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Liebe & Psychologie

DAS steckt dahinter, wenn dein Partner unter Beziehungsangst leidet

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 4. April 2017
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Beziehungsangst ist weiß Gott nicht nur ein Phänomen unter Männern. Das ist ein längst überholtes Klischee.

Beziehungsangst betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Und sie hat viele Gründe. Wer darunter leidet, sieht eine feste, enge Bindung nicht als sein größtes Ziel an, sondern als Gefahr. Warum das so ist, versuchen wir hier zu klären.

Beziehungsangst: Prägende Kindheit

Nicht jeder, der unter Beziehungsangst leidet, hatte Rabeneltern. Das wäre zu einfach. Aber oftmals finden sich die Ängste vor zu viel Nähe in der Kindheit begründet. Schließlich lernen wir, was zwischenmenschliche Beziehungen ausmacht am Vorbild unserer Eltern. Ihr Verhalten uns gegenüber und auch untereinander schauen wir uns als Kind ab.

​Führen die Eltern eine gute Beziehung? Wie steht es mit Konflikten: Werden die fair und offen ausgetragen? Hat man als Kind eine Trennung oder einen Verlust einer nahen Bezugsperson erleben müssen? All das prägt uns natürlich unweigerlich. Und aus Angst vor erneuten Verlusten und Zurückweisungen lassen wir niemanden mehr in unsere Nähe. Das muss nicht immer zwangsläufig so sein, aber es passiert oft.

Aber auch das Gegenteil kann dazu führen, dass wir zum Bindungs-Flüchter werden: Auch eine überbehütende, gluckende Mutter, die einen mit ihrer Liebe und Fürsorglichkeit einengt, kann bewirken, dass wir im Laufe unseres weiteren Lebens eher das Weite suchen, sobald uns jemand zu nah kommt. Dass uns Nähe zur Last wird.

Beziehungs­angst: Komplizierte Mr. Right-Suche

Aber auch das kann ein Grund sein: Den richtigen - oder überhaupt einen potentiellen Partner zu finden, wird mit den Jahren immer schwerer. Einerseits, weil sich die Prachtexemplare ohne Traumfrau an der Seite rar machen. Und andererseits, weil man selbst immer anspruchsvoller wird: Eine nette Liebelei, die uns mit 20 noch monatelang beflügelt hätte, lässt mit 30 eher einen faden Déjà-vu-Effekt aufkommen. Das hatten wir doch schon mal - und führt zu nichts...

Eine Beziehung soll jetzt tiefer gehen, der Partner interessant sein, dieselben Werte teilen, uns all das geben, was wir brauchen. Und das ist plötzlich viel mehr als früher. Das macht die Suche kompliziert und nicht selten verkrampfen wir dabei, trauen der neuen Bekanntschaft nicht, einfach, weil wir nicht mehr an die große Liebe zu glauben wagen. Klappt ja eh nicht.

Beziehungs­angst: Verlorenes Vertrauen

Es ist nicht einfach, einem anderen Menschen zu vertrauen. Vor allem, wenn man ihn erst seit Kurzem kennt. Und noch mehr, wenn man in der Vergangenheit enttäuscht wurde. Wie soll man nach einem Vertrauensbruch noch den Mut haben, einem neuen Menschen wieder grenzenloses Vertrauen entgegenzubringen? Es heißt immer, die Zeit heile alle Wunden, aber das kann ganz schön lange dauern. Und manche Wunden heilen nie so ganz.

Nicht selten geschieht es auch, dass man nach einer herben Enttäuschung einen neuen Partner für den eigentlich Verantwortlichen zahlen lässt - wenn auch unbewusst. Wider Willen tritt man dem neuen Partner aus Angst, verletzt zu werden, mit Misstrauen entgegen, obwohl er es gar nicht verdient hat.

Und selbst, wenn man noch nicht böswillig hintergangen wurde: Allein die Tatsache, dass man schon so oft an eine Liebe geglaubt hat, um sie dann scheitern zu sehen, kann schon Grund genug sein, einem neuen Liebesglück zu misstrauen.

Beziehungs­angst: Fester Schutzpanzer

Niemand will angreifbar oder verletzlich sein. Es bedarf also einer Menge Energie, Vertauen und Mut, einem anderen Menschen Zutritt zu seinem Herzen, zu seinem tiefsten Inneren und zu seinen intimsten Gefühlen zu gewähren. Die Gefahr, einem anderen sein wahres Ich zu offenbaren und dann vielleicht doch verlassen zu werden, besteht immer. In der Liebe gibt es leider keine Garantie. Und die Folgen einer solchen Enttäuschung können verheerend sein.

Die einfachste Lösung, sich vor Verletzungen zu schützen, ist natürlich, sich erst gar niemandem zu öffnen: Man baut eine riesige Schutzmauer um sich auf, um keinen nah genug an sich heranzulassen, dass er einem weh tun könnte - und sucht sich seine Glücksmomente in anderen Bereichen: Job, Freunde, Hobbys,...

Beziehungs­angst: Müde vom ewigen Daten

Oftmals stellen wir uns die Frage: Schon wieder eine völlig neue Person kennenlernen? Schon wieder versuchen, eine gute Figur zu machen, lustig und interessant zu wirken, nicht zu zurückhaltend, aber auch nicht zu direkt zu sein... und vor allem: Schon wieder versuchen, seine Reaktionen, Worte und Gesten zu interpretieren? Und das alles wozu? Um doch wieder dem nächsten Fiasko entgegenzusteuern? Manche Menschen leiden mehr als andere darunter, dass man ihnen das Herz gebrochen hat. Sie schaffen es nicht mehr wirklich, darüber hinwegzukommen.

Andere lernen einen enttäuschenden Typen nach dem anderen kennen und sind einfach erschöpft: Sie haben die ewigen fruchtlosen Dates satt. Oder aber sie haben schon lange kein Date mehr gehabt und fürchten sich vor dem neuen Unbekannten. Und je länger die Dating-Pause dauert, desto schwieriger scheint es, den ersten Schritt wieder zu wagen. Das First Date-Trauma kann vielerlei Formen annehmen und der Lust auf eine neue Liebe einen schweren Riegel vorschieben.

Beziehungs­angst: Zu viele Möglichkeiten

Niemand will sich für den Falschen entscheiden. Was also, wenn es in der weiten Welt doch einen Mann gibt, der noch besser passen würde? Ein wahres Dilemma. Vor allem, weil es auf diese Frage keine definitive Antwort gibt. Oder zumindest werden wir nie die absolute Gewissheit haben... Denn entscheiden wir uns trotz Zweifel für einen Partner, wissen wir nicht, ob ein anderer nicht doch besser gepasst hätte. Und entscheiden wir uns gegen einen potentiellen Partner, erfahren wir nie, wie es mit ihm gewesen wäre...

Gerade die vielen Möglichkeiten seinen Partner online kennenzulernen, bei Dating-Portalen, bei Facebook oder in Foren, verleiten viele Menschen dazu, völlig atemlos von einem potentiellen Partner zum nächsten zu hechten. Die Verfügbarkeit macht in diesem Moment den Datingpartner in gewisser austauschbar. Vielleicht ist ja noch irgendwo einer, der besser zu mir passt? Vielleicht verpasse ich den perfekten Partner, wenn ich diesem hier eine Chance gebe?​ Auch dieser Umstand kann dafür sorgen, dass wir beziehungsunfähige Mammut-Dater werden.

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