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Der Alpha-Softie 2.0: Das ist laut Umfrage DER Mann, den alle Frauen suchen

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 15. Juni 2017
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So so. Es soll also exakt einen Typ Mann geben, den Frauen suchen. Das behauptet zumindest eine Studie...

Laut einer Studie der Dating-Plattform Elite Partner suchen wir Frauen exakt einen Typ Mann (vorausgesetzt wir suchen einen Mann und keine Frau): den Typ Alpha-Softie 2.0. Klingt per se schon mal so wie der schwarze Schimmel und das beredte Schweigen. Nämlich total unlogisch. Ist ein Alpha-Männchen nicht das genaue Gegenteil vom Softie? Wie soll das zusammen passen?

Hierzu konkretisiert die Studie: "Der Alpha-Softie erfüllt einerseits die herkömmliche männliche Rollenerwartung des klassischen Versorgers und weist andererseits eher weiblich konnotierte Eigenschaften auf, ist familienorientiert, sinnlich und sensibel." Ach ja: Der Traummann ist nebenbei auch noch beruflich erfolgreich, verdient gut und toll im Bett soll er auch sein.

Nun ja. Umfragen in allen Ehren, aber das hier kann man als Frau kaum nachvollziehen. Ein handlicher Softie, der noch dazu Karrieretier und Alphamann sein soll - klingt wenig realistisch, es sei denn, er besitzt eine multiple Persönlichkeit à la Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Und was bitte möchte uns 2.0 suggerieren? Dass er zwar die althergebrachten Klischeestempel "Alpha" und "Softie" abgekommen hat, trotzdem aber ein total moderner Typ Mann ist? Einer, den es vorher so noch nie gab?

'Elite Partner'-Expertin und Diplom-Psychologin Lisa Fischbach erklärt das Ganze so: "Im Idealfall vereint sich in der Persönlichkeit des Alpha-Softies das Beste aus beiden Welten hinsichtlich der Beziehungsqualitäten. Halb bodenständiger Versorger, halb einfühlsamer und inspirierender Partner für die gemeinsame Weiterentwicklung. Die weiblichen Partnerwahlpräferenzen sind auf der einen Seite konservativ, archaisch und auf der anderen Seite offen, modern."

Wenn wir das jetzt mal einigermaßen verstehen wollen: Wir Frauen haben uns emanzipiert und stehen auf eigenen Beinen. Die Zeiten, in denen man seinen Mann nicht verlassen konnte, weil man selbst nicht arbeiten sollte und automatisch als Lebensziel Hausfrau und Mutter vorgegeben bekam, sind zumindest Vergangenheit.

Und klar führen wir deshalb auch andere Partnerschaften als unsere Eltern und Großeltern. Wir suchen einen Mann, der auch in Elternzeit geht, sich im Alltagsleben mehr einbringt, die Kinder mit erzieht und uns auf Augenhöhe entgegentritt. Das, was die Studie etwas unschön mit "Softie" betitelt. Gleichwohl hängen wir auch noch immer irgendwo in traditionellen Mustern und Vorstellungen fest, weshalb uns auch der Alphatyp ins Auge fällt, wenn wir ihm begegnen. Der Versorger, die starke Schulter, die Faszination des Anderen, eben jener, der so gar nicht wie wir Frauen tickt.

Und der Alpha Softie 2.0 ist dann dementsprechend der Mann im Spagat. Der "neue" Typ Mann, den wir Frauen heute scheinbar suchen. Er soll uns den Rückhalt geben, um mit ihm eine Familie zu gründen, finanziell und moralisch, und er soll aber auch der Partner sein, der uns unser eigenes Ding machen lässt, unsere Pläne im Leben respektiert und kein Problem damit hat, mitten auf der Karriereleiter mal einen Elterzeitstopp einzulegen. Garnieren wir das Ganze noch mit "2.0" und fertig ist dieses doch leicht unrealistische Wunderwerk des modernen Mannes. Ganz ehrlich: Da kriegt man ja glatt Mitleid mit den Männern.

Zum Glück sind wir Frauen aber doch Realisten und wissen: Den Typ Alpha Softie in Reinform gibt es nicht. Es kann immer nur Kompromisse geben. Und das wissen wir umso besser, weil wir nämlich auch jeden Tag unsere Frau stehen und mit den modernen Ansprüchen an uns selbst klarkommen müssen. Auch wir Frauen kennen das Problem mit dem Spagat. Wir wollen unserer Rolle als Mutter und erfolgreiche Berufstätige gerecht werden, suchen die Nähe eines Lebenspartners und pochen doch auf unsere Freiheiten und kämpfen tagtäglich dafür, all das für uns zufriedenstellend unter einen Hut zu bekommen. Sind wir deshalb das Feminismus-Frauchen 2.0? Doch hoffentlich nicht!

Sein wir doch mal ehrlich: Wollen wir wirklich immer diesen Alpha Softie Mischling? Ist es nicht doch auch so: Wenn wir einen dominanten Alphamann wollen, dann wollen wir genau das. Und wenn wir den Typ Frauenversteher mögen, dann wollen wir eben auch exakt das. Das ist ja letztlich eine Geschmacksfrage.

So unterschiedlich wir Frauen sind und unsere Vorstellung von einem glücklichen Leben, so unterschiedlich sind eben auch die Männer, die wir uns auswählen. Weil wir eben nicht alle gleich sind, sondern einen Mann brauchen, der zu unserem Temperament passt, zu unserer Vorstellung von Nähe und Distanz, zu unseren Marotten und Eigenheiten. Welcher Supermann soll denn wie ein Puzzle zu all diesen verschiedenen Frauentypen passen? Typ Chamäleon oder was?

Und während uns in jungen Jahren vielleicht wichtig ist, dass er wie irre auf seinem Moped durchs Dorf fährt und der Hecht auf jeder Party ist, so ist es Jahre später vielleicht etwas ganz anderes, was wir für unsere Lebenspläne suchen. Unser Beuteschema ändert sich mit den Jahren.

Also keine Angst, Männer! Ihr müsst für uns nicht das Unmögliche versuchen, ein karrieregeiler Hausmann oder ein feministenfreundlicher Obermacho sein. Wir suchen uns euch schon passend aus. Danke.

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