Living apart together

  

Immer weniger Paare wohnen zusammen. Nähe mit dem Wunsch nach Distanz. - Living apart together
Immer weniger Paare wohnen zusammen. Nähe mit dem Wunsch nach Distanz.
Generationen vor uns haben es getan. Sie haben sich verliebt, geheiratet, Kinder bekommen und sich ein trautes Heim geschaffen. Heute sind wir freier in der Wahl unserer Lebens- und Beziehungsformen. Und damit fängt die Problematik an. 'LAT' heißt die Alternative zur gemeinsamen Wohnung. Es ist eines dieser neudeutschen Abkürzungen, mit denen moderne Lebensformen gerne etikettiert werden. 'Living apart together' - getrennt zusammen leben - bezeichnet das Lebensmodel von Paaren, die nicht zusammen wohnen.

Beziehungskiller Alltag?
Gemeinsames Leben ja, aber kein Alltag und keine Diskussionen über Spülberge und Wäschetrockner. Besonders in Großstädten ist diese Form der Partnerschaft weit verbreitet. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ist der Anteil der LAT-Paare innerhalb von 14 Jahren um 15 Prozent gestiegen, bei Männern über 38 Jahre sogar um 70 Prozent.

Was ersparen sich LAT-Paare durch ihr räumliches Getrenntsein - und was verpassen sie? LAT wirkt mitunter wie der Kompromiss zwischen Single-Leben und Partnerschaft. Vor- oder Nachteil für Dauer und Intensität der Liebe?

Natürlich gibt es Vorteile: Wer getrennt lebt, hat keinen gemeinsamen Alltag. Trifft man den Partner, verabredet man sich bewusst, umgeht das Alltägliche. Die Beziehung hat dadurch eine Art Dating-Charakter. Das heißt: Man bleibt auch mal alleine, wenn man sich unpässlich fühlt. Ungeschminkt - körperlich und geistig - bekommt einen der Partner nicht zu Gesicht.

Der Psychologe Wolfgang Krüger sieht darin aber nicht nur Vorteile für die Beziehung. „Wenn man nicht zusammenwohnt, sind die Treffen immer in einer gewissen Weise inszeniert, man trifft sich, um etwas zu unternehmen. Das kann spannend sein und schön, aber es fehlt die mittlere Vertrautheit, die dann einsetzt, wenn sie die Steuererklärung schreibt und er sich in der Küche um das Essen kümmert. Dann hört man sich, begegnet sich kurz, berührt sich, jeder macht immer wieder sein eigenes Programm, und doch ist man innerlich getragen von der Anwesenheit des anderen. Es ist ungemein beruhigend zu spüren, dass der Partner da ist - bereits dies führt zu dem Wohlbehagen, dem Aufgehobensein, das man kaum kennt, wenn man nicht zusammenwohnt.“

Zusammen zu ziehen, ist für viele ein mutiger Schritt.
Zusammen zu ziehen, ist für viele ein mutiger Schritt.
Angst vor zu viel Nähe

LAT-Beziehungen sind oft unverbindlicher und instabiler als die von Paaren, die gemeinsam wohnen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergab, dass sich diese Paare häufiger trennen als gemeinsam lebende Paare. 50 Prozent zerbrechen innerhalb von sechs Jahren. Das liegt weniger daran, dass die Partner in diesen Beziehungen weniger zufrieden sind, sondern daran, dass es leichter fällt sich zu trennen, wenn man bereits getrennt wohnt. Wer allein wohnt, hat oft ein großes soziales Umfeld und ist es gewohnt auf eigenen Beinen zu stehen. Wer mit seinem Partner hingegen zusammenwohnt, teilt im Alltag Aufgaben und Sorgen - und das verbindet. Das bestätigt auch Wolfgang Krüger: „Es schweißt zusammen, wenn man jeden Tag zusammen frühstückt, sich dann gemeinsam um den Garten kümmert, den Einkauf bewältigt. Und die Fenster streicht.“

Größeres Streitpotential
Doch eine gemeinsame Wohnung birgt auch mehr Streitpotential als die eigenen vier Wände. Wäsche waschen, Bad putzen - plötzlich muss man sich mit dem Liebsten über dreckige Wäsche unterhalten und nicht selten erkennen Frauen schließlich, dass sich ihr Partner bislang reinlicher präsentiert hat, als er wirklich ist. Jetzt, da man zusammen wohnt, fällt der eine oder andere Schleier und Putzallergien und andere Marotten treten ungeschönt zutage. Das sorgt nicht selten für Konflikte. Wolfgang Krüger erläutert: „Und plötzlich wird die Frage des Rauchens oder der Ordnung zum Generalthema in der Beziehung. Sie versucht ihn zu ändern, er wehrt sich dagegen und die Nähe schmilzt zunehmend dahin.“

Aufeinander Rücksicht nehmen, Kompromisse machen - der Psychologe sieht hierin eine wichtige Aufgabe für jedes Paar, an der es wachsen kann: „Das Zusammenleben ist letztlich eine Kooperationsaufgabe. Man muss beispielsweise die Hausarbeit aufteilen.“

> Gemeinsam Wohnen: Das sind die Vorteile




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Veröffentlicht von
am 18/08/2012
Die Lesernote:2/5 
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