geschieht still und heimlich am heimischen Bildschirm. Die Anonymität ist gewahrt, niemand bekommt etwas mit von der Lust auf Pornos. ​

Wie viel ist ok und ab wann spricht man von Pornosucht?

Die Grenze zur Pornosucht ist überschritten, wenn der Betroffenen die Kontrolle verliert und seinem Drang permanent nachgeben muss. Dabei wird nicht nur die Häufigkeit gesteigert, sondern auch die Art der bevorzugten Pornos kann sich mit der Zeit ändern. Sind es anfangs noch softe Sex-Filmchen, gehen nicht wenige nach und nach zu Hardcore-Pornos oder sogar Vergewaltigungsfilmen über.

Motive für die Pornosucht

Häufige Motive der Pornosucht: fehlende sexuelle Befriedigung, Einsamkeit, Frust und fehlende Lebensinhalte. Das Fatale daran: Das Leiden wird durch die schöne, geile Pornowelt noch verstärkt. Die Filme zeigen potente Männer und dauerbereite Frauen, die ein scheinbar orgiastisches Leben führen, das mit der eigenen Realität wenig gemein hat. Die Folge: Das Interesse am eigenen realen Liebesleben und der Partnerin, falls vorhanden, schwindet, je mehr Pornos konsumiert werden.

Der klassische Konsument

Das Klischee vom einsamen Pornosüchtigen, der keine Frau abbekommt, stimmt nicht. Die Studie der Universität Gießen zeigte, dass rund 40 Prozent der Pornosüchtigen in einer Beziehung sind. Allerdings ruiniert die Pornosucht nach und nach diese Beziehung. Statt ein Sexualleben mit der Partnerin zu haben, wird das eigene Vergnügen heimlich alleine vor dem Bildschirm befriedigt.

Dr. Frauke Höllering: "Pornosüchtige haben das Problem, dass der reale Sex irgendwann nicht mehr befriedigend ist. Zum einen ist der bei der Selbstbefriedigung physisch ausgeübte Druck viel größer. Zum anderen steigert sich der Pornosüchtige in Fantasien, die in seinem realen Sexleben nicht vorkommen."

Wege aus der Sucht

​Entzieht sich der Partner mehr und mehr und lebt seine sexuellen Triebe nur noch heimlich vor dem Bildschirm aus, hilft nur das offene, klärende Gespräch. "Man sollte seinen Partner einfach fragen, was ihm im Bett fehlt", so Dr. Frauke Höllering. "Wird die Sucht extremer, zerbrechen viele Beziehungen daran, da die Pornosucht immer mit Heimlichkeit und Scham einhergeht. Ein ständiges Versteckspiel ist die Folge. In diesem Fall kann eine Therapie oder der Beitritt in eine Selbsthilfegruppe helfen."

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