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Dispaneurie: Wenn Sex Schmerzen verursacht

von Rédac Teemix Veröffentlicht am 13. November 2008

Sex gilt als die schönste Nebensache der Welt. Doch manchmal kann diese Nebensache auch starke Frustrationen hervorrufen, beispielsweise durch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Immer häufiger wird in diesem Zusammenhang der Begriff Dispaneurie (auch Dyspaneurie) genannt. Doch was hat es damit auf sich? Ist es eine Krankheit? Kann man sie heilen? Und wer stellt einen solchen Umstand fest, wo doch der Geschlechtsakt eine sehr persönliche Angelegenheit ist?

Während man früher unter der Dispaneurie die fehlende Beteiligung der Frau am Geschlechtsverkehr verstand und dies mit einer „Unfähigkeit zum Orgasmus“ in Verbindung brachte, versteht man heute darunter den Umstand, dass ein Paar nicht miteinander „funktioniert“. Dies betrifft sowohl den geistig-seelischen Bereich als auch die Sexualität. Dass dies früher vorrangig der Frau „in die Schuhe geschoben“ wurde, dürfte wohl vor allem damit zusammenhängen, dass Frauen in der Regel eine seelische Harmonie mit dem Partner benötigen, um sich in Lustempfinden fallen zu lassen.

Inkompatibel beim Sex?

Wenn ein Paar keinen erfüllenden Sex miteinander haben kann, leidet schnell die Partnerschaft. Unter Dispaneurie leiden Frauen häufiger als Männer. Die Ursachen können vielfältiger Natur sein und bilden häufig einen Kreislauf, der nicht selten in Schmerzen beim Geschlechtsverkehr mündet. Eine Frau benötigt die Anregung zum Lustempfinden, damit der Körper entsprechend auf die Lust reagiert.

Nur erregt ist frau in der Lage, ausreichend viel Scheidensekret zu produzieren. Ist frau nicht in der Stimmung oder noch nicht erregt genug, fehlt das Scheidensekret, um die Aufnahme des Penis beim Geschlechtsakt zu erleichtern. Der Sex wird unangenehm, was beim nächsten Mal zu noch mehr Unlust führt – der Kreislauf beginnt.

Schmerzen beim Sex

Befindet ein Paar sich erst einmal in diesem Kreislauf, ist es schwierig wieder herauszufinden. Die Ursachenforschung wird dabei zumeist durch Scham und Schweigen erschwert. Die Betroffenen leiden stumm vor sich hin, ohne mit dem Partner oder einem Arzt darüber zu sprechen. Die Art der Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ist dabei ebenso zu untersuchen wie ihr Auftreten.

Während manche Frauen einen krampfartigen Schmerz in der Scheide beim Eindringen des Penis spüren, fühlt sich das Eindringen bei anderen Frauen wie das Einführen eines Reibeisens an. Andere wiederum haben die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr in besonderen Stellungen und berichten beispielsweise über das Gefühl eines „Anstoßens“ des Penis am Muttermund.

Die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können sich also stark unterscheiden und ebenso unterschiedliche Ursachen haben.


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Ursachen für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Bei der Ursachenforschung sollte man offen zu sich selbst und zum Partner sein. Eine Untersuchung beim Frauenarzt (für Männer beim Urologen) kann zu Beginn der Ursachenfindung körperliche Hintergründe von seelischen Ursprüngen differenzieren. So kann der Schmerz beim Geschlechtsverkehr beispielsweise durch eine Entzündung oder eine Verletzung im Genitalbereich entstehen oder durch Bakterien oder Pilze ausgelöst werden.

Je nach Krankheitsbild sollte der Partner ebenfalls untersucht werden, um beispielsweise bei einer Pilzinfektion eine Neuansteckung zu vermeiden. Treten die Schmerzen bei einem tiefen Eindringen des Penis auf, könnte das auf Zysten oder Tumore im Bereich von Gebärmutter oder Eierstöcken hinweisen. Auch einige spezifischere Erkrankungen können ursächlich für den Schmerz beim Geschlechtsverkehr sein.

Sind körperliche Ursachen von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ausgeschlossen, sollte man an die Erforschung in Frage kommender seelischer Ursachen gehen. Bisweilen benötigt einer der Partner einfach mehr Vorbereitungszeit, bis der notwendige Erregungszustand erreicht ist. Diesem Umstand kann mit einem verlängerten Vorspiel bereits Abhilfe geschafft werden. Gegebenenfalls kann auch vorherrschender Stress (z.B. auf der Arbeit) ursächlich für die „Unlust“ sein, da er den Partner vom „Sich-fallen-lassen“ abhält. Auch Abneigungen gegen bestimmte Stellungen, nicht erfüllte sexuelle Fantasien und fehlender Reiz (z.B. in langjährigen Partnerschaften) sind Aspekte, die in die Ursachenforschung für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie die Lösung der Problemsituation einbezogen werden können.

Trockene Scheide und Vaginismus

Ist die Scheide beim Geschlechtsakt zu trocken, fühlt sich das Eindringen des Penis schnell schmerzhaft an. Eine bewusste oder unbewusste Ablehnung des Aktes zum angedachten Zeitpunkt kann ebenfalls zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. Starke Ablehnungen können darüber hinaus zu einer Verkrampfung der Scheidenmuskulatur führen, die als Vaginismus bezeichnet wird. Gerade Frauen neigen im Rahmen der Partnerschaft dazu, ihre eigene Unlust oder eine unzureichende Erregung zu unterdrücken und nehmen den Geschlechtsakt mit ihrem Partner dennoch hin.

Kommt dieser „Pflichtakt“ häufiger vor, beginnt das Gehirn, den „Sex“ mit den unangenehmen bis schmerzhaften Empfindungen in Verbindung zu bringen, wodurch sich eine grundlegende Abneigung bis hin zum Ekel gegenüber der Sexualität entwickeln kann, weil bei jeder Annäherung der Symphatikus-Nerv („Flucht- oder Stressnerv“) angesprochen wird. Ist dieser Punkt erst erreicht, können nur noch ein großes Verständnis des Partners und gegebenenfalls eine fachärztliche, psychologische Betreuung helfen, den verhängnisvollen Kreislauf der Dispaneurie zu durchbrechen.

Gemeinsam gegen die Dispaneurie

Entsprechend der aufregenden Möglichkeiten, die Zärtlichkeiten und Sexualität bieten, sollte man es gar nicht erst soweit kommen lassen, dass sich eine Dispaneurie ausbilden kann. Offenheit, Kommunikation und die Wahrnehmung des Schmerzes beim Geschlechtsverkehr als Warnsignal des Körpers können dabei helfen. Jeder Schmerz hat eine Ursache und sollte auf diese hin geprüft werden. Falsche Scham und mangelnde Kommunikation lassen den Schmerz beim Geschlechtsverkehr nicht geringer werden, sondern führen stattdessen in eine die Lebensqualität in der Partnerschaft deutlich einschränkende Situation, aus der man alleine nicht mehr herauskommt.

Frau sollte sich niemals scheuen zu sagen, dass sie im Moment keine Lust hat oder noch nicht erregt genug für den Akt selbst ist. Vermehrt auftretende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sollten stets von einem Arzt untersucht werden und die schönste Nebensache der Welt auf keinen Fall zu einem lästigen Pflichtakt verkommen. Denn jeder Mensch hat das Recht auf eine erfüllte Partnerschaft – ohne Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, aber mit ganz viel Spaß daran.

von Rédac Teemix

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