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Liebe & Psychologie

Wenn Sex zum Krampf wird: Was genau ist Vaginismus und was hilft dagegen?

von der gofeminin-Redaktion Veröffentlicht am 3. Juli 2017

Schmerzen beim Sex sind leider keine Seltenheit bei Frauen. Was ihr über Vaginismus wissen solltet.

Unter Vaginismus (auch Scheidenkrampf) versteht der Mediziner ein krampfartiges Zusammenziehen der Beckenbodenmuskulatur und von Teilen der Vaginalmuskulatur. Dieser Krampf ist in der Regel von starken Schmerzen begleitet, die Sex nur eingeschränkt oder sogar unmöglich machen. Frauen mit Vaginismus leiden jedoch oft nicht nur beim eigentlichen Geschlechtsakt. Häufig sind auch gynäkologische Untersuchungen oder die Monatshygiene mit Tampons eine schmerzhafte Prozedur.

Immer wieder kursieren Gerüchte über Scheidenkrämpfe und Vaginismus, bei denen die Verkrampfung derart stark gewesen sein soll, dass der Mann seinen Penis nicht mehr aus der Scheide ziehen und erst ein Arzt das Paar voneinander hätte trennen können. Keine Sorge. Das fällt in die Abteilung moderner Mythos. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei Vaginismus aber um eine schmerzhafte Angelegenheit, unter welcher der weibliche Part schwer leidet. Und wenn die Partnerin Schmerzen hat, war es das natürlich auch für den Mann.

Was steckt hinter Vaginismus?

Grundlegend kann Vaginismus mit einer natürlichen Abwehrreaktion des Körpers beschrieben werden. Die Muskulatur der Vagina verkrampft sich in Erwartung des unerwünschten Eindringens so extrem, dass Gegenstände, Finger oder der Penis des Partners nicht oder nur unter großen Schmerzen eingeführt werden können.

Man unterscheidet in der Medizin zwischen dem primären und dem sekundären Vaginismus. Der primäre Vaginismus besteht von Geburt an. Nicht nur der Geschlechtsakt, auch das Einführen von Gegenständen wie beispielsweise Tampons ist nur unter starken Schmerzen möglich. Der sekundäre Vaginismus tritt nach einem traumatischen Erlebnis auf, sei es nach einer Schwangerschaft, einer Operation, nach sexuellem Missbrauch oder er tritt in den Wechseljahren auf.

Mögliche Ursachen von Vaginismus

Die Ursachen von Scheidenkrämpfen können sowohl körperlich als auch psychisch bedingt sein. Körperliche Hintergründe können im Bereich von Muskelfunktionsstörungen zu finden sein.

Typische Ursachen aus dem psychischen Bereich sind negative Sexualerfahrungen, beispielsweise durch eine extreme oder gewaltbelastete Begegnung mit Sex. Auch im späteren Leben gemachte negative Erfahrungen, die im Unterbewusstsein Schmerz mit dem Genitalbereich in Verbindung (z.B. eine traumatische Geburt) gebracht haben, können sich in Form eines Vaginismus äußern.

Grundlegend ist Vaginismus eine Abwehrreaktion des Körpers. Ohne Klärung der Ursache kann der Scheidenkrampf sich häufen oder zu einer regelmäßig auftretenden Symptomatik werden, die durch die Angst vor dem nächsten Scheidenkrampf noch verstärkt wird. Diese Ursache gilt es zu finden und gegebenenfalls mit Hilfe fachärztlicher Unterstützung zu beheben.

Behandlung von primärem Vaginismus

Der primäre Vaginismus wird häufig über eine Desensibilisierung, beispielsweise mittels Dilatoren in verschiedenen Größen, behandelt. Hierbei wird die Vagina schrittweise daran gewöhnt, zu Beginn kleinere, später größere Dilatoren aufzunehmen, ohne zu verkrampfen. Man geht in kleinen Schritten vor, sodass das Einführen mit jedem Üben leichter wird.

Ziel ist es, der Frau die Angst vor dem drohenden Schmerz zu nehmen und das krampfartige Zusammenziehen der Muskeln in der Vagina zu verhindern. Entspannungsübungen und Beckenbodentraining können diese Behandlung ergänzen. Wird der Vaginismus durch körperliche Ursachen ausgelöst, kann die fachgerechte Behandlung meist relativ schnell zum Erfolg führen.

Behandlung von sekundärem Vaginismus

Beim sekundären Vaginismus ist zumeist ein traumatisches Erlebnis ursächlich für die Scheidenkrämpfe. Die Angst vor den Scheidenkrämpfen kann hierbei ebenfalls mittels Dilatoren, aber auch durch Muskelentspannungsübungen, Beckenbodentraining und vergleichbaren Therapien behandelt werden.

Aber natürlich steht hier die psychologische Betreuung und Beratung im Vordergrund. Häufig sind langfristige Therapien von Nöten, um der betroffenen Frau das positive Empfinden und die Freude an der Sexualität zurückzubringen oder überhaupt erst zu entwickeln.

Wo bekommen Betroffene Hilfe?

Sicherlich ist es nicht leicht, sich mit dieser Problematik Hilfe zu holen. Aber man sollte sich unbedingt trauen. Als Gesprächspartner sollte vor allen Dingen der eigene Partner und der Gynäkologe der Patientin zur Seite stehen. Die Möglichkeit, offen über die eigenen Beschwerden zu sprechen, kann bei einem kurzfristig eingetretenen (sekundären) Vaginismus durch Verständnis und Rücksichtnahme häufig schon gelindert werden, da somit erste Ängste gelöst werden können.

Die Ursachenforschung sowie die darauf folgende Behandlung des Vaginismus sollte umgehend erfolgen. Jeder weitere Scheidenkrampf verstärkt die Symptomatik. Diese Erkrankung erfordert somit nicht nur von der Patientin selbst Ausdauer und Disziplin bei der Durchführung der Übungen, sondern auch vom Partner ein hohes Maß an Verständnis und Rücksichtnahme, in der für Druck kein Platz ist.

Je wohler und weniger unter Druck gesetzt sich die Patientin in der Partnerschaft fühlt, desto leichter kann sie sich mit ihrem Körper und dem Vaginismus auseinandersetzen, um wieder Lust und Leidenschaft zusammen mit dem Partner erleben zu können.

Weitere Infos zum Thema findet ihr auch hier auf onmeda.de.

von der gofeminin-Redaktion

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