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Living apart together

   

 - Living apart together
Mehr Streitthemen, wenig Rückzugsmöglichkeiten - Probleme, die LAT-Paare nicht haben. Kommt es bei ihnen zu Streit, können sie sich in verschiedene Wohnungen zurückziehen. „Dies kann entspannend für beide Beteiligten sein, da man erst dann wieder auf den anderen zugeht, wenn sich der Konflikt etwas beruhigt hat“, sagt Wolfgang Krüger. Doch das Ausweichen birgt natürlich auch eine Gefahr. „Lebt man in einer Wohnung zusammen, muss man irgendwann miteinander reden.“ Deshalb sind solche Paare oft konfliktfähiger.

Zeiten der Distanz
Die Zeit, die getrennt lebende Partner für sich haben, ist ungleich größer als bei zusammenlebenden Paaren. Krüger: „Wenn man nicht zusammen wohnt, gibt es automatisch Zeiten der Distanz. Man sieht sich üblicherweise nur am Wochenende und vielleicht noch am Mittwoch. Dann telefoniert man vielleicht jeden Abend für eine halbe Stunde, aber ansonsten macht jeder etwas für sich. Mehr als die Hälfte der freien Zeit hat jeder zur eigenen Verfügung, das Bedürfnis nach Freiheit ist dadurch erfüllt.“

Zieht man zusammen, ist das ein enormer Einschnitt. Plötzlich sieht man sich am Wochenende von morgens bis abends. Wolfgang Krüger sagt: „Jeder muss nun die Eigenarten des anderen respektieren, ohne die eigenen Bedürfnisse aufzugeben. Beide müssen einen Weg finden, aufeinander zuzugehen, und dies ist nur möglich, wenn man Kompromisse macht. Man braucht viel Humor, um sich nicht ständig über den anderen zu ärgern.“ Letztlich ist es also eine Frage, was man will: Legt man Wert auf Zusammenhalt und Nähe oder sind Eigenständigkeit und Autonomie wichtiger.

Nähe mit Rückzugsraum

Bei aller Nähe in einer gemeinsamen Wohnung sollte man auch offen über die Möglichkeit des Alleinseins reden. „Das ist eine ganz zentrale Frage“, bestätigt Wolfgang Krüger. „Jeder sollte einen eigenen Rückzugsraum haben.“ Ein geteiltes Schlafzimmer, ein Bett, ein Schreibtisch und ein Kleiderschrank - das ist eher was für Fortgeschrittene 'Zusammenwohner'. Lieber mit zwei Schlafzimmern starten und später die Raumordnung zugunsten eines gemeinsamen Schlafzimmers ändern, als umgekehrt. Das nachträgliche 'Auseinanderrücken' wäre jedenfalls ein ziemlicher Knacks für das partnerschaftliche Glück in den eigenen vier Wänden.

Ein Plus für die Erotik?
Kuschelstunden auf dem Sofa und jede Nacht neben dem Liebsten schlafen - viele Singles glauben, dass man mehr Sex hat, wenn man zusammenwohnt. Die Realität sieht jedoch anders aus. „Jedenfalls ergab eine Umfrage am Londoner University College, dass die Frauen dann weniger Lust auf Sex haben, während sie bei den Männern zunimmt,“ sagt Wolfgang Krüger. „Vor allem stört Frauen, dass Männer oft dazu neigen, nach dem Zusammenziehen mit dem Werben aufzuhören.“ Irgendwann redet man womöglich nur noch darüber, wer einkaufen geht und wer den Müll runter bringt, anstatt sich mal wieder etwas Nettes zu sagen.

Kooperationstest für Paare
Dennoch ist das gemeinsame Wohnen nicht zum Scheitern verurteilt. Ganz im Gegenteil. Eine positive Bilanz zieht auch der Sozialprofessor Laszlo A. Vaskovics. Er beobachtete sechs Jahre lang 900 deutsche Paare, die zusammen wohnten. Wolfgang Krüger erklärt: „Nur ein Drittel der Paare trennte sich am Ende des Versuchszeitraums. Doch fast zwei Drittel waren schließlich verheiratet oder wollten heiraten. Die typische Entwicklung des Zusammenlebens ist also nicht, dass zu viel Abstand entsteht, sondern dass man schließlich heiratet. Offenbar werden Beziehungen stabiler, wenn man zusammenwohnt.“

Und eine weitere interessante Beobachtung machte der Experte, die nicht wenige Frauen überraschen dürfte: „Schwierig scheint das Getrenntleben vor allem für Männer zu sein, die heutzutage viel schneller zusammenziehen möchten als Frauen. Nach einer Umfrage von ElitePartner möchte jeder zweite Mann schon nach wenigen Monaten mit der Partnerin zusammenleben, während die Frauen eher zögern.“
Überstürzt sollte niemand mit seinem Koffer vor der Haustür des Liebsten stehen. Denn Regel Nummer eins beim Zusammenziehen lautet: Nicht zu ihm oder ihr ziehen, sondern gemeinsam etwas Neues starten.

Und wenn es doch die Wohnung eines Partners sein muss, dann sollte diese zumindest neu gestaltet werden, damit sich der hinzugezogene Partner nicht wie ein Besucher fühlt, der geduldet wird. „Wenn man sich eine neue Wohnung sucht, hat das den Vorteil, dass man auch symbolisch einen Neuanfang macht“, sagt Wolfgang Krüger. Das wäre ein idealer Start mit gleichen Bedingungen und Mitgestaltungsmöglichkeiten für beide Partner. Zumal die gemeinsame Planung und Wohnungssuche sowohl anstrengend als auch verbindend sein kann. „Lassen Sie sich für die Planung Zeit,“ rät Wolfgang Krüger, „denn Zusammenziehen ist einer der ersten größeren Kooperationstests für ein Paar.“


Buchtipp:
Wolfgang Krüger
Freiraum für die Liebe
Nähe und Abstand in der Partnerschaft
Kreuz Verlag, 14,95


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Veröffentlicht von
am 18/08/2012
Die Lesernote:5/5 
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