Sexuelle Fantasien: Erfüllung oder Entgleisung?

Veröffentlicht von Dorothee Gebele
Veröffentlicht am 22. Januar 2008

Sie galten lange als absolutes Tabu-Thema, ja gar als schmutzig und beschämend: sexuelle Fantasien. Heute stehen Frauen selbstbewusster zu ihren erotischen Träumen. Und das ist auch gut so. Denn Sexfantasien tragen nicht nur zum psychischen Gleichgewicht bei sondern nähren auch das Verlangen, intensivieren das sexuelle Lusterlebnis und sind damit ein grundlegendes Element eines erfüllten Sexual-lebens. Wie, weshalb, warum? Wir liefern Ihnen die Antworten!

Was ist eine sexuelle Fantasie?
Eine Fantasie ist eine bildhafte Vorstellung bewussten oder unbewussten Verlangens. Die Bilder, Ideen oder Gefühle, die von unserem Gehirn produziert werden, führen ihrerseits zu einem Gefühl oder einem Erregungszustand, vor allem sexueller Natur. Doch diese Fantasien gehören nicht nur der sexuellen Domäne an: Sie können auch andere Verlangens- und Lustbereiche betreffen. Der Begriff "Fantasie" wurde einst von Freud entwickelt um die Idee der Vorstellungskraft zu beschreiben.

Wer hat Fantasien?
Alle Menschen haben Fantasien, egal in welchem Alter, bewusst oder unterbewusst, explizit oder implizit. Frauen entwickeln übrigens genauso viele erotischen Träume wie Männer. Der einzige Unterschied: Männer zeigen weniger Schamgefühl und sprechen offener über ihre sexuellen Fantasien.

Woher kommen Fantasien?
Fantasien sind ein faszinierendes und doch absolut natürliches Phänomen. Sie sind sogar ein Zeichen für eine gesunde Psyche. Meist entspringen sie einem unterbewussten, unterdrückten Verlangen. Sigmund Freud zufolge entstehen Fantasien in der Jugend (zum Zeitpunkt der ersten Masturbationserfahrungen)
oder sogar schon in der Kindheit (im Alter von ca. 6 Jahren).

Wozu dienen sie?
Fantasien ermöglichen es dem Individuum, sich von seinen Alltagsproblemen loszulösen. Das Ich versucht gewisse Mankos des realen Lebens zu füllen, indem es ihnen durch Fantasien zu entrinnen versucht. Fantasien sind demnach eine Art Kompromiss zwischen Traum und Wirklichkeit, Trieben und Verboten, die uns eine vorübergehende Fluchtmöglichkeit bieten. Fantasien zu haben setzt nicht unbedingt eine innere Unzufriedenheit voraus: Unsere Fantasien sind einfach ein Ventil, über das wir den sozialen und moralischen Druck, unter dem wir teilweise stark leiden, evakuieren können.
Fantasien haben zudem eine stark aphrodisische Wirkung. Psychiater und Sexologen unterscheiden diesbezüglich zwei verschiedene Fantasietypen: Die sog. kreativen Fantasien tragen dazu bei unsere sexuelle Beziehung zu bereichern und das Verlangen zu wecken; andere Fantasien ermöglichen es uns, Hemmungen abzubauen und unsere Sexualität voll auszuleben.

Die häufigsten Fantasien
Sexuelle Fantasien treten entweder tagsüber oder beim sexuellen Akt auf. Jeder Mensch entwickelt dabei entsprechend seiner Persönlichkeit unterschiedliche erotische Szenarien.
Doch auch wenn Sexfantasien von einer Person zur anderen unterschiedliche Formen annehmen kann man einige Grundtendenzen ausmachen:
Frauen träumen oft davon an einem abgelegenen, naturbelassenen, wilden Ort (Strand, Wald) oder in der Öffentlichkeit (Parkplatz, Aufzug, am Arbeitsplatz) Sex zu haben. Auch sexuelle Fantasien mit einer spezifischen Person (einem Star, einem Kollegen oder Freund, einem Fremden) treten häufig auf. Manche Frauen stellen sich auch besondere sexuelle Praktiken (fesseln, Augen verbinden, erotische Spiele mit Lebensmitteln) vor. Sexfantasien können sich aber auch auf eine bestimmte Situation beziehen (Geschlechtsverkehr mit einer Frau oder mehreren Partnern haben, die Lieblingsfrau in einem Harem sein, vor einem männlichen Publikum einen Striptease vollziehen..).
Männliche Fantasien sind im Vergleich dazu weitaus wilder: Fellatio, Sodomie, Exhibitionismus, Partnertausch, Sex mit 2 Frauen... gehören zu den verbreitetsten Sexfantasien – die übrigens auch häufiger realisiert werden als die erotischen Träume der Frauen.

Sind alle Fantasien erlaubt?
Unterwerfung beim Geschlechtsverkehr, sadistische Szenen oder Vergewaltigung… Manchmal weichen sexuelle Fantasien stark von den bewussten Wünschen ab und nehmen eher die Form Furcht einflößender Situationen an. Die Spezialisten erklären diese Divergenzen durch ein unterbewusstes, verformtes Verlangen, das einer defensiven Reaktion entspricht. Wenn derartige Fantasien überhand nehmen und beklemmend werden sollte ihnen eventuell mit Hilfe eines Psychotherapeuten oder Psychoanalytikers auf den Grund gegangen werden.

Sollte man seine Fantasien mit dem Partner teilen?
Wir sind es gewohnt, mit unserem Partner über unsere Vergangenheit, unsere Familie und früheren Erfahrungen zu sprechen. Die intimsten Fantasien enthüllen fällt dagegen schwer, da sie leicht falsch verstanden werden können.
Erzählen oder schweigen? Das hängt ganz davon ab, welches Ziel Sie dabei verfolgen. Sexuelle Fantasien können dem Alltagsleben des Paares neue Würze verleihen und die Partner einander wieder näher bringen. Doch gewisse erotische Träume können auch zu Unbehagen führen, vor allem wenn der Partner nicht dieselben Fantasien teilt oder, schlimmer noch, nicht in ihnen vorkommt! Es liegt also an Ihnen einzuschätzen, ob Ihre Fantasien Ihren Partner erregen oder hemmen könnten.

Müssen Fantasien verwirklicht werden?
Für einige Spezialisten gehören erotische Träume der Fantasiewelt an und sollten nur dazu dienen die Libido zu stimulieren, da ihre Realisierung zu Enttäuschungen führen und damit ihre ganze Wirkungskraft zunichte machen könnte.
Für andere sollten Fantasien ausgelebt werden um Hemmungen abzubauen, einem eventuellen Lustmangel entgegen zu wirken und den Orgasmus zu erleichtern.
Folgen Sie also Ihrem Instinkt: Sind Sie wirklich bereit die erotischen Szenen auszuleben, die sich in Ihrem Kopf abspielen?

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