Distanzierte Nähe: Über (Halb-)­Beziehungen und Bindungs­angst

Bindungsangst

   

Bindungsangst kann schon im Kindesalter geschaffen werden. Aber wir können etwas dagegen tun. - Bindungsangst
Bindungsangst kann schon im Kindesalter geschaffen werden. Aber wir können etwas dagegen tun.
Die Ursachen für die Bindungsangst liegen in unserer Kindheit. Denn die Bindung zu unserer Mutter ist meist die Grundlage für alle weiteren Beziehungen. Dr. Höllering: "Die Beziehung zur Mutter ist nicht unwichtig: Lässt sie einen nicht erwachsen werden, behütet sie über und räumt alle Hindernisse aus dem Weg, dann lernt man keine Verantwortung und keine Frustrationstoleranz. In der späteren Partnerschaft wird sich getrennt, sobald es schwierig wird. Wer alles nachgesehen bekommt, wird egoistisch und lernt nicht, sich für den anderen einzusetzen und auch mal aufzuopfern".

Liebe 2.0
Die moderne Art zu kommunizieren, sich virtuell statt real zu treffen, kommt Menschen mit Bindungsangst entgegen. Eine SMS statt ein Anruf, ein Foto via MMS statt ein Treffen, ein "anstupsen" auf Facebook statt einer Berührung. Das schafft eine Pseudo-Nähe. Dr. Höllering: "Wir sind heute beziehungsunfähiger als früher, weil wir zu egozentrisch sind, um die Individualität des Partners zu achten und zu lieben. Der Egoismus ist ungeheuer, das Angebot an potentiellen Partnern gleichzeitig sehr groß. Dank Internet tauscht man schnell mal den Partner aus, wenn nicht alles perfekt ist". Und die schier unendlich große Anzahl an Freunden und Kontaktmöglichkeiten gaukelt uns vor, nicht einsam zu sein - auch wenn wir es längst sind.

Perfekte Körper, perfekte Beziehung
Auch das Bild in den Medien gaukelt uns etwas vor: Perfekte Körper, wildes Liebesleben, große Liebe sind erstrebenswert. Ein Anspruch, dem wir in unserem realen Leben nachzueifern versuchen. Dr. Höllering: "Unsere Ansprüche sind durch die Medien verzerrt. Geld und Aussehen ist zu wichtig, und das Fehlen der Frustrationstoleranz bedingt einen regelmäßigen Austausch der Partner. Die Ansprüche auch an den Sex sind ungeheuerlich, man meint, es müssten auch nach Jahren regelmäßig Feuerwerke explodieren. Das kann nicht gut gehen."

Für viele Menschen ist es der Übergang von der großen Verliebtheit in den Alltag, der ihnen Probleme bereitet. Oft wird nicht erkannt, dass erst jetzt wahre Liebe entsteht. Im Alltag. Im Auseinandersetzen miteinander, mit allen Konflikten und Problemen.

Offene Bekenner der Bindungsangst
Es doch gibt es sie: Menschen, die zu ihrer Bindungsangst stehen. Die sich arrangiert haben. Sie stehen zu zweit auf einer Party und erzählen offen, dass sie eine eher lockere Beziehung führen. Man sei zusammen, aber die ganz große Liebe und so ganz fest sei es dann doch nicht. Diese Halbbeziehung ist ein offenes Konstrukt, das die Vorteile einer Beziehung und die Vorteile des Singledaseins miteinander verbindet. Man hat die Nähe und Zuneigung des anderen, Zärtlichkeiten und Sex, aber man behält auch seine Freiheit. Der Alltag bleibt außen vor, man trifft sich, wenn es gerade passt.

Manöverkritik und Analyse
Wenn so eine lockere Beziehung für beide Partner in Ordnung ist, kann es gut gehen. Aber es kann auch schnell aus dem Gleichgewicht geraten, wenn sich die Prioritäten des einen Partners ändern. Eine wirkliche Lösung für Menschen mit Bindungsangst ist dieses Modell deshalb nicht.

Der einzige Weg für Menschen mit Bindungsangst ist, sich ihrer Angst zu stellen! Das heißt: Die immer gleichen Beziehungsmuster zu durchbrechen, indem die eigenen Handlungsmuster erkannt und geändert werden. Dann wird aus dem utopisch perfekten Mr. Right der reale Mann neben uns auf dem Sofa, mit dem wir unser Glück langfristig finden können.


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Veröffentlicht von
am 28/09/2011
Die Lesernote:2/5 
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