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Häusliche Gewalt: Wenn der geliebte Mensch zuschlägt

Häusliche Gewalt

   

Vertuschte Gewalt: Hinterlässt die häusliche Gewalt Spuren, geraten die Frauen in Erklärungsnot. - Häusliche Gewalt
Vertuschte Gewalt: Hinterlässt die häusliche Gewalt Spuren, geraten die Frauen in Erklärungsnot.
Je länger die häusliche Gewalt anhält, desto schwieriger wird es für das Opfer, den gewalttägigen Partner zu verlassen. Denn mit der Zeit verändert sich auch das Selbstbild der geschlagenen Frau. Wem die Würde und das Selbstbewusstsein genommen ist, der fühlt sich nicht stark genug, um dem Partner die Stirn zu bieten.

Frau Dr. Frauke Höllering erklärt: „Im Laufe der Jahre wird das Selbstbewusstsein so demontiert, dass man gar keinen klaren Blick mehr dafür hat, was man wert ist. Wenn dann noch ein Kind im Spiel ist, ist das schlechte Gewissen noch größer.“ Und die Situation zermürbt: „Eine solche 'Beziehung' laugt extrem aus. Man ist zu kraftlos, um zu überlegen, wie genau man eine Trennung bewerkstelligen könnte. Auch hat man schlicht Angst vor der Reaktion des Verlassenen."

Soziale Isolation
Das Schlimme: Die Frauen sind in ihrer Situation meist vollkommen alleine. Es hat sich gezeigt, dass von häuslicher Gewalt betroffene Frauen meist wenig sozial vernetzt sind und so kaum auf Hilfe und Unterstützung hoffen können. Das belegte auch eine Studie des Bundesfamilienministeriums: Frauen, die sozial isoliert sind, waren erheblich häufiger von schweren Misshandlungen betroffen (27 Prozent im Gegensatz zu 9 Prozent).

Selbst die Verwandten sind oft ahnungslos. Aus Scham vertrauen sich die geschlagenen Frauen niemandem an und versuchen das Geschehene zu vertuschen. Die Frau mit dem blauen Auge, die "nur die Treppe runtergefallen" ist, ist hier ganz typisch. Frau Dr. Höllering: „Soziale Kontakte brechen betroffene Frauen oft bewusst ab und nehmen aufgrund ihrer Schuldgefühle ihre Männer in Schutz. Sie haben darum wenig sozialen Rückhalt, der ihnen bei einer Trennung hilft.“

Familiäre Leidensgeschichten
Oft leiden auch die Kinder unter der häuslichen Gewalt. Nicht nur, weil sie selbst beschimpft und geschlagen werden, sondern dadurch, dass sie mit ansehen müssen, was ihrer Mutter angetan wird. Das hat schwerwiegende Folgen für die eigene Entwicklung. Gerade sehr kleine Kinder nehmen ihre Eltern als Vorbild. Nicht selten werden Kinder mit gewalttägigem familiärem Hintergrund selbst irgendwann Opfer - oder Täter.

Auffallend oft finden sich in gewalttätigen Beziehungen Partner, die beide aus gewalttätigen Familienverhältnissen stammen. Laut einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen der (passiven) Beobachtung häuslicher Gewalt und der aktiven Gewalttätigkeit. Gewalt in der Kindheit, egal ob direkte oder miterlebte Gewalt, ist, so die Studie, ein Risikofaktor für das Erleben von Gewalt in der Partnerschaft im Erwachsenenalter.

So haben viele misshandelte Frauen bereits misshandelte Mütter. Der Grund: Die Tochter hat gesehen, dass die eigene Mutter trotz der Gewalt bei ihrem Mann geblieben ist. Und ihn womöglich noch in Schutz genommen hat. So übernimmt die Tochter unbewusst das geringe Selbstverständnis ihrer Mutter und die Rollenverteilung von Mann und Frau, das ihr in früher Kindheit vorgelebt wurde. Sie hat gelernt, dass die Gewalt des Vaters erduldet werden muss.

Entscheidung zur Trennung
Die Gründe, warum die Frauen trotz allem bei ihren gewaltätigen Männern bleiben oder immer wieder zu ihnen zurückkehren, sind für Außenstehende meist nicht nachvollziehbar. Doch das Geflecht aus Gewalt und Unterwerfung ist enorm wirksam. In der von häulicher Gewalt geprägten Beziehung wird der Täter für die Frau der wichtigste Mensch, der ihr Leben komplett bestimmt. Er entscheidet über Glück oder Unglück, über Schläge oder Streicheleinheiten. Hamila Vasiri, Mitarbeiterin im Frauenhaus Köln, sagt: „Es ist eine Mischung auf Gewohnheit und Angst. Die Frauen denken: Männer sind so, und das muss man aushalten. Und wenn man emotional abhängig ist, kann man schwer gehen.“

Viele Frauen bleiben zudem, weil sie den gemeinsamen Kindern den Vater nicht nehmen wollen oder um der Gesellschaft Willen. Hamila Vasire: „Der Wunsch nach Familie ist durch den gesellschaftlichen Druck so hoch, dass die Frauen ihre Familie um jeden Preis halten wollen. Sie haben Angst vor Gesichtsverlust und wissen schlichtweg nicht, wohin sie gehen könnten." Schließlich verlässt man nicht nur einen Partner, sondern oft auch das Zuhause. Und viele Frauen wissen in der Notlage nicht, wo sie vor ihrem Partner und seiner Rache sicher sind."

Auslöser zu gehen
Was letztendlich der Auslöser ist, warum Frauen sich entscheiden zu gehen, ist unterschiedlich. Hamila Vasiri erklärt: „Manche planen ihre Flucht lange im Voraus und verstecken Sachen im Keller. Andere sind gerade schlimm verprügelt worden, bevor sie flüchten. Oder der Impuls zur Flucht kam von außen, zum Beispiel, weil die Frauen im Kindergarten oder von Freunden auf die Situation angesprochen werden.“

Doch meist braucht es mehrere Anläufe, um endgültig zu gehen und sich zu trennen. Denn viele Frauen, denen die Flucht gelungen ist, lassen sich durch die Liebesbekundungen, Besserungsversprechen und Appelle an die gemeinsame Liebe vom Partner zur Rückkehr bewegen. Und der Teufelskreis aus häuslicher Gewalt und Angst beginnt erneut. Mit Dummheit hat das in keiner Weise zu tun - sondern mit einem extrem langen Leidensweg.


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Veröffentlicht von
am 25/11/2011
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Inhaltsverzeichnis Häusliche Gewalt gegen Frauen

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