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John Boyne: 'Das späte Geständnis des Tristan Sadler' | ||||||
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London, September 1919: Der junge Engländer Tristan Sadler steigt in einen Zug. Er fährt nach Norwich, um sich dort mit Marian Bancroft, der Schwester seines Kameraden Will, zu treffen. Mit ihm hat er die Hölle des Ersten Weltkriegs durchlebt. Als Gepäck trägt Tristan ein Bündel Briefe mit sich, seine Erinnerung und ein schreckliches Geheimnis. Die Begegnung mit Wills Schwester wird zum einschneidenden Erlebnis für Tristan, doch der Ex-Soldat bleibt Marian die letzte Wahrheit über ihren Bruder schuldig - vorerst. Sie werden dieses Buch lieben, wenn ... Sie die detaillierte, psychologische Schilderungen mögen und sich gerne mit existenziellen Fragen um Schuld, Moral und Wahrheit beschäftigen. Sie werden dieses Buch nicht mögen, wenn … Sie leichte Unterhaltung suchen. Die zum Teil drastische Schilderung von Gefechtsszenen im Roman ist dafür denkbar ungeeignet. Wer sich mit dem Thema Krieg zwar anfreunden, aber der Darstellung einer komplizierten Männerfreundschaft nichts abgewinnen kann, wird ebensowenig ein Fan dieses Romans. Lieblingsstelle: Tristan verbringt die Wochen vor seinem ersten Fronteinsatz in einem Ausbildungslager. Beim ersten Appell wird der Kriegsdienstverweigerer Wolf vom Sergeant und den Kameraden übel beschimpft. Tristan wird in diesem Moment zum ersten Mal auf Will aufmerksam: "Ich beobachte, wie er auf die Beschimpfungen reagiert, und dabei fällt mein Blick zum ersten Mal auf Will Bancroft. Er steht vier Männer weiter links und starrt Wolf mit einem interessierten Ausdruck auf dem Gesicht an. Er wirkt nicht so, als hieße er gut, was Wolf tut, aber er stimmt auch nicht in den Chor der Missfallensbekundungen ein. Es ist, als wollte er das Innere dieses Mannes erfassen, der sich einen Kriegsdienstverweigerer nennt, und als hätte er bisher nur von solch mythischen Wesen gehört und sich immer gefragt, wie sie wohl aussehen mögen. Ich betrachte ihn – Bancroft, meine ich, nicht Wolf -, unfähig, den Blick von ihm zu wenden, und er muss mein Interesse spüren, fängt meine Blick auf und erwidert ihn einen Moment lang, neigt den Kopf leicht zur Seite und lächelt. Es ist seltsam: Ich habe das Gefühl ihn bereits zu kennen.“ Fazit: Der Roman von John Boyle ist kein Wohlfühl-Buch für zwischendurch, denn der Krieg ist sein vordergründiges Thema. Drastische Schilderungen von Grausamkeit und Gewalt bleiben dem Leser nicht erspart. Er wird während des Lesens Zeuge, wie der Krieg Tristan, Will und alle anderen Soldaten an ihre moralischen Grenzen treibt - und wie sie diese zum Teil auch überschreiten. Plötzlich verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse: Die jungen Soldaten erleben Furchtbares, verüben aber auch selbst Grausamkeiten. Prinzipien und Pflichterfüllung, Schuld und Sühne, Familie und Freundschaft werden die zentralen Themen hinter dem Schauplatz Schützengraben. Schließlich opfert Will sein Leben für seine Prinzipien, während Tristan moralisch versagt. Während der eine Freund stirbt, überlebt der andere. Doch der Alltag, in den er zurückkehrt, ist kaum zu ertragen – zu schwer wiegt Tristans Schuld. Mit einem Brief an Wills Schwester beginnt er - verpackt in verschiedene Rückblenden -, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Episoden sind drastisch und schockierend, aber gleichzeitig auch spannend und auf eine ernsthafte Weise unterhaltsam. Was Spaß macht an diesem Buch ist die Identifizierung mit seinem tragischen Helden: Im Verlauf des Romans fragt sich der Leser ständig selbst: Wie hätte ich entschieden?
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Inhaltsverzeichnis Lesetipp: 'Das späte Geständnis des Tristan Sadler'
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