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Liebe & Psychologie

Herzlose Wesen? Wenn Männer (zu) schnell eine Neue haben

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 14. September 2017
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Klar - eine Trennung ist immer schmerzlich, für beide Partner. Doch während wir Frauen noch monatelang grübeln und nicht über die alte Liebe hinwegkommen, scheint das männliche Herz schon längst wieder bereit für Neues.

Männer trauern nicht lange, sondern suchen sich stattdessen gleich die nächste Frau. Der Mann: Das herzlose Wesen. Aber ist das wirklich so? Sind Männer herzlos, wenn sie sich gleich in die nächste Beziehung stürzen? Dürfen wir Frauen ihnen vorwerfen, weniger geliebt zu haben und darum weniger zu leiden?

Nein, sagt Dr. Frauke Höllering, Allgemeinärztin mit Schwerpunkt Sexualmedizin: "Pauschalisieren darf man das Trennungsverhalten von Männern und Frauen nicht. Es gibt genug Männer, die sich Monate und Jahre vom Verlassenwerden erholen müssen. Genauso wie es Frauen gibt, die ihre Männer 'abschießen', sobald sie nicht so traumprinzenhaft sind wie erhofft. Mit genereller Liebes- und Leidensfähigkeit hat das nichts zu tun."

Männer und eine Trennung: Die Trostfrau

Hinter der männlichen Tendenz, sich schneller auf eine neue Beziehung einzulassen, steckt weniger Herzlosigkeit als Logik und Pragmatismus, so die Expertin: "Viele Männer sind schlicht bequem und mögen es, wenn sie zu Hause umsorgt werden. Die Neue muss auch nicht gleich die Traumfrau sein. Für viele Männer ist sie zunächst eine 'Trostfrau', bei der sie über kleine Macken hinwegsehen. Sie bleiben bei ihr, solange es eben hält."

Männer und eine Trennung: Pragmatik und Selbsterhaltungstrieb

Dass viele Männer recht schnell bereit sind, ihr Glück in einer neuen Partnerschaft zu suchen, bestätigt auch eine Studie der Online-Partnerrvermittlung ElitePartner.de. Demnach verliebt sich jeder vierte frisch getrennte Mann sehr schnell in eine neue Partnerin. Und das heißt konkret: Bereits vier Wochen nach der Trennung ist er offen für eine neue Beziehung.Dabei können sich beide Phasen auch überschneiden.

Sprich: Der Mann ist bereits aktiv auf der Suche nach einer neuen Liebe, trauert der alten aber noch hinterher. Hier setzt der männliche Selbsterhaltungstrieb ein. Ein Schutzmechanismus für das verletzte Ego. Denn natürlich geht auch Männern eine Trennung nah und erschüttert ihr Selbstbewusstsein. Aber ihre Reaktion darauf ist eben anders als bei Frauen.

Statt sich ewig die Wunden zu lecken und sich zu zermartern, was falsch gelaufen ist, setzen viele Männer eine Art Rettungsprogramm in Gang. Eine Maßnahme, die das Leiden verkürzt und sie schneller mit der schmerzlichen Trennung abschließen lässt. "Frauen neigen dazu, in Elend und Selbstmitleid zu schwelgen. Männer erlauben sich diese Schwäche meist nicht. Schon darum schauen sie schneller wieder nach vorn", weiß Dr. Frauke Höllering.

Männer und eine Trennung: Auf zu neuen Ufern

Vorschnell mag man Männern unterstellen, dass sie ihren Trennungsschmerz nur betäuben statt ihn zu verarbeiten. Dem widerspricht die Expertin: "Mit Betäubung hat das wenig zu tun. Männer gehen nur aktiver daran, mit der Vergangenheit abzuschließen.“ Zur Verarbeitung gehört die Erkenntnis: Die Trennung ist nicht mehr zu ändern, also akzeptiere ich sie und mache weiter. Und das ist gar nicht dumm, sondern hilft Männern schneller aus dem Tal der Trauer.

Der Beziehungsexperte und Autor Siranus Sven von Staden erklärte im Interview: "Das frische Verliebtsein überdeckt den Trennungsschmerz. Männer orientieren sich oftmals lieber neu, anstatt darüber nachzudenken, was sie in der gescheiterten Beziehung falsch gemacht haben."

Der kleine Unterschied: Frauen leiden lange

Die männliche Taktik des Nachvorneschauens unterscheidet sich von der Strategie, die Frauen nach einer Trennung anwenden. Auch hier ergab die Studie von ElitePartner.de: Fast 40 Prozent der Frauen brauchen mehr als ein Jahr, um die Trennung zu verarbeiten. Sich durch eine neue Beziehung darüber hinwegzuhelfen, kommt für die Mehrzahl nicht infrage. Der Grund: Viele Frauen sehen die Trennung als Chance, Dinge zu ändern und zu verbessern. Psychologin Nathalie Krahé dazu in BILD der FRAU: "Viele Frauen verarbeiten ein Liebes-Aus auf einer tieferen Ebene, wollen nicht gleich zum nächsten Partner wandern." Statt nach vorne blicken sie zunächst zurück und analysieren, was passiert ist.

Ein weiterer Grund für den unterschiedlichen Umgang mit der Tragödie Trennung: Frauen suchen den Grund für das Misslingen der Partnerschaft häufig bei sich selbst. Die Trennung wird als persönliche Niederlage aufgenommen, die es zu analysieren gilt. Alle Phasen der Beziehung werden durchleuchtet: Was habe ich falsch gemacht? Wann hätte ich noch etwas ändern können? Eine zermürbende Denkarbeit, durch die Frauen viel später als Männer zu dem Punkt kommen, an dem sie sich emotional vom Ex-Partner gelöst haben und offen für eine neue Beziehung sind.

Dennoch ist die weibliche Taktik nicht grundsätzlich die schlechtere. Siranus Sven von Staden sagt: "Ich empfehle jedem, sich eine Auszeit zu gönnen und sich zu fragen, was zur Trennung geführt hat. Das geht nur, wenn man es auch mal aushält, allein zu sein. Sonst werden beim nächsten Partner dieselben Probleme auftreten."

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